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Das Pavel-Haas-Quartett aus Tschechien zu Gast in Göttingen

Allerhöchstes Niveau Das Pavel-Haas-Quartett aus Tschechien zu Gast in Göttingen

Das gängige Repertoire war gänzlich ausgespart beim Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft mit dem Prager Pavel-Haas-Quartett am Sonntag in der gut besuchten Universitätsaula. Die tschechischen Musiker – Primaria Veronika Jaruskova, der zweite Geiger Marek Zwiebel, Bratscher Pavel Nikl und Cellist Peter Jarusek – eröffneten mit Dvořáks „Slavischem Quartett“ op.

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Mit beeindruckender Intonationssicherheit: das Pavel-Haas-Quartett.

Quelle: Heller

Göttingen. Die tschechischen Musiker – Primaria Veronika Jaruskova, der zweite Geiger Marek Zwiebel, Bratscher Pavel Nikl und Cellist Peter Jarusek – eröffneten mit Dvořáks „Slavischem Quartett“ op. 51, stellten Schostakowitschs c-Moll-Quartett op. 110 ins Zentrum und verabschiedeten sich mit dem 1925 komponierten zweiten Streichquartett ihres Namenspatrons Pavel Haas (1899-1944) mit dem schönen Titel „Aus dem Affengebirge“.

Was für ein Abend! Die Eröffnung mit Dvořák elegant, zärtlich, mit viel Sentiment ohne Sentimentalität. Im Schostakowitsch-Quartett dann existenzielle Tiefe, schiere Verzweiflung, Ausgeliefertsein an Gewalt, ja Brutalität, dennoch nirgends roh, sondern mit glasklarer Strukturierung – und mit bis ins fahle Nichts verlöschenden Klängen.

Das ist atemberaubend, das lässt sich nicht mehr steigern, dieses Quartett ist eine konsequente Auslotung musikalischer Grenzen, die der Komponist hier weit hinaus in zuvor unbekannte Gefilde vorschiebt.

„Aus dem Affengebirge“

Und dennoch fiel das finale Streichquartett von Haas überhaupt nicht dagegen ab. Haas, Meisterschüler von Leoš Janáček, wurde mitten in seiner vielversprechenden Karriere von den Nationalsozialisten ins KZ Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Erst allmählich wird in der heutigen Zeit sein faszinierendes Œuvre wiederentdeckt.

Haas präsentiert Mitte der 1920er-Jahre in seinem Quartett „Aus dem Affengebirge“ eine ganz eigenständige Klangwelt: mit einer Fülle neuer Farben, einer funkensprühenden musikalischen Lebensfreude, einer ansteckend fröhlichen Klangmalerei bis hin zu Tierlauten, einer lebhaft pulsierenden Rhythmik, eine Musik voller Kontraste, voller Geist, voller Witz – man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Spannend wäre es, auch einmal die zweite Fassung zu hören, bei dem zum Streichquartett zusätzlich Schlagzeug verwendet wird.

Die vier Musiker bieten technisch allerhöchstes Niveau. Tempogrenzen scheinen für sie nicht zu bestehen, und sie balancieren die Klänge derart fein aus, dass man beispielsweise in einer Melodielinie kaum noch unterscheiden kann, wann das Cello aufhört und wann die Bratsche beginnt.

Trampelnde Füße

Gerade die Passagen ohne Vibrato zeigen ihre staunenswerte Intonationssicherheit, im Zusammenspiel sind sie perfekt aufeinander abgestimmt, in der Tongebung zeigen sie eine verschwenderische Vielfalt von Nuancen.

Schon im Beifall zur Pause regten sich nicht nur die Hände, sondern auch trampelnde Füße. Am Ende gab es rauschenden Applaus, etliche Bravorufe und als Zugabe den federleicht gespielten dritten Satz (Molto vivace) aus Dvořáks Amerikanischem Streichquartett. Dieser Abend wird den Zuhörern sehr lange in Erinnerung bleiben.

Das nächste Aulakonzert: Klavierabend mit dem Pianisten Boris Giltburg am Sonntag, 22. Februar, um 19.45 Uhr in der Universitätsaula am Wilhelmsplatz.

Von Michael Schäfer

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