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Boat People Projekt stellt Fragen zur Flucht

Neue Produktion der Theatergruppe Boat People Projekt stellt Fragen zur Flucht

Wer sind wir und wo ist unsere „persönliche Grenze“? Das Stück „Eine Stadt verändert sich“ des Göttinger Boat People Projekts hatte im ausverkauften Saal des ehemaligen IWF Premiere. In einem assoziativen und performativen Mosaik hinterfragen die drei Hauptdarsteller Identitäten und Grenzen.

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Kalil, der als Kriegsflüchtling aus Syrien kam, und nun seit einigen Monaten in Göttingen lebt, spielt nicht nur „den Flüchtling“. Die Rollen werden getauscht und verknüpft in den Aushandlungsprozessen der drei Schauspieler.

Quelle: Chevallerie

Göttingen. Die freie Theatergruppe setzt sich auch in ihrem neuen Stück mit den Themen Flucht und Migration auseinander. Luise Rist und Rzgar Kalil haben die Texte entwickelt. Als Schauspieler spannt Kalil mit Franziska Aeschlimann und Dominik Breuer einen symbolhaltigen Bogen über die Meinungslandschaft zum Thema Flüchtlinge. Ihr Spiel auf der Bühne wird ergänzt durch ihr Spiel in Videoinstallationen, die auf drei Leinwänden eingeblendet werden.

Es braucht nicht viel, um die Zuschauer an die Entwicklung der vergangenen Monate zu erinnern. Manchmal reicht eine Filmsequenz, die einen Strand und die Brandung des Meeres zeigt. Im Kontext der Flüchtlingskrise bekommen Begriffe eine neue Bedeutung. Die bloßen Schlagworte „Assad – IS – Grenze – Schleuser – Meer – Hunger – LKW“ sind das Destillat tausender Einzelschicksale.

Kalil, der als Kriegsflüchtling aus Syrien kam, und nun seit einigen Monaten in Göttingen lebt, spielt nicht nur „den Flüchtling“. Die Rollen werden getauscht und verknüpft in den Aushandlungsprozessen der drei Schauspieler. Breuer wird „abgeschoben“ und verkündet „Das war nicht lustig.“, als er den Raum aufs Neue betritt.

Es wird über Worte verhandelt. „Kultur – Darf man das noch sagen?“, „Flüchtling sagt man nicht. Das klingt wie Schädling“, deswegen sagt man „refugee“. Und dann ist da noch die Angst. Sie muss gepflegt werden. „Wenn ich sie nicht pflege, wer dann? Es ist verboten, keine Angst zu haben“, klärt Breuer Aeschlimann auf, die mit ihrer Nicht-Angst alleine ist. Und wenn sie keine Angst habe, dann müsse man sie Angst lehren.

Nicht nur die Rollenbilder, auch das Bühnenbild ist in stetigem Wandel. Ständig werden die Würfel und Stellwände zu neuen, teils abenteuerlichen, Konstrukten aufgetürmt und auf ihre Standfestigkeit erprobt. Dabei entstehen auch eine Mauer und die Frage, wer ist auf der „anderen Seite“. Wer lässt wen rein oder raus? 

Unter der Regie von Nina de la Chevallerie ist ein gut durchdachtes und trotzdem offenes Stück entstanden, das Raum für die Interpretation und Assoziation der Zuschauer lässt. Schauspiel, Musik und Videokunst verschmelzen und zeichnen das Bild von einem „unförmigen Deutschland“, das seine Identität ebenso vergeblich sucht, wie seine Grenzen.  „Eine Stadt verändert sich“ bietet keine einfache Meinung, sondern zeigt, wie vielfältig und kritisch ein „wir“ hinterfragt werden muss.

Die nächsten Vorstellungen sind am 25. und 27. Februar, sowie am 3. und 6. März um 19.30 Uhr im Theater im ehemaligen IWF-Gebäude, Nonnenstieg 72. Karten unter boatpeopleprojekt.de.

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