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„Das Musik-Business hat mir gestunken“

Klaus Weiland „Das Musik-Business hat mir gestunken“

Ältere Jahrgänge kennen noch die Pausenmelodie „Das Loch in der Banane“ im NDR-Fernsehen: Eine Gitarrenmelodie unterlegte einen Spot in dem ein Heißluftballon über gezeichnete Städte schwebt. Der Schöpfer dieses Ohrwurms: Klaus Weiland. Der Gitarrist gibt am Sonnabend während der Göttinger Gitarrennacht im Alten Rathaus ein Konzert. Udo Hinz hat sich mit ihm über sein Leben – und über die Neuaufnahme des Titels zusammen mit der Göttinger Band „Front Porch Picking“ unterhalten.

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Mit seiner neuen Gitarre „Chiquita“: der Gitarrist Klaus Weiland.

Quelle: Beisert

Tageblatt: Sie sind recht selten in Deutschland. Wie fühlen Sie sich hier?
Weiland: Sehr gut. Ich fühle mich deutsch. Das ist komisch, da die deutsche Etappe am kürzesten in meinem Leben war. Ich bin zwar in Deutschland geboren, dann in England groß geworden, habe dann wieder in Deutschland gelebt und bin dann über Indien in die USA gekommen – und lebe dort jetzt schon über 30 Jahre.

Wie kommt es, dass Sie nach Jahren wieder auf Deutschland-Tour sind?
Im Internet hat sich bei Youtube eine Gruppe von Aficionados um meine Musik gebildet. Dort bin auf den Gitarrenbauer Martin Wieland von Deerbridge-Guitars gestoßen, der mir eine Gitarre mit dem Namen Chiquita gebaut hat. Das Instrument hole ich ab und verbinde die Reise mit einer Tournee, die meine Internet-Freunde für mich arrangiert haben.

Sie nehmen Ihre NDR-Pausenmelodie mit der Göttinger Band „Front Porch Picking“ beim NDR neu auf. Wie kam es dazu?
Peter Funk von der Band hatte eine Version des Stückes auf Lapsteel-Gitarre eingespielt und auf Youtube gestellt. Die Version klingt fantastisch! So kam ich über das Internet mit der Band in Verbindung. Front Porch Picking wollten den Titel spielen und hatten Kontakte zum NDR in Hannover – so kam es zur Zusammenarbeit.

Wie sind Sie in die Musikszene gekommen?
In den Siebzigern war ich Teil der Freiburger Folk- und Bluesszene um Ray Austin. Dann bin ich von Hannes Wader in die Musikszene eingeführt worden, in einen Freundeskreis um Schobert und Black, Franz Joseph Degenhardt und Colin Wilkie. Später kam ich mit Veranstaltern und Managern in Kontakt – und das hat mir gar nicht gefallen. Und deshalb bin nach Indien aufgebrochen.

Wie kam es, dass Sie später in den USA hängen geblieben sind?
Meine Frau und ich haben uns eine Existenz aufgebaut. Die Menschen dort sind einfach toll, oft sehr ungebildet – aber das stört ihre Freundlichkeit nicht. Und Individualität wird in den USA viel mehr akzeptiert als in Europa. Die Politik in den USA ist allerdings schrecklich.

Arbeiten Sie dort als Profi-Musiker?
Nein, ich bin heute Hobby-Musiker. Meine Frau hat ein Geschäft; wir stellen handgemachte Schuhe her. Da arbeite ich mit. Ich bin dort der Allround-Mann.

War das für Sie als Musiker eine große Umstellung?
Mir ist wichtig, dass ich mit Menschen zu tun habe. Ich bin kein Vollblutmusiker wie beispielsweise klassische Musiker. Das Musik-Business hat mir gestunken. Musik war für mich mehr eine Sache von Freundschaft.

Was bedeutet ihnen Musik?
Musik ist viel mehr als nur Schönheit. Ich bin spät zur Musik gekommen. Als Kind bin ich oft geschlagen worden. Doch die Musik hat mich geheilt. Das Heilende ist in der Musik drin, es schwingt immer mit.

Ist ihr sensibles Gitarrenspiel für Sie auch eine Form, zärtlich zu sein?
Unbedingt! Durch das Spiel der Gitarre habe ich die Zärtlichkeit vielleicht überhaupt erst gelernt.

Wie schaffen Sie es, dass Ihr Ton auf der Gitarre so wunderschön klingt?
Ich habe bewusst ein eher reduziertes Spiel, damit ich mich voll und ganz darauf konzentrieren kann, den Ton so hinzukriegen, dass er so schwingt.
Er erinnert manchmal geradezu an die Sitar aus der indischen Musik.
Auf einer meiner CDs spiele ich sogar Sitar. Das ist ein großartiges Instrument, weil die Töne so lange klingen. Allerdings spiele ich die Sitar wie eine Gitarre.

Große Teile ihrer Musik sind improvisiert. Wie wichtig ist Ihnen die Improvisation?
Ich habe mir angewöhnt alles frei laufen zu lassen. Dabei lande ich auch schon mal in musikalischen Sackgassen – doch der Weg daraus ist spannend und gut. Mein Motto: No fear – keine Angst.

Diesen Mut spürt man bei Ihnen.
Musikhören ist nicht passiv. Die Energie der Zuhörer gibt mir selber Energie. Ich spüre sie im Konzert und kann manchmal mit geschlossenen Augen sagen, aus welcher Richtung im Publikum die Energie kommt.

Sie geben aber auch durch Ihr Spiel Energie zurück.
Klar! Es ist ein Kreis. Die Energie, die ich gebe, ist die Energie, die ich vom Publikum bekommen habe. Wir Menschen wissen eigentlich gar nicht so genau, was Musik alles bewirkt oder bewirken kann.

Die achte Göttinger Gitarren­nacht startet am Sonnabend, 2. Oktober, um 19.30 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9. Mit dabei sind neben Klaus Weiland die Gitarristen Bob Bonastre, Gerrit Schwerthelm und als Gastgeber das Duo Funk & Wegener. Eintrittskarten gibt es in der Tourist-Information im Alten Rathaus.

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