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"Perle von Südniedersachsen"

Internationales Impro-Festival "Perle von Südniedersachsen"

Kein vorgefertigter Text, keine Absprachen und das Publikum bestimmt, was beim Impro-Theater gespielt wird: Mit dem 13. Internationalen Impro-Festival sind die Schauspieler der Comedy Company und der Gruppe Hidden Shakespeare aus Hamburg am Dienstag im Jungen Theater in Göttingen zu Gast gewesen.

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Katrin Richter (links) von der Comedy Company mit den Gästen Thorsten Neelmeyer und Kirsten Sprick (Hidden Shakespeare).

Quelle: HW

Göttingen. Seit fast 20 Jahren macht die Göttinger Comedy Company die Bühnen nun schon unsicher. Und man müsste meinen, dass nahezu jeder in der Stadt schon mindestens einmal eine der Improtheater-Shows gesehen hat. Da verwundert es durchaus, dass Festival-Organisator Lars Wätzold zum Göttinger Auftakt des Impro-Festivals nach den Auftritten in Dransfeld und Hann. Münden unter den rund 120 Besuchern im Jungen Theater etwa die Hälfte als „Neulingen“ ausmacht.

Weitere Vorstellungen

  • 14. April, 20 Uhr : „Kuscheltier-Impro“ mit der Comedy Company, Theater der Nacht, Obere Straße 1, Northeim (0 55 51 / 14 14), nur noch Restkarten
  • 15. April, 20 Uhr : „Out There“ mit Three Falling und „Invisible Horror” mit der Comedy Company, Hidden Shakespeare und Three Falling, Lumière, Geismar Landstraße 19 (05 51 / 48 45 23)
  • 15. April, 22.15 Uhr : „Showtime!“ mit der Comedy Company, Hidden Shakespeare und Three Falling, Lumière
  • 16. April, 20 Uhr : „Wir gegen die“ mit der Comedy Company, Hidden Shakespeare und Three Falling, Deutsches Theater, Theaterplatz 11, Göttingen (05  51 / 49 69 11)
  • 17 April, 20 Uhr : „Das Match“ mit der Comedy Company und Hidden Shakespeare, Lumière, noch Restkarten

Aber auch die erfahrenen Zuschauer, die schon zahlreiche Auftritte der Comedy Company erlebt haben, bekommen einiges an neuen Spielformaten zu sehen. Und für alle heißt es mithelfen, Vorschläge für die Spieler geben und Leistungen mit Punkten bewerten.

Impro-Slam ist angesagt. Ein knallharter Wettbewerb, bei dem Spielleiter Stefan Graën, unterstützt von Musiker Michael von Zalejski, das Motto „Einer, sie alle zu knechten …“ sehr genau nimmt und die drei Kontrahenten um den Pokal, einen Prosecco-Kübel, kämpfen lässt. Katrin Richter von der Comedy Company und die Hamburger Gäste Kirsten Sprick und Thorsten „Neele“ Neelmeyer von Hidden Shakespeare, eine der profiliertesten Improvisationstheater-Gruppen Deutschlands, treten gegeneinander an. Besser gesagt: Die Fußballfans vertreten ihre Lieblingsteams Eintracht Northeim, den HSV und FC St. Pauli.

Da wird zum Aufwärmen ein Toastbrot besungen und nach jedem Wort gewechselt. Dann spielt jeder Spieler sich selbst, synchronisiert aber einen der anderen, und die Text-Bild-Schere sorgt für einige Konfusion und Lacher. Eine blitzschnelle Speeddating-Runde lässt schräge Charaktere aufeinander treffen. Eine leere Shampoo-Flasche und ein unmoralisches Angebot sorgen für reichlich WG-Stress. Und im Job-Center herrscht totales Gefühlschaos.

Auch Solo-Gesangsparts sind zu bestehen. Richter schmettert eine Rock’n’Roll-Ballade auf einen Plastikbagger. Sprick, die ebenfalls mit einer tollen Gesangsstimme punktet, singt ein Schlager-Loblied auf einen Ex-Freund. Und HSV-Fan Neelmeyer besingt im Reggae-Sound „Northeim, du Perle von Südniedersachsen“.

Die eindrucksvollsten Momente sind die ganz ernsten und ruhigen Sequenzen, die sogar eine gewisse Sozialkritik ins Spiel bringen. Ein Ehestreit schwankt zwischen Tragödie und Komödie, ein Tageshoroskop lässt Menschliches durchblitzen. Die Hamburger Gäste setzen gekonnt einen Kontrapunkt zu den anarchischen und überschäumenden Parts.

Neelmeyer überzeugt mit großer Gelassenheit und trockenem Humor. Sprick spielt präzise und souverän, Richter als Sympathieträgerin in der Runde wie immer urkomisch und mit vollem Körpereinsatz. Zalejski ist kongenial und mit viel Gespür für Stimmungen die graue Eminenz an den Tasten und Graën die zentrale Figur des Abends. Der Spielleiter sprüht vor Spiellust und gibt das Tempo vor, er hält die Fäden in der Hand und sich dabei doch im Hintergrund. Ein Balanceakt, den er – außer bei der äußerst parteiischen Punktevergabe – mit Bravour hinlegt. Ein unterhaltsamer und facettenreicher Abend.

Von Karola Hoffmann

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