Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Camus’ „Das Missverständnis“ hat Premiere

Junges Theater Camus’ „Das Missverständnis“ hat Premiere

Die Bühne im Jungen Theater in Göttingen ist karg und gruselig. Wie Spinnweben ziehen sich flexible Stofffetzen darüber, in die sich die Charaktere verstricken und verkuddeln. In dieser Umgebung leben Martha und ihre Mutter ein karges Leben. Sie bringen regelmäßig Gäste ihrer Herberge um und hoffen, sich durch das Geld der Reisenden eine bessere Zukunft leisten zu können.

Voriger Artikel
Start der Kleinen Reihe mit Werken von Ives, Beethoven und Haydn
Nächster Artikel
"Tom Drake Bennett – Neuer Blick auf Alte Meister"

Karg und abstrus: Die Welt, in der „Das Missverständnis“ spielt.

Quelle: EF

„Ich will in das Land, indem die Sonne alle Fragen tötet“, sagt Martha zu ihrer Mutter. Es ist die einzige Hoffnung, die sie in ihrem Leben noch sieht. Eines Tages töten sie einen jungen Mann, der allerdings nicht nur Gast war: Jan ist der Sohn und Bruder, der vor langer Zeit ein neues Leben begonnen hat und seine Familie besuchen wollte.

„Das Missverständnis“ von Albert Camus hatte am Sonntag Premiere im Jungen Theater in Göttingen. Der Studentenclub hat sich unter der Leitung von Katrin Bolbeth dem Stoff angenommen. Dabei bedient sich der Club morbider und bizarrer Elemente, die stark an die Visualität eines Tim Burton erinnern: Schon alleine das Netz, in das sich die Charaktere immer wieder verwickeln, wirkt bei der Inszenierung sehr plastisch. Nichts erinnert an ein Hotel, alles bleibt abstrus und dunkel. Dazu tragen auch die Schauspieler bei, die größtenteils kniend spielen.

Nils-Ole Pruß spielt den Sohn, bodenständig und leicht naiv, der es nicht schafft, ein einfaches „Ich bin’s“ über die Lippen zu bekommen. Die Darstellung der Mutter durch Kristin Lehmann ist eindringlich. Sie spielt mit Mini-Krücke eine Mutter, die aufgegeben hat. Allein ihre gut vorgetragenen Gesangseinlagen zerschneiden dann doch etwas die Dramaturgie. Musikalisch funktioniert der Song „Closer“ von Kings of Leon allerdings sehr gut und zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Stück. Intensive 60 Minuten.

Die nächsten Aufführungen:
2. November im Nörgelbuff, Groner Straße 23; 3. November im Lumière, Geismarlandstraße 19, in Göttingen. Beginn ist um 20 Uhr. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

Von Florian Heinz

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Fotografie-Ausstellung „In saeculo lux“ in der Galerie Ahlers