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99 Brillen und ein begehbarer Kühlschrank

Comedy-Show 99 Brillen und ein begehbarer Kühlschrank

Über 600 Radioshows und bundesweit auf 16 Sendern zu hören: In seiner Fußball-Comedy-Show „Jogis Eleven Live – Jetzt erscht recht!“ hat Christian Schiffer am Freitag in der Stadthalle Göttingen Jogi und die Nationalelf parodiert. Als wandelndes Ein-Mann-Hörspiel vor mehr als 600 Zuschauern.

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Christian Schiffer

Quelle: Wenzel

Göttingen. Nach der EM in Frankreich wollen es Jogis Eleven noch einmal wissen und bereiten sich auf die WM-Titelverteidigung in Russland vor. In Christian Schiffers DFB-Elf stellt Bundestrainer Jogi Löw im Rückblick noch eines klar: „Ich habe die EM nur als Teschtphase gesehen für die WM.“

Der Stimmenimitator und Parodist aus Köln hat ein ganz eigenes Universum rund um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft erschaffen. Und das Personal ist ganz eindeutig charakterisiert: Jérome Boateng ist strunzlangweilig und Calli Calmund verfressen wie eine Armada neunköpfiger Raupen. Mesut Özil ist arg einfältig und Lukas Podolski einfach nur schwer unterbelichtet. Da macht der Prinz aus Köln während der EM im vergangenen Jahr doch glatt eine große Entdeckung beim Kulturprogramm im Louvre: „Die haben hier die Minions ausgestellt.“ …. „Nein Lukas, das ist eine japanische Reisegruppe“, muss ihn Trainer Löw aufklären.

Mal live parodierend, mal per Filmeinspieler und mitunter auch in Rap-Songs nimmt Schiffer das altersmäßig außerordentlich bunt gemischte Publikum mit in seine Fußballerwelt. Wobei sich das Treiben doch zumeist jenseits des Fußballplatzes abspielt.

Im Interview zum Fußball-WM-Märchen 2006 wechselt Franz Beckenbauer auf die „dunkle Seite der Macht“ und mutiert vor der Kamera zum Darth Vader. Das berühmte Island-Weißbier-Skandalgespräch, in dem Rudi Völler ausrastet und Waldemar Hartmann zurechtstutzt, wird zur „Schwimmnudelstuhl“-Verkaufsshow umgemodelt. Und in der Rubrik „Buschis Uschis“ lässt Kommentator Frank Buschmann Spielerfrauen reichlich dümmlich aussehen.

Mit Blick nach vorn macht sich der Bundestrainer in einer Castingshow mit Bohlen und Bruce Darnell auf die Suche nach einem Nachfolger. Natürlich geistert auch Wladimir Putin durchs Programm, schließlich geht es 2018 zur WM nach Russland, „ins Land der Dichten und Henker“.

Alles im Programm scheint genau getaktet. Eine Nummer folgt auf die nächste, und Schiffer, der sonst in einem „zwei Quadratmeter Tonstudio“ aufnimmt, lässt nur einmal kurz nach der Pause einen Hauch Spontaneität aufkommen. In zwei Mal 45 Minuten Programm läuft einiges an Personal auf, das dann aber insgesamt doch arg eindimensional bleibt. Auch humoristisch finden sich einige Fehlpässe. Etwa dass der Bundestrainer auf einem Internet-Single-Portal rumtölpelt und finanziell ausgenommen wird, sorgt für wenig Heiterkeit im Saal. Auch schwerst alkoholisierte Russen und heftige Autocrashs im Lande Putin sind geschmacklich fragwürdig und spätestens beim zweiten Filmeinspieler nicht mehr wirklich lustig.

Richtig unterhaltsam und parodistisch auf den Punkt sind die Einblicke in „Callis Tagebuch“. Von Lukas Podolski als „Sportexperte für Breitensport“ ausgewiesen, lässt Schiffers Calmund zwischen begehbarem Kühlschrank und Sushi vom Laufband die Kalorienzufuhr implodieren. Die Gespräche zwischen Jogi und seiner rummeligen Whats-App-Gruppe sind temporeich und gelungen. Großartig ist auch der Boatengsche Rap-Song „99 Brillen“. Ein durchwachsener Abend.

Von Karola Hoffmann

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