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Faszinierend und beklemmend

„Das kleine Pony“ im DT Faszinierend und beklemmend

Sein Rucksack mit grellbunten Ponys macht einen Jungen zum Mobbingopfer in der Schule. In „Das kleine Pony“ zeigt Autor Paco Bezerra wie zerstörerisch die Übergriffe für die Familie sind. Das Stück hatte in der Inszenierung von Christoph Haninger seine deutsche Erstaufführung im Deutschen Theater.

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Beeindruckend: Katharina Uhland las Irene und Marco Matthes als Jakob.

Quelle: r

Göttingen. Der spanische Theaterautor Bezerra hat das Stück nach einer wahren Begebenheit um zwei Jungen, Fans der amerikanischen Serie „My little Pony“, geschrieben. Die deutsche Übersetzung aus dem Spanischen stammt von Franziska Muche.

Luis, zehn Jahre alt und gerade auf die weiterführende Schule gekommen, liebt seinen neuen Rucksack mit all den farbigen Ponys aus seiner Lieblingsserie darauf. Seine Mitschüler aber schikanieren und quälen ihn wegen des Rucksacks. Als seine Eltern durch einen Anruf der Schule davon erfahren, beginnt eine unheilvolle Entwicklung.

Info

Nächste Vorstellungen: 20. April, 5. und 27. Mai.

Die Eltern sind sich nicht einig, wie sie mit den Vorfällen umgehen sollen. Mutter Irene wirft den Rucksack weg. Als das nichts hilft, soll der Sohn die Schule wechseln. Irene möchte ihn schützen, indem sie Anpassung fordert. Der Vater dagegen sieht die anderen Kinder im Unrecht. Es ginge nicht, dass jemand nur wegen seines Andersseins gemobbt wird. Die Kinder müssten lernen, andere zu akzeptieren und sein Sohn zu seinem Anderssein stehen. Dabei verliert er aus den Augen, dass Recht haben allein nicht genügt. Und dass sein zehnjähriger Sohn das alles aushalten muss und daran zerbricht. Und daran, wie die Eltern sich verhalten. Schuldgefühle, schwelende Konflikte zeigen sich ebenso wie eine gewisse Sprachlosigkeit zwischen Jakob und Irene und in der Beziehung zu ihrem Kind.

Beeindruckend spielen Katharina Uhland und Marco Matthes die Eltern Irene und Jakob. Der Sohn tritt nie auf, nur in den Dialogen wird deutlich, wie die Geschichte fortschreitet.

Faszinierend einfach und beklemmend dicht ist die Inszenierung. Uhland und Matthes spielen auf einer quadratischen Holzlaufbahn (Bühne Gregor Wickert). Maximale Distanz oder zögerlich zugelassene Nähe werden so auf dieser puren Spielebene ohne jegliche Requisiten möglich. Regisseur Haninger lässt die beiden ihre Dialoge - bis auf wenige Ausnahmen - in einem extrem ruhigen Ton führen. Und verschafft so dem Gesagten Nachdruck.

Das Publikum feiert die gelungene Umsetzung mit ausgiebigem Applaus.

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