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Voller spleeniger Ideen

Christian Kracht im Deutschen Theater Voller spleeniger Ideen

Popliterat, Dandy, grandioser Spötter, aber auch „Türsteher rechter Gedanken“: der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht polarisiert. Am Sonntagabend hat er beim Göttinger Literaturherbst sein neues Buch „Die Toten“ vorgestellt.

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Autor Christian Kracht.

Quelle: dpa

Göttingen. Kracht gehört seit seinen Erfolgen vor allem mit „Faserland“ (1995) und „Imperium“ (2012) ganz sicher zu den unbestritten guten deutschsprachigen Schriftstellern, aber ebenso sicher auch zu den umstrittenen. Seine Inszenierungen, das Spöttische, das ewige Spiel auch im Zusammenhang mit Gewaltszenarien und Unterdrückungsregimen schätzen nicht alle. Er selbst entzieht sich hartnäckig konkreten Fragen zu seinen Büchern.

Das Buch:

Christian Kracht: „Die Toten“, Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, 20 Euro

Nicht anders ist dies am Sonntagabend. Kracht liest, mehr nicht. Den Mantel hat er gar nicht erst ausgezogen, als er die Bühne betritt. Ist er erkältet? Ist er auf dem Sprung? Wird er nicht lange bleiben? Kracht liebt das Spiel.

Sein Roman führt in die Filmindustrie um das Jahr 1933. Der Schweizer Emil Nägli wirbt um Geld der Nazis für einen Film, den er in Japan drehen will. In Japan bereitet Masahiko Amakasu ein Komplott gegen die Allmacht Hollywoods vor. Das Buch ist gespickt mit Andeutungen und Anspielungen an Filme, voller spleeniger Ideen.

Kracht liest vor allem groteske Szenen, etwa die, in der eine Film-Kritikerin, ein kritischer Feuilletonist und der Regisseur Fritz Lang sich auf der Flucht nach Paris im Zug treffen. Er liest seinen Text sehr passend, fast monoton, ruhig. Gibt dem Absurden Raum. Nur manchmal erlaubt er seinen Hände den Text unterstützende Gesten.

Dann ist die Lesung vorbei. Der kleine Mann im Mantel verbeugt sich ein paar Mal, dann ist er verschwunden. Lust auf die Auseinandersetzung mit seinem Buch hinterlässt er.

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