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Christian Niederers „Plan“ im Göttinger Kulturclub Apex

Fulminant und druckvoll Christian Niederers „Plan“ im Göttinger Kulturclub Apex

In Zürich geboren, hat Christian Niederer mit 13 Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen. Nach seinem Studium an der Jazzschule Luzern hatte er erste internationale Erfolge mit seiner Diplomband tré.

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Kein normales Jazzkonzert: Urs Müller, Björn Meyer und Christian Niederer (von links).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Mit seinem neuen Projekt „Plan“ trat er nun zum ersten Konzert seiner „Record Release Tour“ zum gerade fertiggestellten Album „Jack“ im Kulturclub Apex auf.

Dass es an diesem Abend kein normales Jazzkonzert werden würde, lassen die ersten Takte des Eröffnungsstücks „Epicure“ schnell erahnen. Mit Urs Müller an der E-Gitarre und Björn Meyer am sechssaitigen Bass legen Niederer und seine Mitstreiter gleich fulminant mit druckvollem Schlagwerk und krachender Gitarre los.

Danach gibt es drei Songs am Stück in denen die Band alle Facetten im Grenzbereich zwischen Rock, Jazz und Fusionmusik auslotet. Es beginnt mit zarten Klängen. Niederer lässt die Besen auf den Trommeln kreisen, Bass und Gitarre steigern sich in sphärische Weiten. Amerikanische Landschaften tun sich auf wie in einem Wim-Wenders-Film. Zum Showdown schraubt sich Müller dann ein ums andere Mal in ein wahres Gitarren­inferno.

Manchmal hakt es noch bei den Übergängen. Dies ist sicher der Tatsache geschuldet, dass die Band direkt aus dem Proberaum auf die Bühne gekommen ist, wie Niederer anmerkt.

Im Focus steht das beeindruckend variable Gitarrenspiel von Müller. Zu „Pink days“ wechselt er zur akustischen Gitarre. Das Stück hat mit Schlaggitarre und Niederers auf einen Shaker reduzierter Perkussion folkloristische Züge. An „Friction“ kann sich dann so manche Heavy-Metal-Band abarbeiten. Das Titelstück des Albums hat Niederer als Gutenachtlied für seinen Sohn komponiert. Bottleneck Gitarre und spärliche Perkussion schaffen den entsprechend entspannten Rahmen. In „Botna“ bearbeitet Meyer die sechs Saiten seines E-Basses virtuos. Ruhige und energetische Passagen schaffen im Wechsel eine angenehme Spannung.

Alle Stücke des Abends hat Niederer selbst komponiert. Der Name der Band „Plan“ entspringt seinem Vorhaben, ein Konzeptalbum einzuspielen. Bei der Zusammenstellung der Stücke sei ihm aber nach eigener Aussage der rote Faden verloren gegangen. Eingewoben in die Kompositionen sind Einflüsse und Erfahrungen aus seinem mehr als 20-jähren Berufsmusikerleben.

Dabei hat er auch seiner Vorliebe für Singer/Songwriter wie James Taylor oder John Hiatt Rechnung getragen. Im letzten Stück „Assugrin“ spielt die Band nochmal all ihre Facetten aus und lässt es richtig krachen. Mit der Zugabe „Bye, bye“ zu verspielten Afro-Latin-Einflüssen endet das ambitionierte Debüt.

Von Jörg Linnhoff

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