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Carolin Kebekus mit „Pussy Terror“ in der Göttinger Stadthalle

Die Brüste von Micaela Carolin Kebekus mit „Pussy Terror“ in der Göttinger Stadthalle

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen – dieses Thema ist eigentlich ein alter Hut auf der Kabarettbühne. So alt, dass es schon lange schimmelt. Jaja, Frauen können nicht einparken, werden beim Shoppen zu hysterischen Zicken und finden sich sowieso immer zu dick, egal was der Mann sagt.

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Mit frotzelnder Überspitzung und aufrechter Empörung: Carolin Kebekus.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Und Männer? Die sind nur glücklich, wenn sie Fleisch essen und Fußball gucken können. Sicherlich lassen sich daraus nette Witze ziehen. Vor 15 Jahren waren die bestimmt lustig. Aber heute wird das Thema so inflationär gebraucht, dass man ihm wirklich auf jeder Kleinkunstbühne begegnet. Man sollte meinen, man hat das alles schon einmal gehört. Gibt es da überhaupt noch was zu lachen?

Ja, gibt es. Das beweist die Kölner Komikerin Carolin Kebekus auf der Bühne der ausverkauften Stadthalle. Der Saal tobt bereits als Kebekus auf die Bühne kommt. Ihr Programm startet mit einer Rap-Einlage. „Auf dein dummes Gelaber hab’ ich keinen Bock“, singt die Kölnerin und macht gleich in den ersten Minuten klar, dass hier nicht in einem elaboriertem Sprachduktus gesprochen wird.

Kebekus rotzt die Worte wenig ladylike dahin. Das muss so sein bei einer Show, die „Pussy Terror“ heißt. Aufregen und schimpfen gehört da zum Programm. Und Gründe dafür gibt es allemal.

Stehende Ovationen

Auch Kebekus redet über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Aber auf eine ganz andere Weise, denn sie prangert an. Nicht so was Stumpfsinniges wie das Ding mit den Männern und Fußball, sondern viel brennendere Aspekte. Dass Männer im Schnitt immer noch mehr verdienen als Frauen. Und dass man heutzutage nicht fernsehen kann, ohne dass nackte Frauen zu sehen sind. „Ich sehe die Brüste von Micaela Schäfer öfter als meine eigenen“, sagt Kebekus.

Mit ihrem Programm bringt die Komikerin eine klare Haltung auf die Bühne und hebt sich ab von vielen Berufskollegen, die nur einen Witz nach dem anderen erzählen. Das macht Spaß, aber auch nachdenklich. Etwa wenn Kebekus feststellt, dass Cellulite nur eine Frage der Beleuchtung sei: „Das darf ich aber nicht wissen, denn sonst kaufe ich mir ja nicht die Arschcreme für 80 Euro.“

Das Herausragende an „Pussy Terror“ ist, dass Kebekus einer in die Jahre gekommenen Ideologie mit Humor begegnet: dem Feminismus. Der Begriff klingt angestaubt und wenig spaßig. Gerade hier setzt Kebekus mit einer Mischung aus frotzelnder Überspitzung und aufrechter Empörung an.

„Ich habe das Gefühl, ich werde von den Medien dazu erzogen, mich scheiße zu finden“, sagt die Kölnerin und trifft damit einen Nerv. Sie erntet großen Applaus, und am Schluss geben viele Zuschauer stehend Ovationen.

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