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Das Kabarett-Duo „Die Buschtrommel“ zu Gast im Apex Göttingen

Hitler im Himmel Das Kabarett-Duo „Die Buschtrommel“ zu Gast im Apex Göttingen

Mitten im Sketch fällt ein so phänomenaler Versprecher, dass er sogar der Pointe die Schau stiehlt: Buddhistisches Standesamt statt Statistisches Bundesamt. Manchmal geht eben auf wunderbare Weise etwas schief. Und zuzusehen, wie Andreas Breiing lachend seinen Sketchpartner über dessen sprachlichen Patzer aufklärt, ist herrlich amüsant.

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Die Buschtrommel: Ludger Wilhelm.

Quelle: Heller

Göttingen. „Die Buschtrommel“ steht mit ihrem Programm „Schonungslos“ auf der Bühne im gut gefüllten Apex. Neben Breiing gehört Ludger Wilhelm zu dem münsteranisch-sauerländischen Kabarettduo, das bereits seit 1991 zusammen auftritt.

Sein Programm befasst sich mit politischen und gesellschaftskritischen Themen. Zum Lachen haben sie einiges zu bieten. Aber auch geradezu besorgniserregende Inhalte gehören zu ihrem Programm.

Da treffen sich etwa zwei Spanner. Mit Ferngläsern beobachten sie ihre Mitmenschen. Die einsame Alte, die blutend auf dem Boden liegt, oder die Vergewaltigung einer Studentin können sie beobachten. Man müsste die Polizei rufen, heißt es ein paar Mal, aber die Antwort bleibt immer die gleiche: „Bist du verrückt? Willst du Ärger haben?“ „Wir sehen jedenfalls hin“, schließen sie die beklemmende Nummer ab.

Das Programm baut sich aus mehreren Szenen auf, in denen Breiing und Wilhelm in unterschiedlichen Rollen auftreten. Besonderen Gefallen findet das Göttinger Publikum an Breiing als Engel. Allerdings handelt es sich um einen besonderen Himmelsbewohner: um den Führer höchstpersönlich. Eine Erklärung, wie es ausgerechnet Hitler in den Himmel geschafft haben soll, bleibt das Komikerduo dem Publikum zwar schuldig, aber zumindest gibt es eine Begründung für seine irdischen Vergehen:

„Hitler auf einer Kabarettbühne? Geht das?“

„Ich weiß, ich habe hier und da ein bisschen überreagiert. Aber das lag an einer schweren Kindheit.“ So richtig wohl ist dem Publikum am Ende der Nummer nicht, was Breiing selbst thematisiert: „Was ist los mit euch? In Österreich wird die Nummer bejubelt.“

Dann zieht er eine Metaebene ein und fragt in seiner Kleinkunstnummer danach, was Kleinkunst eigentlich darf: „Hitler auf einer Kabarettbühne? Geht das?“ Ja, das geht. Sehr gut sogar, denn wenn über irrige Ideen gelacht wird, schafft das Distanz.

Die Buschtrommel macht Kabarett, dass sich weit vom bloßem Amüsement entfernt. Es gibt etwas zum Lachen, aber viel mehr zum Nachdenken. Das macht das Programm sehenswert, aber in einem Bereich könnten sie nachbessern: mehr Tempo. Breiing und Wilhelm lassen sich innerhalb ihrer Nummern viel Zeit, sodass die Illusion eines natürlichen Dialogs nicht immer funktioniert. So kommt das Ganze gestelzt rüber. Und so ist es schade um die guten Ideen.

Von Daniela Lottmann

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