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CD-Release: Blue Chamber Quartet in Göttingen

Rhapsody in Blue CD-Release: Blue Chamber Quartet in Göttingen

Gershwins populäre „Rhapsody in Blue“ in einer Kammermusik-Fassung für vier Spieler: Dieses delikate Arrangement ist das Titelstück der neuen CD, die das Blue Chamber Quartet am Dienstag im Alten Rathaus in Göttingen einem begeisterten Publikum vorgestellt hat.

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Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Gibt sich das 1924 uraufgeführte Originalwerk pompös-symphonisch, erhält es in der Bearbeitung für Klavier, Harfe, Kontrabass und Vibraphon einen gänzlich neuen Charakter. Es hat nun einen leichtfüßigen, manchmal geradezu zärtlichen Sound und besticht mit ungewöhnlichen, besonders reizvollen Klangfarbenmischungen der vier Instrumente.

Das bei Gershwin in den Streichern satt strömende Mittelteil-Thema ist jetzt beispielsweise der Harfe zugewiesen (fein akzentuierend: Angelika Siman) und gewinnt dadurch viel Anmut, der Klarinetten-Beginn klingt auf dem Vibraphon (grandios: Arrangeur Thomas Schindl) nicht frech, sondern beinahe flauschig. Die virtuosen Klaviersoli (brillant mit glasklaren Konturen: Julia Bartha) sind mitunter dialogisierend auf die verschiedenen Instrumente verteilt, und der Kontrabass (hier mit singendem, warmem Ton, dort knallhart perkussiv: Holger Michalski) darf sich auch als Blues-Solist bewähren.

Eröffnet hatten die vier Musiker den Abend mit Leonard Bernsteins rhythmisch ungewöhnlich trickreicher „Candide“-Ouvertüre, die ganz unaufgeregt und entspannt daherkam und dadurch besonders elegant wirkte. Sehr fein war die Mischung des Klaviertons mit Harfe und Vibraphon in den drei Sätzen der Suite Española von Isaac Albéniz – hier schien es, als sei der Klavierklang mit farbigen Rändern geschmückt. Fünf „Children’s Songs“ von Chick Corea waren Glanzstücke für Julia Bartha, in Astor Piazzollas „Kicho“ konnte Holger Michalski solistisch brillieren.

Ergänzt wurde das Programm durch Prokofjews unerbittlich motorische Toccata op. 11, den zart-traurigen „Blues for Gilbert“ von Mark Glentworth, in dem Thomas Schindl das poetischste Vibraphon spielt, das man sich vorstellen kann, und die jazzigen „Three Dance Portraits“ des amerikanischen Komponisten Allen Shawn. Ein faszinierender Abend mit einem begeisterten Publikum und einem Boogie im Siebenertakt als Zugabe.

 Von Michael Schäfer

Blue Chamber Quartet: Rhapsody in Blue, Super-Audio-CD, Coviello 7766516, 20 Euro.

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