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Boogie und Swing in der Göttinger Torhaus-Galerie

Wie bei Tante Lotte Boogie und Swing in der Göttinger Torhaus-Galerie

Die Stimmung in der Torhaus-Galerie erinnert an Schwarzweiß-Film der 20er-Jahre. Die Göttinger Pianisten Joe Pentzlin und Gregor Kilian waren in den Räumen am Stadtfriedhof zu einem Konzert zusammen gekommen – einem Benefizkonzert zur Unterstützung der Torhaus-Galerie. 

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Joe Pentzlin (links) und Gregor Kilian.

Quelle: Heller

Göttingen. Sie präsentierten locker leichte Salon-Musik. Und Boogie Woogie und Blues wirken in dieser Atmosphäre alles andere als eingestaubt.

Pentzlin und Kilian lassen die Finger nur so über die Tasten fliegen. Ihr Konzert heißt „take two“. Begleitend zur Ausstellung von Sabine Harton und Nils Elias spielen sie im Duett. Das Publikum lauscht den Klaviermelodien unter ausschwärmenden Origami-Kranichen und stilisierten Fotoarbeiten. Zu eigenen Kompositionen der zwei und Klassikern aus Boogie Woogie, Swing und Blues wippen die Zuhörer beflügelt mit.

Nach dem Intro folgen viele dynamische Ausschweifungen, einige ruhigere Blues-Stücke. Pentzlin wirkt dabei entspannt als würde er immer noch im Wohnzimmer seiner Tante Lotte üben. Die habe ihm seit seinem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht gegeben, sagt Pentzlin. „Sie ließ mich jedes Stück 30 Mal wiederholen bis ich es wirklich beherrschte. Auch heute bin ich immer noch ehrgeizig und fleißig“, sagt der gebürtige Berliner bei einem  Gespräch in der Pause.  Seit 55 Jahren tritt er als Musiker auf, wirkt souverän und entspannt. Seit etwa acht Jahren spielt er an der Seite von Gregor Kilian, der regelmäßig mit den „New Orleans Syncopators“ im Apex auftritt.

Kilian erzählt, wie seine Mutter eine Platte gekauft hatte, um beim Bügeln in Schwung zu bleiben – ein Album von Pentzlin und Gottfried Böttger. Dass er später einmal mit einem der Musiker, die jahrelang die Fernseh-Talkshow „III nach 9“ mit Pianoklängen untermalten, auf der Bühne stehen würde und sich eine Freundschaft entwickelte, war damals nicht abzusehen.

Doch Pentzlin erfährt durch Kilian eine ausgesprochene Bereicherung. Dessen Finger fliegen über das E-Piano. Langsame Stücke seien nicht sein Terrain, sagt Kilian. Das merkt man ihm an. Er spielt die Tastatur rauf und runter, energisch und sichtlich mit Spaß. Die Gelassenheit bringt Pentzlin in das Duo. Das harmoniert. Regelmäßige Blickkontakte unterstreichen das Gefühl, dass hier wirklich noch zwei Musiker sitzen, die um der Musik willen spielen.

Und der Nachwuchs wird schon angefüttert. Nach der Pause setzt sich sein Schüler Peter neben Pentzlin an das Klavier. Dem Abend entsprechend spielen sie drei flotte Stücke. Da steckt nicht nur Tempo, sondern auch Potenzial drin.

Von Leslie Wathsack

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