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Breites Spektrum verschiedener Klangfarben

Solokonzert Breites Spektrum verschiedener Klangfarben

In früheren Jahren kam er regelmäßig ins Alte Rathaus nach Göttingen zu den Gitarrentagen, brachte zuletzt um die Jahrtausendwende so illustre Gäste mit wie Steve Erquiaga, Fareed Haque und Stephen Stubbs.

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Souveräne Klangkunst: der Gitarrist Frank Bungarten in romantischem Ambiente.

Quelle: EL

Göttingen. Nun hat sich Frank Bungarten wieder einmal nach Südniedersachsen begeben. Am Sonnabend war er zu Gast auf dem Gräflichen Landsitz Hardenberg und präsentierte dort einem zahlreichen Publikum in stilvollem Rahmen ein spanisch dominiertes, erlesenes Gitarren-Solo-Programm mit virtuoser Musik von Fernando Sor, Johann Sebastian Bach, Heitor Villa-Lobos, Joaquin Rodrigo und Isaac Albeniz.

Persönliche Beziehungen, so war zu erfahren, haben den Musiker nach Nörten-Hardenberg geführt.

Bungarten, seit 1982 Professor an der Musikhochschule Hannover und in den Jahren 2005 und 2011 vom Echo-Musikpreis Klassik als „Instrumentalist des Jahres“ ausgezeichnet, ist einer der souveränsten deutschen Gitarristen. Einerlei ob es – wie bei Fernando Sors Etüden op. 29 – für das Instrument ausgesprochen unangenehme Tonarten sind, ob – wie bei Bachs Partita h-Moll BWV 1002 – das ursprünglich vorgesehene Instrument eine Violine ist:

Immer bleibt sein Spiel unangestrengt locker und erweckt dabei den Anschein, als sei es die einfachste Sache der Welt. Diese technische Souveränität erlaubt es dem Musiker, sich ganz der musikalischen Gestaltung zu widmen, weitreichende Spannungsbögen aufzubauen und überdies mit einem breiten Spektrum verschiedener Klangfarben zu verblüffen.

Das wird am ohrenfälligsten in den zarten Flageoletts, die wie ein Echo aus entfernten Höhen klingen. Aber Bungarten kann seine Gitarre auch ausgesprochen menschlich singen lassen, kann sie in tänzerisch leichtfüßigen Schwung versetzen oder mit unbarmherzig hartem Saitenschlag gleichsam musikalische Pflöcke in die Erde treiben.

Zierliche barocke Verzierungskunst und transparente polyphone Strukturen führte er hinreißend in Bachs Partita vor,  tänzerische Grazie in der „Suite populaire brésilienne“ von Villa-Lobos vor, harte Konturen in Rodrigos spätem Stück „Un tiempo fue Itálica famosa“.  Und unter seinen Händen wird auch ein so scheinbar abgespieltes Stück wie „Asturias“ von Albeniz sprühend lebendig.

Dieses Finale versetzte das Publikum in helle Begeisterung – es klatschte so ausdauernd, dass es Bungarten schließlich noch zwei Zugaben entlockte. Und dass er in Aussicht stellte, zwar die Göttinger Gitarrentage wohl nicht wieder aufleben zu  lassen, dafür aber gern wieder dem Gräflichen Landsitz Hardenberg einen Besuch abzustatten, stimmte die Besucher hoffnungsvoll.

Wer dieses Konzert versäumt hat, kann einzelne Werke auf Bungartens CDs hören: etwa sämtliche Werke von Heitor Villa-Lobos (eine CD), Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach im Arrangement von Frank Bungarten (zwei CDs), alle erschienen bei Musikproduktion Dabringhaus und Grimm (MDG).

Von Michael Schäfer

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