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Trendwende im Ensemble

"Terror" im Fernsehen Trendwende im Ensemble

Die ARD präsentiert den Film „Terror“. Gezeigt wird eine fiktive Verhandlung. Angeklagt ist ein Kampfpilot, der eine Passagierflugzeug abschoss, weil Terroristen damit drohten, sie während in ein Stadion stürzen zu lassen. Am Ende urteilt das Publikum. In Theatern in Göttingen und Kassel läuft das Stück schon länger.

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Fotoprobe zu Terror von Ferdinand von Schirach in einer Inszenierung von Katharina Ramser am Deutschen Theater Göttingen.

Quelle: Thomas Müller

Göttingen. In seinem Plot befasst sich der Jurist und Autor Ferdinand von Schirach mit einer ethisch-moralischen Frage. Durfte der Bundeswehrflieger entgegen eines Befehls seiner Vorgesetzten eigenmächtig entscheiden, die voll besetzte Verkehrsflugzeug abzuschießen, also das Leben von 164 Passagieren zu opfern, um 70 000 im Stadion zu retten?

Elf Freisprüche

Am Deutschen Theater (DT) Göttingen wurde der Kampfpilot in 20 Vorstellungen, die bisher gelaufen sind, 20 mal freigesprochen. In Kassel stand „Terror“ elfmal auf dem Spielplan, elfmal votierten die Besucher gegen eine Verurteilung. In Deutschland gibt es lediglich ein Theater, das mehr Verurteilungen als Freisprüche verzeichnet: das Wolfgang Borchert Theater in Münster.

Einen kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und Japan mag man beim Blick auf die Statistik in Fernost vermuten. In zwei Theatern dort gab es bislang vier Vorstellungen - alle endeten mit einer Verurteilung durch das Publikum.

Andrea Strube spielt in Göttingen die Richterin, die nach dem Votum der Theaterbesucher am Ende jeder Vorstellung das Urteil begründen muss - bislang immer nur den Freispruch des Piloten. Die Sätze für eine Verurteilung über sie in der Pause sehr intensiv für den Fall, das Publikum würde erstmals für eine Verurteilung sprechen.

Wirklich einzigartig

Die erfahrene Schauspielerin kann sich an keinen vergleichbaren Hype in ihrer Laufbahn erinnern. „Das ist wirklich etwas Einzigartiges“, sagt sie und verweist auf die „Aufmerksamkeit auf so vielen Ebenen“. Es sei toll für das Haus, den Zuschlag für eine so frühe Premiere bekommen zu haben, sagt Strube. Die Uraufführung lief zeitgleich in Frankfurt und Berlin, zwei Wochen danach stand die DT-Premiere auf dem Programm.

Reaktionen

Astrid Horst, Sprecherin des Staatstheaters Kassel, sagt, sie habe eine Aufmerksamkeit für ein Stück noch nicht erlebt. AM ehesten vergleichbar sie vielleicht „Kunst“ von Yasmina Reza, das 1994 in Paris uraufgeführt wurde. Ihre Kollegin Inge Mathes von Deutschen Theater denkt darüber nach, ob das Urteil vielleicht anders ausfallen würde, wenn nicht der Verteidiger, sondern der Staatsanwalt sein Plädoyer als letzter hielte.

Es sei wichtig, ein solches Stück zu spielen, sagt Strube, „gerade in Zeiten wie diesen ist das ein hochaktuelles Thema“. Und sie berichtet von einer Trendwende im Ensemble. Zu Beginn der Probenarbeiten hätte das Ensemble den Piloten mehrheitlich freigesprochen. Inzwischen würde die Schauspieler ihn nahezu einhellig verurteilen, „wenn man sich an die Gesetzeslage halten müsste“. Diese Ansicht habe Schirach auch bei seinem Besuch der Premiere in Göttingen vertreten. Der Pilot würde in einem realen Gerichtsverfahren wegen Mordes verurteilt, würde allerdings wohl nach einem Jahr begnadigt,

Die nächste Vorstellung von „Terror“ im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11, steht am Freitag, 25. November, um 19.45 Uhr auf dem Programm. Kartentelefon: 0551/496911. Im Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz, wird es am Sonntag, 16. Oktober um 19.30 Uhr gespielt. Kartentelefon: 05 61 / 10 94 222.

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