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Blütenfolge aus dem Tritt

Gartentipps Blütenfolge aus dem Tritt

Der Frühling hat sich Bahn gebrochen, in den Gärten hat die Blüte begonnen. Jetzt ist die Zeit für Rückschnitt und neue Anpflanzungen.

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Neuzüchtung: Paeonie Twin Beauty.

Quelle: Callauch

Das „Zauberwort“ in diesem April heißt „Frühling“, der die Natur mit einem grandiosen Farbklang der Blütenpracht geöffnet hat. Die sonnigen, warmen Tage haben zu einer Explosion der Blüten an Sträuchern und Bodenpflanzen geführt. Die normale Blütenfolge ist vollkommen aus dem Tritt geraten, die Süßkirsche blüht zeitgleich mit der Schlehe, die Rapsfelder zeigen bereits zarte Gelbtöne und der Frühling scheint gleich in den Sommer überzugehen.

Gern begibt man sich auf ausgiebige Frühlingsspaziergänge in die Gärten. Da wird dann allerdings auch rasch die Arbeit sichtbar, die auf den Gärtner wartet: Der erste Rasenschnitt sollte erfolgen, besonders dort, wo vom vergangenen Jahr noch trockene Halme das Bild bestimmen. Wenn man über einen bunten Wildblumenrasen verfügt, so spart der Schnitt natürlich die gerade aufgehenden Wiesen-Schaumkräuter und Hahnenfüße aus. Wo uns im März die Krokusse, Winterlinge und Schneeglöckchen im Rasen erfreut haben, mäht man jetzt um die verbliebenen Blätter herum, damit sie wieder Kraft sammeln können, um im nächsten Vorfrühling auszutreiben.

Ein Blick auf die Rosen offenbart, wo der kalte Winter besonders zugeschlagen hat: Während einige Rosen eifrig treiben und die Mairose (Rosa hugonis) kurz vor der Blüte steht, sehen andere abgestorben aus. Rosen sind eine komplexe Gruppe mit zahlreichen Abstammungslinien und besonders die asiatischen Eltern sind in Mitteleuropa nie ganz frosthart geworden. Das Zurückfrieren ist also nichts Besonderes, in diesem Jahr nur mal wieder auffälliger als nach milderen Wintern. Am Besten beobachtet man die  scheinbar „toten“ Rosen noch eine oder zwei Wochen, bevor man sie ganz abschneidet. Zeigt sich ein Austrieb, so wird bei Strauch- und Kletterrosen lediglich der darüber stehende, tote Stammbereich abgeschnitten.

Immergrüne Gehölze

Bei Beetrosen kann man bereits jetzt bis auf 20 Zentimeter zurückschneiden, sie treiben zuverlässig aus den unteren Augen wieder aus. Ebenso verfährt man bei den braun gewordenen, immergrünen Gehölzen wie den Lorbeerkirschen, dem Lusitanischen Kirschlorbeer oder Stechpalmensorten: Erst beobachten, dann schneiden.

Der April ist Pflanzzeit für Rosen, die jetzt als wurzelnackte (günstiger) oder als Containerware (teurer aber sicherer) geliefert werden. Rosen sind langlebige Gartenpflanzen, doch sollte man sich bei ihnen ab und zu mal etwas Neues gönnen, vielleicht „Souvenir de Baden-Baden“, eine duftende, langstielige Edelrose und Publikumswahl im Jahr 2008, oder die „Parfum de Grasse“, eine Rose, die den Duft in die Sommergärten zurückbringt. Zum Ausprobieren kann man die eine oder andere neue Sorte einfach zu Rittersporn und Sonnenbraut ins Staudenbeet setzen und die Eignung für den eigenen Garten testen. Die Zeit des Ausprobierens muß man natürlich haben, doch Geduld ist eine der Tugenden, die einen guten Gärtner auszeichnet.

Längst wissen Kenner, dass „Pfingstrosen“ eine weit längere Blütezeit als das Pfingstfest haben und können sich mit Paeonia mascula und P. mlokosewitschii bereits jetzt über die Blüten freuen. Es lohnt sich in diesem Jahr besonders, in Gartencentern und Baumschulen nach den neueren, chinesischen Züchtungen unter den Strauchpäonien (besserer Name für Pfingstrosen) Ausschau zu halten, die auf den Markt gekommen sind. Sorten wie „Twin Beauty“ (rosa gefüllt) und „Phoenix White“ sind eine wahre Augenweide und unbedingt für den halbschattigen Bereich unter Gehölzen zu empfehlen. Ihre Blüte setzt Ende April ein und kann sich jedes Jahr über Jahrzehnte wiederholen.

Zeit des Pollenflugs

Spätestens mit den lauen „süßen, wohlbekannten Düften“ (Möricke) setzt die Zeit des Pollenflugs ein und die windbestäubenden Pflanzen werden Manchem zum Gesundheitsrisiko. Den Haseln, Buchen und Gräsern ist kaum zu entkommen, doch der neu auftretenden Ambrosia gilt es vorzubeugen und jegliche Ansiedlung im eigenen Garten und in seinem Umfeld zu verhindern. Ihr Aussehen kann man etwa unter www.floraweb.de nachschlagen.

Rolf Callauch

Der Autor ist Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen. Am Sonnabend, 25. April, beginnt um 10 Uhr eine Pflanzenbörse im Neuen Botanischen Garten in der Griesebachstraße 1.

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