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Buchpreisträger Lutz Seiler liest beim Göttinger Literaturherbst

In den Ring steigen Buchpreisträger Lutz Seiler liest beim Göttinger Literaturherbst

„Ich habe die sechs verrücktesten Tage in meinem Schriftstellerleben hinter mir!“ Lutz Seiler, Gewinner des diesjährigen Deutschen Buchpreises, ist ein bisschen müde als er beim Literaturherbst im ausverkauften Alten Rathaus auf der Bühne sitzt.

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Zurückhaltend: Lutz Seiler.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Es ist die erste Lesung nach der Frankfurter Buchmesse. Aber er erzählt im Gespräch mit Stephan Lohr doch sichtlich  gern von dieser Zeit und von seinem Roman „Kruso“, mit leisem Lächeln, zurückhaltend, fast höflich, aber nicht ohne die eine oder andere Spitze zu verteilen.   

Diese Vergabe am Montagabend sei schon mörderisch spannend gewesen, sagt Seiler. Tatsächlich wissen die Nominierten bis zum Schluss nicht, wer den Preis bekommt. „Es ging aber die Legende, dass man am Bewegungsprofil der anwesenden Medien erkennen könne, wer den Preis bekommt.“ Zunächst habe er kein Muster gesehen, dann aber habe sich ein Kamerateam mit Thomas Hettche beschäftigt. Ist gelaufen, habe er da gedacht. Wenig später aber gesehen, dass es ein RTL-Team war. „Ist vielleicht doch noch nicht gelaufen“ sei dann sein Gedanke gewesen. Anstrengend seien die letzten Tage gewesen, vollgestopft mit Terminen. Aber so Seiler, wer die Nominierung für den Preis akzeptiere, müsse auch bereit sein „in den Ring zu steigen.“

„Kruso“ ist Seilers erster Roman, vorher veröffentlichte er Lyrik- und Essaybände. Hauptperson Ed kommt im Sommer 1989 nach Hiddensee, damals der Ort für DDR-Aussteiger und durch die nahen dänischen Inseln für potentielle Flüchtlinge. „Eine exotische Szenerie“ wie Seiler sagt. Maler, Philosophen,  Schriftsteller, die sich als Saisonkräfte verdingten und versuchten hier eine Art selbstbestimmtes Leben zu führen. Für Ed ist das Leben und Arbeiten mit ihnen „wie eine Universität.“ Kruso ist der Guru der Szene. Seiler schreibt über die spezielle Freundschaft von Ed und Kruso. Und spürt dem Freiheitsbegriff nach. In einem packenden Epilog erzählt er davon, wo die Leichen derer geblieben sind, die bei Fluchtversuchen ertrunken sind.

Mit der Arbeit an einem Roman habe er bereits 2010 begonnen, erzählt der 1963 in Thüringen geborene Autor. Nur ein Kapitel sollte sich mit der Szene auf Hiddensee beschäftigen. Seiler selbst hatte 1989 dort gearbeitet. „Seine eigenen Erfahrungen hält man ja aber nicht für so wertvoll“, sagt er. Der ursprünglich geplante Roman scheiterte, der Hiddensee-Stoff aber nahm schnell Gestalt an. Beim Schreiben habe er bemerkt, wie einmalig diese Zeit war.

Seiler liest auch aus seinem Buch, sehr ruhig, fast ein bisschen monoton, er ist eben doch müde. So recht springt bei diesem Teil der Funke nicht über. Die Lust auf dieses Buch und auf weitere aber hat er geweckt. Auch mit seiner angenehm unaufgeregten Art.

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