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Ahoi-Brause und verschwundene Bälle

Komische Nacht in Göttingen Ahoi-Brause und verschwundene Bälle

Sieben Künstler an sieben Orten: So lautete der Plan. Nach zwei Absagen waren dann sechs Künstler am Dienstag bei der 6. Komischen Nacht unterwegs, um auf sechs Bühnen in Göttingen und Rosdorf zu zeigen, was die Comedyszene zu bieten hat.

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Im voll besetzten Monro’s Park startet Dirk Langer alias Nagelritz mit Seemannsgarn.

Quelle: CH

Göttingen/Rosdorf. 25 Minuten dauert eine Show, dann wechseln die Künstler den Veranstaltungsort. Fünf Auftritte gibt es so pro Lokalität. „Einen Querschnitt der aktuellen Comedyszene in Deutschland“ wollen die Organisatoren den Besuchern präsentieren. Spaß und Abwechslung ist im Apex, Nörgelbuff, Monro’s Park, Weender Hof, La Locanda und De Medici (in Rosdorf) angesagt.

Im voll besetzten Monro’s Park startet Dirk Langer alias Nagelritz mit Seemannsgarn, dass es eine wahre Freude ist. Der Comedian und Musiker lässt eine maritime Sause voller skurriler Geschichten vom Stapel. Frech, frisch, frivol („Ich bin ja noch Single … hier in Göttingen“) bringt Nagelritz, der als Landratte in Gelsenkirchen geboren wurde, Ahoi-Brause und gute Laune unter die Leute, die er sehr gekonnt einbindet und nebenbei um den Finger wickelt. Und statt Schunkel-Shantys singt der sympathische Mann mit der Matrosenmütze sehnsuchtsvolle Chansons.

Anschließend erzählt Benni Stark Anekdoten aus seiner Zeit als Herrenausstatter, in der er es mit Ignoranten, Kotzbrocken, Betrunkenen, Begriffsstutzigen und vor allem mit dominanten Ehefrauen vor der Umkleidekabine zu tun hatte. Das Publikum amüsiert sich dauerlachend. In der Performance souverän und präsent, wartet der Comedian aus Lübeck inhaltlich zu sehr mit Fäkal- und Puffwitzen auf.

In die Welt der Bühnen-Illusion entführt Alexander Merk. Der Deutsche Meister der Zauberkunst plaudert charmant und bringt das Publikum zum Staunen. Wie er Bälle mit Hilfe von Zuschauerin Petra verschwinden lässt, erschließt sich auch im Zeitlupentempo nicht. Ein zerrissener 20-Euro-Schein taucht plötzlich in einer Schokoriegel-Verpackung auf, und letztlich ist sogar wieder ein kompletter Geldschein im Spiel. Bravo.

Mit Klischees und Vorurteilen spielt Daniel Reinsberg, der sich auch selbst kräftig auf die Schippe nimmt, vor allem was die eigene Hautfarbe betrifft. Der Bauchredner unterhält sich sehr gekonnt mit einem Waschlappen namens Tarzan. Der Berliner präsentiert kleine Episoden aus dem Alltag, mal erzählt, mal gesungen und immer komisch.

Schließlich nimmt Cloozy Haber, die für Glenn Langhorst einspringt, aktuelle Befindlichkeiten unter die Lupe. Als Sekretärin Helga Raspel hat sie im Büro alles im Griff, entlarvt trendige Essgewohnheiten, Modekrankheiten und Chemie in Kosmetika. Vor allem aber ist die Berlinerin mit dem losen Mundwerk bewundernswert schlagfertig. Die Einlage einer renitenten Zuschauerin baut sie einfach schlafwandlerisch pointensicher ins Programm ein.

Von Karola Hoffmann

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