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Buchpräsentation im Restaurant

Literaturherbst Buchpräsentation im Restaurant

Schlicht „Im Restaurant“ hat  Christoph Ribbat sein jüngstes Buch genannt und ihm den Untertitel „Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne“ verpasst. Die Organisatoren des Göttinger Literaturherbstes nutzten die Steilvorlage  und legten die Lesung in das Restaurant Planea: Drei-Gänge-Menue und Worte über Restaurantkultur.

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Ein Mann fürs Profane: Christoph Ribbat hat ein Buch über Menschen in Restaurants geschrieben.        

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Wir wollen Literatur an literaturferne Orte bringen“, erklärte Madita Oeming vom Organisationsteam des Lesefestivals zur Einführung. Sie kündigte für den Abend in dem Restaurant neben der historischen Sternwarte an: „im Wechsel lesen und essen“.

Autor Ribbat, Amerikanistik-Professor an der Universität Paderborn, hat bereits zwei Bücher vorgelegt, die sich mit profanen Themen beschäftigen: mit der Neonlicht und mit der Kulturgeschichte des Basketballs.

Essen aus der Dose

Nun also Restaurants. Kurze Geschichten hat Ribbat aus der Geschichte der Versorgung fremdere Menschen mit Essen gegen Geld zusammengetragen. Er sei kein Gourmet, sagt Ribbat und verweist auf seine „typische 70er-Jahre Kindheit mit Essen aus der Dose“. Und er beteuert: „Alle Geschichten sind wahr.“ Viele blaue Notizzettelchen hat er zwischen die Seiten seines Buches gelegt, nicht alle so gekennzeichneten Textstellen kann er an diesem Abend vortragen. Wie gesagt: immer im Wechsel lesen und essen.

Ribbat startet mit Frances Donovan, einer Soziologin, deren Buch über Kellnerinnen 1919 erschienen ist. Ein Dreivierteljahr hat sie dafür selbst in unterschiedlichen Restaurants gearbeitet. Ribbat ist fasziniert von ihr.

Es folgen Restaurantstationen in Paris, wo Goebbels im Maxim’s gespeist haben soll – mit Hermann Gö­ring. Im Weißen Rößl am Wolfgangsee tafelte er nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, und in München erstattet er Adolf Hitler Bericht in der Osteria Bavaria, alles notiert in Goebbels’ Tagebuch.

Nur schleppend

Einen Kochlehrling schickt Ribbat auf die Suche nach einer Hühnerentknochungsmaschine, ein Scherz von den Koch-Kollegen. Er preist die 32 Variationen im Hotel Meissl & Schadn in Wien, gekochtes Rindfleisch zu servieren. Er bekundet seinen Hochachtung vor Menschen wie den Gastrokritiker Wolfram Siebeck: „Ich habe großen Respekt davor, wie jemand aus dem, was auf einem Teller liegt, großen Journalismus machen kann.“

Immer wieder entschuldigt sich Ribbat an diesem Abend. „Das wird Sie nicht freuen“, sagt er. Oder: „Ich versuche hier, Ihnen maximal den Spaß zu verderben.“ Das ist lustig gemeint, funktioniert aber nur mäßig. Das Programm schleppt sich ein wenig, vielleicht hat es an den Stellen gelegen, die Ribbat zum Vorlesen ausgewählt hatte.

Für Publikum, Ribbat und Oeming gab es an diesem Abend übrigens Kürbissuppe mit einer Garnele, Maishähnchenbrust auf Orangenfenchel und Gnocchi und als Nachspeise Panna Cotta mit Gewürzmandarinen und Bratapfelsorbet. Lecker.

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