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Sabine Domogala rät in ihrem Programm „Schwächen umarmen“

Sabine Domogala rät in ihrem Programm „Schwächen umarmen“

„Schwächen umarmen“. So lautete die klare Vorgabe, mit der Kabarettistin Sabine Domogala am Freitag im Göttinger Apex gastiert hat.

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„Dieser Intensivkurs macht Sie alle glücklich oder mindestens zufriedener", verspricht Kabarettistin Sabine Domogala

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Sie werden heute Abend alle ganz verändert nach Hause gehen“, verspricht Domogala zur Begrüßung. „Dieser Intensivkurs macht Sie alle glücklich oder mindestens zufriedener.“ Die Kabarettistin schlüpft in die Rolle einer Seminarleiterin. Und man ahnt bei diesem energiegeladenen Überschwang schon nichts wirklich Gutes.

Der Gedanke an eine Heizdecken-Verkaufsveranstaltung regt sich. Bei Domogala heißt das etwas anders: Sie lädt die Göttinger Seminarteilnehmer im Apex auf den „Vertrauensteppich für das schöne Miteinander und das Aneinanderarbeiten“.

Allerdings verrät sie auch gleich, dass sie sich wegen eines Zwischenfalls bei einer Übung eine Bewährungsstrafe eingehandelt hat. Kursteilnehmer Werner habe es bei der Aufgabenstellung „Spannungen aushalten“, die passenderweise an einer Steckdose ausgeübt wird, übertrieben. Klarer Fall für die Seminarleiterin: „Spannungen ist überhaupt nicht ihr Thema. Sie müssen lernen loszulassen.“

Stuhlkreis und Feedbackrunde waren gestern, Domogala kennt andere Wege, wie sich „Glücksquellen“ finden lassen: Die drei Tore der Reflexion, also Selbstwahrnehmung, Selbstverbesserung und Selbstverwirklichung. Als Beispiel für das ganze Procedere dient während des ganzen Programms Kursteilnehmer Werner.

Mit ihrem „Motivationstraining“ 2011 für den renommierten Prix Pantheon nominiert, bedient sich die ehemalige Rundfunk- und Fernsehredakteurin wortgewandt und quirlig des Worthülsen-Mantras der Lebens- und Motivationstrainerriege. Fantasievoll zelebriert sie die Kunst des Versagens und verkauft souverän jedes Scheitern hochtönend als Sieg. Zwischen gehäkeltem „Sorgensack“ und der „Igel“-Haltung zur Entspannung dreht sie die ganze Lebenshilfe-Masche ins Absurde, und lässt sie dann bei entsprechender Fallhöhe auf den Boden der Tatsachen krachen.

Einige Zuschauer geben allerdings ihrem Fluchtreflex bei dieser Überdosis an Lebenshilfe nach. Ihre Motivation hat nicht ausgereicht. Nach der Pause bleiben einige Stühle leer. Überhaupt ebben die Lacher im Laufe des Abends hörbar ab. Keine Frage, die Kabarettistin hat ihre Sache sympathisch und gut gemacht. Aber bei einem monothematischen Programm schwingt auch immer ein gewisses Risiko mit. Entweder die Zuschauer wollen 90 Minuten mitgehen oder können mit dem Thema einfach nicht wirklich etwas anfangen.

Von Karola Hoffmann

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