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Comedian Senay Duzcu im Jungen Theater Göttingen

Luft nach oben Comedian Senay Duzcu im Jungen Theater Göttingen

Nein, das Türkinsein sieht man ihr nicht an. Im rotem Kleid steht sie auf der Bühne und erzählt, dass sie immer wieder auf Menschen treffe, die sich über ihre Herkunft wunderten. Keine bodenlangen Kleider, kein Kopftuch, gutes Deutsch. Viel Vorurteil, über sie sich mancher ärgern mag. Man kann aber auch einen anderen Weg finden, um sich festgefahrenen Meinungen entgegenzustellen: drüber lachen.

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Gegen das Klischee: Comedian Senay Duzcu.

Quelle: Heller

Göttingen. Diesen Weg geht Senay Duzcu mit ihren Comedyprogrammen rund um die Themen Integration, Unterschiede und Missverständnisse zwischen Kulturen. Sie gilt als erste weibliche türkische Stand-up-Comedian in Deutschland. Unter dem Motto „Ich bleib’ dann mal hier“ steht sie auf der Bühne des Jungen Theaters (JT). Der Abend ist eine Kooperation zwischen Integrationsrat und KAZ.

Der Saal ist gut gefüllt. So gut, dass Duzcu sich darin an eine türkische Familienfeier erinnert fühlt. Gerade zu Hochzeiten würden viele Menschen kommen: „Zu unseren kleinen Hochzeiten kommen vielleicht 500 Leute. Unsere großen Hochzeiten sehen aus wie das Oktoberfest.“

Immer wieder stellt Duzcu Vergleiche zwischen Deutschen und Türken an, nimmt aber auch Klischees über andere Nationalitäten aufs Korn. Etwa wenn eine Freundin ihr einen Mann vorschlägt, mit dem man Pferde stehlen könne: „Aber was soll ich mit einem Pferd? Da nehme ich lieber einen Polen, der stiehlt Autos.“

Schwarzer Humor als Würze

Beim Publikum kommt Duzcu gut an. Auch weil ihre Witze nicht immer lieb bleiben. Mit schwarzen Humor verleiht sie dem Programm Würze: „Der Grund, warum meine Mutter immer zwei Meter hinter meinem Vater geht, ist eigentlich sehr schlau. Sie hat gehört, dass in Deutschland immer noch Bomben im Boden liegen, die noch nicht explodiert sind.“

Duzcu traut sich dabei auch an heikle Themen. Neonazis in Ostdeutschland zum Beispiel: „Die sagen, die Ausländer nehmen ihnen die Arbeitsplätze weg. Dabei gibt es dort gar keine Arbeitsplätze. Das wäre so, als würde man in Saudi-Arabien die Frauenrechte abschaffen.“

Duzcus Comedy ist eine zwischen den Stühlen. Kulturelle Unterschiede sind ihre Themen, womit sie beizeiten ernsthaft zum Nachdenken anregt. Etwa wenn sie über die Burka spricht und ihrem persönlichem ersten Impuls, die Frau darunter als Opfer zu sehen: „Wie komme ich eigentlich darauf, ihr helfen zu wollen?“ Schließlich wisse man gar nicht, was unter dem Schleier passiere.

Ob die Frau vielleicht ein Häschenkostüm trage oder allen Menschen die Zunge rausstrecke. Leider bleibt ihr Programm nicht immer auf diesem Niveau, und Duzcu driftet ab ins Alberne. Etwa wenn sie die bauchtanzende Angela Merkel mimt. Ein reizvoller Abend mit Luft nach oben.

Von Daniela Lottmann

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