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„Das Erdbeben in Chili“ im Deutschen Theater Göttingen

Umjubelte Premiere „Das Erdbeben in Chili“ im Deutschen Theater Göttingen

Katastrophen ändern alles. In Heinrich von Kleists Erzählung „Das Erdbeben in Chili“ wird dies anhand des Schicksals zweier junger Liebender deutlich, deren Liebe ein gesellschaftlicher Skandal ist und dem jungen Mann eine Gefängnisstrafe und der  jungen Frau die Enthauptung bescheren. So ist es auf jeden Fall geplant.

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Mühelos: Monika Lennartz gibt die Erzählerin.

Quelle: Winarsch

Göttingen/Berlin. Doch dann wütet im Jahre 1647 ein Erdbeben in der Hauptstadt des Königreiches Chili und bringt nicht nur Gebäude sondern auch die gesellschaftliche Ordnung zu Fall. In einer überaus dichten und unter die Haut gehenden Inszenierung feierte Kleists Werk nun Premiere im Deutschen Theater.  Intendant Erich Sidler hatte es 2001 am Maxim-Gorki-Theater in Berlin inszeniert. In Göttingen ist jetzt eigens für die Produktion geschriebene Musik dazu gekommen.

Schauspielerin Monika Lennartz gibt die Erzählerin. Viel Arbeit braucht es, diesen vor sprachlicher Schönheit strotzenden aber eben auch anspruchsvollen Text – immerhin fast 20 Seiten eines Reclam-Heftes – auswendig zu lernen. Dass die Erzählung schon 13 Jahre in und mit Lennartz lebt, ist vielleicht an der brillanten Schlichtheit und Mühelosigkeit zu erahnen, mit der sie das literarische Schwergewicht vorträgt.

Bestechend ist die Atmosphäre der Unmittelbarkeit, die sie zu erzeugen vermag.  Lennartz bedient sich aus einem alten Koffer, holt mal dieses, mal jenes Requisit zur Illustration der Geschichte hervor. Mehr als die ästhetischen Schwarzweißfotografien von Donna Josephe und Don Jeronimo hätte es allerdings nicht gebraucht, um sich vollends  dem Sog der Geschichte hinzugeben.

Verarbeitung und Entwicklung

Wirkungsvoll ergänzt wird die Inszenierung durch Karim Said am Klavier. Seine eher kontemplativen Stücke geben Raum, das Gehörte zu verarbeiten und die Geschichte vor dem inneren Auge zu entwickeln.

Nach dem Erdbeben finden sich Jeronimo, Josephe und ihr kleiner Sohn – im Klostergarten gezeugt – wie durch ein Wunder wieder „und waren sehr gerührt, wenn sie dachten, wie viel Elend über die Welt kommen musste, damit sie glücklich würden“. Ihre unerwünschte Liaison scheint die Obrigkeit angesichts des Unglücks nicht mehr zu interessieren, und sie sehen sich plötzlich in der Position, gemeinsame Zukunftspläne schmieden zu können.

Doch das Paradies währt nur kurz. Aus Dankbarkeit pilgern sie zusammen mit dem angesehen Don Fernando in die Stadt um an einem Dankesgottesdienst teilzunehmen. Nur um dort zu erfahren, dass der Priester ihren Sündenfall im Klostergarten als Rechtfertigung dafür sieht, dass Gott das Erdbeben schickte.

Was folgt ist Hetze und Mordlust, derer sich auch der „göttliche Held“ dieser Erzählung, Don Fernando, nicht entziehen kann. Der Text ist und bleibt zeitlos in seinemschonungslosen Offenlegen menschlichen Verhaltens. Eine Theaterglanzstunde, die das Publikum zu Recht begeistert.

Von Marie Varela

Weitere Vorstellungen: 17. und 23. Oktober sowie am 5. November, 2. Dezember, 6. und 25. Februar um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.
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