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Comedy-Duo Baumann und Clausen in der Göttinger Stadthalle

Das Gegenteil von Romantik Comedy-Duo Baumann und Clausen in der Göttinger Stadthalle

Der eine ist der sensible und verständnisvolle mit der „Hasenehe“ und der andere ein ignoranter Chauvinist, der mit einem „Ehe-Fass“ verheiratet ist. Beide sind sie Beamte und damit bereits seit 20 Jahren der Stoff aus dem deutscher Humor geschnitzt ist.

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Zwei Komödianten: Jens Lehrich (links) ist Hans-Werner Baumann, Frank Bremser gibt Alfred Clausen Gestalt.

Quelle: Heller

Göttingen. Jeder, der sich schon einmal mit Bürokratie und Verwaltung herumschlagen musste, findet bei Baumann und Clausen eine stimmige Projektionsfläche für diese Erfahrung und darf sie stellvertretend auslachen.

Erfunden wurden die vertrottelten Figuren Hans-Werner Baumann und Alfred Clausen von Jens Lehrich und Frank Bremser, die ihnen nicht nur täglich im Radio, sondern auch auf den Bühnen Niedersachsens Leben einhauchen. Ihr neues Programm „Alfred allein Zuhaus“ erzählt eine schlichte Geschichte, wie sie jeder kennen könnte, aber doch niemand erlebt.

Eines Morgens steht Clausen bei Baumann auf der Türschwelle und bittet darum, ihm Obdach zu gewähren, denn Clausen hat seine Frau verlassen, nachdem sie sich ihm auf einem Bett voller Rosen präsentiert hat. Für Clausen ist die Situation glasklar: Seine Frau betrügt ihn mit einem anderen Mann. Das dies ein Liebesakt der Ehe wegen gewesen sein könnte, darauf kommt er nicht, denn Romantik und Erotik sind keine Dinge, die er mit seine Ehefrau verbindet.

Bis zu diesem Zeitpunkt der Handlung, hat schon ein Kalauer den nächsten gejagt, ohne Rücksicht auf Verluste oder Niveau. Obwohl Clausen den ungebildeten Antihelden verkörpert, der mit dem Öffnen eines Fensters antwortet, wenn seine Frau Ella ihm sagt, dass ihr der frische Wind in der Beziehung fehle, zielen fast alle Pointen auf ihren Körperumfang oder auf die vermeintlich fragwürdige Männlichkeit Baumanns. Denn Clausens Machismo ist der Status Quo, an dem sich alles messen lassen muss.

Das Publikum wettert mit

So glaubt man auch hier, dass Frauen von der Venus und Männer vom Mars kommen, und von daher verwundert es nicht, wenn Clausen es als Emanzipationsakt begreift, einen Haushaltsroboter zu besorgen, der ihm fortan die Wäsche macht und sein Käffchen kocht. Wenigstens Baumann hat, wie immer, genug Verstand und Einfühlungsvermögen, um seinem Kumpel die Realität vor Augen zu führen – die Vernachlässigung der Ehefrau.

Die Show des Comedy-Duos zeigt den Rosenkrieg der „Amtsfuzzis“ und ist damit ein ganzes Stück privater als die morgendlichen Radiosendungen. Diesmal lässt sich das Problem allerdings nicht wie sonst, einfach mit einem Käffchen lösen, Clausen muss echte Gefühle zeigen, um seine Ella zurückzuerobern. Das Publikum wettert mit.

Die überzeichneten Beziehungsstrukturen der beiden, denen jedes romantische Gefühl zu fehlen scheint, kommen gut an. Immer wieder tobt die Stadthalle vor Begeisterung. Vielleicht weil Clausen so despektierlich ist, dass einem der eigene Ehemann plötzlich wie der charmanteste Gentleman vorkommt oder weil man einfach mal über die Dinge lachen kann, die man ansonsten überhaupt nicht witzig fände. Gemeint ist zum Glück ja wer anderes.

Von Serafia Johansson

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