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Leben und Sterben im Unterstand

"Brigadevermittlung" im Theater im OP Leben und Sterben im Unterstand

Eng ist es in diesem Unterstand. Große Menschen stoßen mit dem Kopf an die niedrige Decke. Hier spielt das Stück „Brigadevermittlung“, das jetzt im studentischen Theater im OP Premiere hatte. Seine Uraufführung hatte der Text 1929 – als Hörspiel im Radio.

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Eng ist es in der Brigadevermittlung: Schneider (Andreas Hey), im Hintergrund Behnke (David Höhle).        

Quelle: Janitschke

Immer wieder rummst es. Granaten rasen pfeifend durch die Luft bevor sie mit Getöse einschlagen. Mal liegen die Treffer weiter entfernt, doch dann nähern sie sich diesem Unterstand. Hier ist die Brigadevermittlung untergebracht, die Fernmeldezentrale, die für den Kontakt zwischen den verschiedenen deutschen Einheiten und der Heeresführung an der Westfront im Jahr 1918 in Frankreich verantwortlich ist. Der Erste Weltkrieg hat Europa in Brand gesetzt. In einem erbarmungslosen Stellunsgkrieg sterben die Menschen auf beiden Seiten zu Hunderttausenden.

Ernst Johannsen hat im Jahr 1929 vor diesem historischen Hintergrund ein Hörspiel geschrieben, das die Lage in dem Unterstand schildert, in dem sich die Brigadevermittlung befindet, eingegraben in die Erde zum Schutz vor feindlichem Beschuss. Hier treffen die alten Haudegen auf den jungen Burschen, der kurz vor Kriegsende noch eingezogen wurde und keine Ahnung vom Krieg hat. Diese Stellung soll unbedingt gehalten werden, obwohl die Lage offensichtlich aussichtslos ist.

Sehr intensiv beschreibt Johannsen das dramatische Geschehen, das sich außerhalb der Brigadevermittlung abspielt. Soldaten verlassen den Bunker und berichten nach der Rückkehr vom Tod der Kameraden. Sie erzählen erschüttert von dem Blut, dass sie gerade gesehen haben, und von den abgetrennten Gliedmaßen. Andere spielen in diesem Durcheinander gelassen Karten und denken über frisches Essen nach, Pferdegulasch von erschossenen Tieren an der Front: „Wenn ich wenigstens Zwiebeln hätte!“

2003 wurde aus dem Hörspiel erstmals ein Theaterstück, aufgeführt in London. Die späte Bühnenadaption hat ihren Grund,denn das Stück funktioniert als Hörspiel prächtig. Das Produktionsteam Ulf Janitschke und Markus Piccio hat die ehemalige Notaufnahme als Spielort gewählt, weil sich dort die Enge, in der sich das Geschehen abspielt, direkt auf das Publikum überträgt.

Janitschke hat ein bemerkenswert aufwendiges Bühnenbild entworfen und mit viel Liebe zum Detail diesen Unterstand aus Brettern zusammengezimmert. So könnte er tatsächlich ausgesehen haben, damals 1918. Die Kostüme von Ariane Hey und Raja Val stehen dem in nichts nach.Das neunköpfige Schauspielerteam agiert entsprechend einem studentischen Theaters teils mit dem Schwung des Anfängers, teils mit der Erfahrung einer ganzen Reihe von Produktionen. Knapp eine Stunde lang vollzieht sich das Drama – man kann sich auch gut vorstellen, diese 60 Minuten vor einem Röhrenradio sitzend zu verbringen.

Weitere Vorstellungen: 7., 8., 11., 12., 14., 15., 17., 18., 20., 21. und 22. Oktober um 20.15 Uhr in der Notaufnahme des Theaters im OP, Käte-Hamburger Weg 3.

Kartentelefon: 0551/397077.

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