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Christoph-Mathias Mueller dirigiert das GSO im Göttinger DT

„Zauberhafte Serenade“ Christoph-Mathias Mueller dirigiert das GSO im Göttinger DT

Schwül-heiße Temperaturen um die 30 Grad waren am Sonntagabend bei der Sommerserenade eine Herausforderung für die Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) und ihr Publikum. Zwar hatte im Freien ein Gewitter schon für Abkühlung gesorgt, nicht aber im Innern des Deutschen Theaters.

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Kurzfristig eingesprungen: Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller mit seinen Göttinger Symphonikern.          

Quelle: Heller

Göttingen. Und so sah man im Publikum den einen oder anderen mit dem Fächer wedeln. Die leider nicht sehr zahlreichen Besucher, die den Temperaturen trotzen, wurden jedoch reich belohnt.

„Eine zauberhafte Serenade“ nannte Christoph-Mathias Mueller das Frühwerk des hierzulande kaum bekannten polnischen Spätromantikers Mieczysław Karłowicz, mit dem das GSO sein Konzert eröffnete. In der Tat ist die Streicherserenade eine reizvolle Entdeckung. Der schwungvolle, gute Laune verströmende erste Satz, die ausgedehnte gefühlvolle Cello-Kantilene im zweiten und der elegante Walzer des dritten Satzes mit kleinen chromatischen Überraschungen und einer kontrastierenden derben Einlage der Kontrabässe und Celli – das hat viel Fin-de-siècle-Charme, und man mag kaum glauben, dass man das Werk eines erst 21-jährigen Komponisten hört.

Mueller nahm sich der Serenade mit großem Engagement an, setzte augenzwinkernd mit kleinen Rubati Akzente und arbeitete große wirkungsvolle Steigerungen heraus. Nirgends merkte man seinem Dirigat an, dass er kurzfristig für den erkrankten Gastdirigenten eingesprungen war. Die Musiker des GSO folgten ihm sehr konzentriert. Kleinere Intonationstrübungen und Schärfen im Streicherklang waren gewiss der Hitze geschuldet.

Für das zweite Werk des Abends, Wolfgang Amadeus Mozarts Antretter-Serenade KV 185, gesellten sich die GSO-Bläser zu ihren Streicherkollegen. Mit liebenswert sanglichem Ton treten Flöte und Bratsche im ersten Menuett-Trio in den Vordergrund, das Trio II ist bei den Oboen in den besten Händen, Hörner und Trompeten setzen zusätzliche Akzente.

Die Krone aber gebührt Konzertmeisterin Natalie Kundirenko. Denn Mozarts Werk ist zwar einerseits eine typische Serenade, zugleich aber ein ausgewachsenes Violinkonzert, bei dem die Violine in drei der neun Sätze mit ausgedehnten solistischen Aufgaben bedacht ist. Kundirenko spielte zupackend, virtuos, mit lupenreiner Intonation und ansteckender Begeisterung. Das Publikum spendete Musikern und Dirigenten reichen Beifall und Kundirenko etliche Bravo-Rufe.

Von Barbara Schäfer

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