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Werke von Eliana Heredia im Künstlerhaus

Leben und Zeit gespeichert Werke von Eliana Heredia im Künstlerhaus

„Echos der Materialität“ ist der Titel der Ausstellung mit Installationen von Eliana Heredia, die am Sonntag in der Oberen Galerie des Künstlerhauses in Göttingen eröffnet worden ist. Die klugen, anregenden und fantasievollen Arbeiten der Berliner Künstlerin sind bis 4. September zu sehen.

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Installation im Künstlerhaus.

Quelle: Heller

Göttingen. Ovale Bilderrahmen sind gereiht vor einem textil bespannten Rahmen gehängt. Daneben lange Streifen in einer geometrischen Figur. Fusselbällchen, die sonst in Waschmaschinen zum Einsatz kommen, sind wie zufällig darauf und an der Wand positioniert. Und wenn der Betracher seinen Blick zentriert richtet, bekommt die Installation „Der Charakter der Stille“ eine augentäuschende Zwei-Dimensionalität.

Die Künstlerin

Eliana Heredia, geboren 1978 in Sao Paulo, studierte Skulptur in Buenos Aires sowie von 2009 bis 2011 in der Meisterklasse von Christiane Möbus an der Universität der Künste Berlin. Die Künstlerin hat international mehrere Stipendien und Residenzen erhalten sowie Ausstellungen präsentiert.

„Remembering Madeleines“ titeln Arbeiten aus halbangekohlten Pralinen- und Madeleine-Förmchen, die optisch sehr verspielt und reizvoll wirken. Und die Installation „Die Materialität des Aquarells“ erschließt sich erst gänzlich, wenn man auch die Arbeiten im Nachbarraum einbezieht, also das analytisch auseinander dividierte Material und das Ergebnis zusammenfügt.

„Die Arbeiten sind von großer Leichtigkeit und kreativer Vielfalt bestimmt“, begrüßt Erhart Schröter im Namen des Vorstandes des Künstlerhauses die Gäste. Heredias Ziel sei es, „beim Betrachter durch Alltagsmaterialien ästhetische Erfahrungen zu evozieren, die es ihm ermöglichen, zeitlose und psychologische Landschaften zu durchwandern“.

„Es gibt nach Duchamp nichts, das nicht zum Gegenstand eines skulpturalen oder plastischen Interesses werden könnte“, erläutert Michael Stoeber, Kunstkritiker und Pressesprecher des Mönchehaus Museum Goslar, fundiert und wunderbar kurzweilig die Arbeiten in seiner Eröffnungsrede. Außerdem bestimme auch der Kontext, der semantisch determinierte Raum, wesentlich den Zusammenhang, was etwas zu bedeuten hat.

Die Ausstellung

Die Ausstellung mit Installationen von Eliana Heredia wird bis Sonntag, 4. September, im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1 gezeigt. Am Sonnabend, 3. September, liest der Berliner Schriftsteller Toni Bernhart Auszüge aus seiner Dramatisierung der „Aeneis“ nach Vergil, die beim 5. Theaterfestival Innsbruck 2016 uraufgeführt wird.

„In der zeitgenössischen Kunst gibt es eigentlich kein Material mehr, das nicht zu Material der Kunst werden könnte“, so Stoeber. Anschaulich erläutert er, wie Heredia es schaffe, die Zeit, das Prozesshafte oder auch Erinnerungen, „letztlich menschliches Leben“ in ihren Arbeiten zu speichern. Überdies sei es wichtig für die Künstlerin, „nicht nur psychologische Landschaften zu durchwandern oder zu erzählen, sondern vor allem ästhetische Ausdrucksformen zu schaffen.“

In der Ausstellung ist Mitdenken gefragt. Heredias Installationen haben etwas von großen Bilderrätseln. Und der Betrachter ist gefragt, eigene Assoziationen, Gedanken, möglicherweise sogar Lösungen zu finden. Oder wie Stoeber in den Worten Brechts sagt: „Vor der Kunst sollte jeder zu seinem eigenen Kolumbus werden.“ Eine spannende Ausstellung.

Von Karola Hoffmann

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