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„Bleib doch zum Frühstück“ im DT Göttingen

Boulevardkomödie „Bleib doch zum Frühstück“ im DT Göttingen

In die wohlgeordnete Welt des Spießbürgers, wie er im Buche steht, bricht ein flippiges Mädchen ein, türkischer Abstammung und hochschwanger. „Bleib doch zum Frühstück“ heißt die Boulevardkomödie, die am Sonntag im Keller des Deutschen Theaters (DT) Premiere hatte.

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Hans-Georg (Ronny Thalmeyer) und Leila (Felicitas Madl) sind nicht in der gleichen Welt zu Hause.

Quelle: Kimmel

Göttingen. Ein Sofa, ein Telefon, ein Abgang links und rechts – mehr Ausstattung (Florian Eppinger und Ilka Kops) braucht eine Boulevardkomödie nicht. Der Zuschauer im DT-Keller hat den angenehmen Eindruck, er sitze zusammen mit den Akteuren im Wohnzimmer.

 

Mehr als 40 Jahre hat die Komödie von Gene Stone und Ray Coonay auf dem Buckel. Doch museal wirkt sie überhaupt nicht. DT-Schauspieler Florian Eppinger ist für diesen Theater-Evergreen wieder einmal in die Rolle des Regisseurs geschlüpft – sehr genau wissend, womit ein Schauspieler die beste Wirkung ausstrahlt.

 

„Bleib doch zum Frühstück“ ist ein Zweipersonenstück, zweimal nur klingelt Jimmy (Frederik Schmid), der Mieter aus der oberen Etage. Zwei Welten prallen aufeinander, hier der brave Beamte Hans-Georg, Abteilungsleiter in der Rentenanstalt mit 22 Dienstjahren, dort Leila, Anfang 20, die das Leben in vollen Zügen genießen möchte. Ihr Credo: „Ich weiß nur eines – ich weiß nicht, was ich will.“ Sie hasst das Establishment: „Gute Manieren sind das beste Versteck für Arschkriecher.“ Diese Konfrontation zwischen „Megabratarsch“ und „Türkenschlampe“ ist pointen­trächtig.

 

Als unerwartet früh bei Leila die Wehen einsetzen, unterstützt Hans-Georg nicht ohne Widerwillen, aber stets zuverlässig die junge Frau. Und ebenfalls nicht ohne Widerwillen fügt sich Leila in die Situation und ist am Ende selbst überrascht, dass sie für ihn inzwischen etwas anderes empfindet als Spießer-Verachtung.

 

Ronny Thalmeyer ist der perfekte brave Mann, immer höflich, immer pünktlich, überaus misstrauisch gegen alles, was ihm Leila aus der fremden Welt da draußen mitbringt. Ganz allmählich beginnt er, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen, in der zentralen großen Streitszene brüllt und schlägt er sogar. Dem hält Felicitas Madl bewunderungswürdig stand, sie ist hinreißend frech, hinreißend schlampig und kann brillant schimpfen. Und wenn ihr Kollege mit einem Dialogsatz zu früh kommt, dann wirft sie einfach ein: „Ey, ich war noch nicht fertig!“ Für die 90 unterhaltsamen, lebensprallen Minuten bedankte sich das Premierenpublikum mit üppigem Applaus – im Wohlgefühl der Einsicht, dass auch die ausgeflipptesten jungen Leute dereinst den Rückweg in die Bürgerlichkeit finden werden.

 

Termine: 29. November und 20. Dezember 18 Uhr, 7. und 14. Dezember 20 Uhr im DT-Keller, Theaterplatz 11. Karten unter Telefon 05 51 / 49 69 11.

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