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Eigenwillige Klanglandschaften

Castus aus Belgien im Nörgelbuff Eigenwillige Klanglandschaften

Post Pop made in Brüssel bietet die sechsköpfige Band Castus. Sie ist auf ihrer ersten Tour durch Deutschland unterwegs und hat ihr drittes Album „Orca“ im Göttinger Nörgelbuff vorgestellt. Instrumentale Kompositionen, die sie mit außergewöhnlichen Hilfsmitteln spielen, sind darauf zu finden.

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Erstmals unterwegs in Deutschland: die Band Castus.

Quelle: Linnhoff

Göttingen. Portugal, Italien und Frankreich haben sie schon bereist. Nun kommt Castus erstmals auch nach Deutschland. Die vier E-Gitarristen Cédric Castus, Maxime Lê Hùng, Clément Marion und François Schulz werden unterstützt von Frédéric Renaux am Bass und Boris Gronemberger am Schlagzeug.

Die Bühne ist übersät mit Pedals und anderen technischen Hilfsmitteln. Inspiriert von experimentellen Musikern wie Fred Frith, Marc Ribot oder Arto Lindsay,  schafft Castus kreative Instrumentalstücke zwischen Experimental, Rock und Modern Pop. Dabei benutzen die Musiker neben Pedals und Delays auch ungewöhnliche Dinge für ihre Effekte.

Nervöses Gitarren-Schrammeln erzeugt wie aus einem Bienenstock kommende Klänge, die langsam anschwellen und schwer und dunkle drücken. Dann folgt ein verspielter klarer Gitarrenlick zu choralem Background-Gesang, es wird rhythmisch und die Band marschiert los mit ansteigendem Tempo. Zu sägenden Gitarrenklängen unter Einsatz eines Föns, unterlegt mit einem durchgehenden Rhythmus, entwickelt die Band eine atemberaubende Klanglandschaft. Zwischendurch wird die ausweichende Luft eines Luftballons per Mikrofon verstärkt.

Eine tänzerische Melodie geht über in gleitende Bottle­neck-Gitarrenklänge, über die das Sextett dann in einem Höllentempo losrockt. Dann nehmen die Musiker plötzlich das Tempo heraus und erzeugen schwere dunkle Sounds, die an die der Heavy-Metal-Band Black Sabbath aus den frühen 1970er-Jahren erinnern. Verzerrte Töne entstehen unter Einsatz einer Fuzzbox, und Cédric Castus setzt einen elektrischen Milchaufschäumer beim Anspielen der Saiten ein. Hallige Klänge werden dazu per Delay erzeugt.

Oft spielen sie zu Beginn der Stücke fast tänzerisch leichte Intros, um dann ihren anschwellenden Gitarren-Improvisationen freien Raum zu lassen, in denen aber jeder Ton seinen festen Platz zu haben scheint. Das lockere, nahezu schwerelose Zusammenspiel der vier Gitarristen ist faszinierend, und oft ist kaum auszumachen, wer von ihnen gerade welchen Ton erzeugt.

Nach einer knappen Stunde verkündet eine elektronisch verzerrte Stimme „Das war Castus in Göttingen, please buy our CDs“, und der Spuk ist vorbei. Unter dem Beifall der Besucher betritt die Band zu zwei Zugaben noch einmal die Bühne. Ein fast wortloser Abend mit sehr eigenwilligen, aber faszinierenden Klanglandschaften.

Von Jörg Linnhoff

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