Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Brillen in Sicherheit und auf ins Getümmel

Frisch aus Bayern: „Emil Bulls“ Brillen in Sicherheit und auf ins Getümmel

Musik bei anderen abschreiben? James Richardson lacht. „Wir spielen seit 15 Jahren zusammen. Wir haben jetzt einen eigenen Stil drauf.“ Wenn, dann würden sie nur bei sich selbst abschreiben. Richardson ist der Bassist der bayerischen Band „Emil Bulls“, die am Donnerstag auf ihrer Phoenix-Tour in der Musa in Göttingen gastierten.

Voriger Artikel
Armut bedeutet oft Bluthochdruck und Übergewicht
Nächster Artikel
Potenzielle Steuerhinterzieher im Publikum

Auf der Suche nach Publikumskontakt: Sänger Christoph von Freydorf von „Emil Bulls“.

Quelle: Vetter

Zusammen mit „The Dreams“ von den dänischen Färöer-Inseln und den australischen „Mayfield“-Rockern verwandelten sie das Kulturzentrum in eine Metal-Hölle. Wenn man bei den Bulls alles Stil-Beiwerk wegnimmt, bleibt harter schneller Rock mit einer sehr popigen Hymnenhaftigkeit. Wenn dann aber die Hardcore-Elemente einsetzen und Ex-Klosterschüler Christoph von Freydorf seine Wut hinausschreit und die beiden Gitarren (Stephan Karl und Andy Bock) metalartig losschreddern, dann kann es sich schon einmal nach Trash Metal anhören, das in Richtung Metal/Hardcore geht.

Schnell, unbarmherzig mit harten Gitarrenwänden und groovigen Beats. Der Wechsel von von Freysdorfs rauer und popiger Singstimme wirkt nicht aufgesetzt und erinnert von der Melodieführung her an älteren Skatepunk. Die Drums von Klaus Kössinger funktionieren auf den Punkt und geben den Stücken durch die Double-Base noch mehr Drive. Das ist laut, ohrenbetäubend, schnell – und funktioniert als buntes Potpourri unwahrscheinlich gut. Neun Platten haben die Jungs inzwischen schon herausgebracht, fünf davon mit Plattenfirmen im Rücken.

Im bayerischen Hohenschäftlarn bei München begann die Geschichte der Band, als sich von Freydorf und Stefan Finauer (Schlagzeuger bis zum Jahr 2003) mit dem Chorknaben Richardson zusammengetan haben. Sie nannten sich nach dem gleichnamigen Kinderfilm. Alle Studio-Alben zogen in die Top 100 der deutschen Musikcharts ein. Jetzt sind sie wieder auf Tour mit zwei Bands im Gepäck: „Wir suchen welche, die gut anheizen sich aber auch anders anhören“, sagt Bassist Richardson.

„The Dreams“ und „Mayfield“ waren zwar routiniert, schafften es aber gerade nicht, für Stimmung zu sorgen. Die Hörer wippten mit, vereinzelt wurde etwas gehüpft, aber der Party-Funke wollte nicht überspringen. Dabei hätten sie es sich schon verdient: Gut, die Australier waren in ihrer Moderation etwas ungelenk und übertrieben durch Klischees. Aber musikalisch war das in Ordnung: Klassisch kombinierte Metal-Songs mit härteren und weicheren Passagen, mehrstimmiger Gesang und eingängige Melodien. „The Dreams“ blieben während ihres Auftritts nur Hintergrundmusik für die Zuhörer. Erst als „Emil Bulls“ auf die Bühne kam, da wurden die Brillen in Sicherheit gebracht und sich ins Getümmel gestürzt.

Von Florian Heinz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers