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Comedian oder Klassenclown?

Chris Tall zu Gast im Hörsaal Comedian oder Klassenclown?

Viel Aufregung um wenig. Chris Tall hat im größten Hörsaal des Zentralen Hörsaalgebäudes der Universität Göttingen sein Programm „Selfie von Mutti. Wenn Eltern cool sein wollen“ vorgestellt. Tall, der dafür bekannt ist, Witze über Minderheiten zu machen, verulkte vor allem einen: sich selbst. 

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Chris Tall in Göttingen.

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Wie ist die Stimmung?“, fragt Talls Stimme aus dem Off. „Wie im Hörsaal“, antwortet er sich selbst. „Okay, jetzt kommt ein richtig fettes Intro. Na ja, nicht ganz so fett“, kündigt er sich an und betritt die Bühne. Alle lachen. Wer den 24-jährigen Comedian kennt, der weiß, dass er sich mit dem „fetten Intro“ meint. Und davon lebt zum großen Teil die Show: Man lacht über bekannte Witze und über Tall, der sich nur umdrehen oder mit dem Finger auf jemanden zeigen muss, um lustig zu sein.

Tall nimmt Bezug auf die Kritik im Vorfeld. Amina Yousaf von der Juso-Hochschulgruppe hatte die Veranstaltung als „einer Universität unwürdig“ charakterisiert. Mit dieser Meinung stand sie nicht alleine. Auch das Universitätspräsidium distanzierte sich von dem Auftritt, der vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) organisiert wurde. Mehrfach spielt der gebürtige Hamburger auf diese Aussage an, indem er sich als einer „Fernsehsendung nicht würdig“ bezeichnet.
Comedian oder Klassenclown? Talls eigentliches Programm „Selfie von Mutti“ gerät schnell ins Hintertreffen. Der Komiker verquatscht sich zusehends, macht Witze über sein Publikum, nimmt Zurufe auf und baut sie als Running Gags in seinen Auftritt ein. Die spontanen Pointen sitzen, die geplanten Pointen verschieben sich immer weiter nach hinten.

Hin und wieder erzählt er dann von seinen Eltern, die Smartphones und Technik zwar bewundern, benutzen, aber selten beherrschen. Sein Vater glaubt, die Wetter-App lügt nie. Seine Mutter hat die Frontkamera des Smartphones nicht entdeckt und schießt statt Urlaubsfotos Selfies. „Ich habe 743 Bilder von Mutti“, resümiert Tall das Ergebnis.

Am Ende des Abends gibt Tall zu, dass ihn die Diskussion um seinen Auftritt in Göttingen nicht ganz kalt gelassen hat: „Ich hatte wirklich Angst davor, hier aufzutreten.“ Vielleicht erklären sich damit auch die wenigen Seitenhiebe auf Menschen mit Beeinträchtigungen und Menschen, deren Hautfarbe nicht weiß ist. Er macht Witze über dicke Menschen, zu denen er sich zählt. „Fickt die Dicken“ kommentiert er schelmisch.

Von Jorid Engler

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