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DT-Premiere: „Großer Wolf, kleiner Wolf“

Vom Glück, zu zweit zu sein DT-Premiere: „Großer Wolf, kleiner Wolf“

Nachts schläft der Wolf unter seinem Lieblingsbaum. Schnarcht. Damit er nicht friert, hat er sich zugedeckt. Mit einer Harz-Wanderkarte. Denn der Wolf macht gerade in GöttingenStation, im Deutschen Theater (DT) – nicht auf der großen Bühne, sondern im „Bellevue“, dem Foyer im ersten Rang.

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Zusammen Spaß haben: Karl Miller (links) und Gerd Zinck sind zwei Wölfe.

Quelle: Säckl

Göttingen.  „Großer Wolf & kleiner Wolf “ heißt das Kinderstück nach dem Bilderbuch von Nadine Brun- Cosme und Olivier Tallec, das Lisa van Buren inszeniert hat: rund 40 Minuten fast ohne Worte, von Karl Miller (Großer Wolf) und Gerd Zinck (Kleiner Wolf) so sprechend gespielt, als höre man Dialoge.

Es passiert nicht viel. Der große Wolf wacht auf, macht Morgengymnastik, putzt sich die Zähne, heult ein bisschen vor sich hin, schneidet Grimassen. Er isst eine Orange, liest Zeitung, das „Wolfsburger Tagblatt“ mit der Titelgeschichte darüber, dass es in der Stadt nachts dunkler ist als am Tage, nimmt seinen Baum liebevoll in die Arme und besteigt ihn, um Umschau zu halten. Im Theater wächst kein Baum. Sieben aufeinander gestapelte Holzkisten ersetzen ihn. Als elektrische Zahnbürste dient ein Federball – führt man ihn über die Zahnreihen und brummt im richtigen Ton dazu, ist der Eindruck perfekt. Eine derart minimalistische Theater-Illusion hat ein großes Kicher-Potenzial. Die Kinder in der Premiere – geeignet ab vier Jahren – gehen von Anfang an lebhaft mit.

„Falschrum“ warnen sie lauthals, als der große Wolf das Fernglas an die Augen hält und die Welt für entsprechend klein hält. Vor allem hält er jenes unbekannte Wesen für klein, das eines Tages in seine Welt eindringt: den kleinen Wolf nämlich. Beide sind ziemlich erst einmal misstrauisch bei ihrer unverhofften Begegnung. Es dauert sicher zehn Minuten, bis der große und der kleine Wolf die Angst voreinander abgelegt haben. In den nächsten zehn Minuten aber wird ihr Zusammensein immer selbstverständlicher. Aus der Angst ist Freude am Miteinander geworden, sie frühstücken zu zweit, spielen, teilen sich nachts die Decke, damit keiner frieren muss. Eines Morgens ist der kleine Wolf weg. Da merkt der große Wolf, dass ihm etwas Wichtiges fehlt.

Doch dauert die Trennung nur kurze Zeit: Am Ende sind die beiden Wölfe wieder zusammen. Jetzt kennen sie das Glück, zu zweit zu sein. So formuliert – das ist auch der Untertitel des Bilderbuchs – klingt es ein bisschen pathetisch. Die Geschichte aber, die Miller und Zinck auf der von Johannes Frei phantasievoll bestückten kleinen Bühne mit sprechenden Mienen und Gesten spielen, ist überhaupt nicht pathetisch, sondern vor allem eins: fröhlich. Das hilft auch über kleine Längen hinweg, die angesichts der Kürze der Aufführung ohnehin kaum ins Gewicht fallen. Der lang anhaltende Beifall zeigte, wie sympathisch die beiden munteren Wölfe dem kleinen Publikum geworden waren. Offenbar haben sie Freunde gewonnen.

Von Michael Schäfer

„Großer Wolf & kleiner Wolf“ steht am Dienstag, 10. März, und Mittwoch, 18. März, um 10 Uhr sowie am Sonntag, 15. März, um 11 Uhr und am Sonntag, 29. März, um 16 Uhr auf dem DT-Spielplan. Kartentelefon 05 51 / 49 69 11.
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