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„Boat People Projekt“ unterwegs in Südafrika

„Unglaublich emotional“ „Boat People Projekt“ unterwegs in Südafrika

Vor einem Jahr arbeiteten die Göttinger Theatermacher „Boat People Projekt“ an einem Projekt über Südafrika. Zwei schwarze Schauspieler hatten sie für „Schattenboxer“ engagiert, Xolani Mdluli und Skhumbuzo Dlamini. Zu einem  Festival und weiteren Vorstellungen hat das Team jetzt Dlamini in Südafrika besucht.

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Auf Werbetour im Township für ihr Theaterprojekt: Skhumbuzo Dlamini (links) und Nina de la Chevallerie mit einem Promoter.

Quelle: EF

Göttingen/Pietermaritzburg. Mdluli und Dlamini sind unter dem Apartheid-Regime aufgewachsen, Dlamini lebt noch heute in einem Township in Pietermaritzburg im Südosten Südafrikas. Mit Freunden hat er dort ein Theater gegründet und jetzt ein zweitägiges Festival organisiert, das „Umphithi theatre arts festival“. Hinzu seien Vorstellungen in zwei Townships gekommen, erzählt Reimar de la Chevallerie.

In Pitermaritzburg standen offizielle Termine an. Gleich von zwei Bürgermeistern seien sie empfangen worden und hätten sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Die Unterschrift von Nelson Mandela, von 1994 bis 19999 erster schwarzer Präsident Südafrikas, entdeckten sie dabei. Im Radio gaben sie ein Interview, eine Zeitung veröffentlichte einen Bericht über die Gäste aus Deutschland. An Werbung für das Festival reichte das allerdings noch nicht. Da das Plakatieren dort schwierig sei, gab es eine andere Lösung: Sie fuhren mit sechs weißen, mit Plakaten beklebten Autos durch die Gegend, darunter auch der Mietwagen der Chevalleries, und machten per Megaphon auf die Theatervorstellungen aufmerksam. Die Folge: „Wir hatten total viel Kontakt mit den Menschen“, sagt Nina de la Chevallerie, das sei extrem unkompliziert gewesen. Zwischen 100 und 140 Besucher zählten sie schließlich bei ihren Vorstellungen. Und: „Das Publikum reagiert ganz anders als in Deutschland“, berichtet Reimar de la Chevallerie. Gerade bei den Prügelszenen hätten die Besucher gelacht. Auch das Produktionsteam nahm die Produktion anders wahr. „In Deutschland dachten wir, dass die Inszenierung sehr südafrikanisch wirkt, in Pietermaritzburg sah es sehr europäisch aus.“

Eine Jury beurteilte schließlich die einheimischen Produktionen. Mitglied dieses Gremiums sei ein am Kap sehr prominenter Schauspieler und Produzent gewesen, erzählt Reimar de la Chevallerie. Seine Kritik sei „sehr streng, sehr ehrlich, sehr konstruktiv“ gewesen, sagt Nina de la Chevallerie.

In Durban spielten sie schließlich in einem Theater in einem Township. „Dort haben sie sehr viel vor“, sagt Nina de la Chevallerie, „sie wollen Kultur reinbringen – und Frieden“. Ihre Vorstellung wäre allerdings fast gescheitert. Beinahe seien sie in dem Township wegen fehlender Straßennamen verloren gegangen, und dann sei Dlamini während der Vorstellung von der Bühne gegangen und dahinter in Ohnmacht gefallen. Er hatte mit Fieber gespielt. Mit Wasser brachten sie ihn wieder zu Bewusstsein, er spielte zu Ende. Das Fazit: „Die beiden Schauspieler waren unglaublich emotional und unglaublich gut.“

Der Neffe von Dlamini heißt übrigens German. Warum, erklärt Nina de la Chevallerie: „Er ist vor einem Jahr geboren, am Tag vor dem Flug Skhumbuzos nach Deutschland.“

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GT-Redakteur/in Peter Krüger-Lenz

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