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Das Bestimmen von Raum

Fotografien von Ralph Hormes Das Bestimmen von Raum

Das Göttinger Künstlerhaus setzt in diesem Jahr seine Reihe „Kunstsequenzen Fotografie“ fort. Jetzt ist die Ausstellung „in2“, die Fotografien des Göttingers Ralph Hormes zeigt, eröffnet worden. Sein Thema: Spiegelungen in verschiedenen Ausprägungen.

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Interessiert an bildnerischer Komposition: der Künstler Ralph Hormes.         

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Ein fast schwefelgelber Abendhimmel taucht die filmreife Szenerie in eine Endzeitstimmung. Monumental wirkende Gebäude scheinen dem Verfall preisgegeben. Schemenhaft sind schwarzbraune, vertikal stehende Baumstämme zu erkennen, die an Pfahlbauten erinnern und aus denen winterlich kahles Geäst zu wachsen scheint. So, als ob die Natur in einer Ruinenlandschaft dem Untergang geweiht ist.

Doch bei näherer Betrachtung rücken inmitten des Bildes Gegenstände in den Blick, die unvermittelt einen ganz realen Bezug schaffen. Holzpaletten, ein Transportwagen, ein Absperrband. Spiegelbilder schieben verschiedene Ebenen, den realen Innen- und den Außenraum ineinander und übereinander. Sie schaffen eine neue Fantasielandschaft. Hormes hat die Aufnahme mit dem Titel „Berlin 4“ im Jahr 2014 gemacht, kurz vor Schließung der Nationalgalerie in der Bundeshauptstadt für eine mehrjährige Sanierung.

„Der Raum, das Bestimmen von Raum ist das große Thema von Ralph Hormes“, sagte Georg Hoppenstedt in seiner Begrüßung der zahlreichen Gäste. „In seiner Fotografie dreht sich vieles um neu zu entdeckende Räume.“ Eine eingehende Einführung in die Fotoarbeiten gab zudem der emeritierte Kunstwissenschaftler Siegfried K. Lang.

Foto um Foto sind auch für den Betrachter immer wieder neue Räume und Ebenen zu entdecken. Mal rätselhaft, wie in der Aufnahme „Korsika“ von 2014 in der die Spiegelung eines an eine Monstranz erinnernder Lichterkranz einen Schatten durchbricht. Mal humorvoll, wenn Hormes als Urheber der Fotografie zwischen historischen Porträts von Martin Luther und dessen Ehefrau mit der Kamera in der Hand wie auf einem dritten Porträt schemenhaft auftaucht. Mal traumhaft, wenn Lampen und der Schriftzug eines Softdrinks einer Fata Morgana gleich über einem Sonnenuntergang am Meer zu stehen scheinen.

Architektur, Natur, Formen, Linien werden durch Spiegelungen gebrochen und überlagert. Realitäten verschwimmen. Neue Räume entstehen. Irritationen lassen den Betrachter auf Entdeckungsreise gehen. Hormes selbst ist interessiert an Kompositionen, die ohne die Fokussierung auf einen bestimmten Gegenstand entstehen und an den „sich daraus ergebenden Überschneidungen der Wahrnehmungs- und Bedeutungsebenen“. Fast scheint es so, als ob in den einzelnen Fotoarbeiten von Hormes mehrere Geschichten gleichzeitig erzählt würden.

Hormes, der seit Anfang der 80er-Jahre in Göttingen lebt, hat freie Kunst an der Gesamthochschule Kassel studiert. Zu den künstlerischen Arbeiten des 55-jährigen, der als Grafikdesigner tätig ist, gehören neben der Fotografie auch Installationen, Objekte sowie Malerei.

Von Karola Hoffmann

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