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Das läuft ab Donnerstag im Kino

Göttingen Das läuft ab Donnerstag im Kino

Nun dürfen sich nun endlich auch deutsche Disney-Fans auf ein Wiedersehen mit Nemo und seinen Freunden freuen. „Findet Dorie“ startet am Donnerstag in den Kinos im Kreis Göttingen. Ob sich das Anschauen lohnt und was diese Woche sonst noch anläuft, verraten wir in unserem Überblick auf goettinger-tageblatt.de.

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Sitzen zum wiederholten Mal in der Tinte: Der vergessliche Doktorfisch Dorie und der siebenarmige Oktopus Hank, der ihr bei der Suche nach ihren Eltern behilflich ist.

Quelle: Disney/Pixar

Fisch im Trüben

Von Matthias Halbig

Der kleine Clownfisch Nemo ging 2003 im Kino verloren. Dass er nach einer der prächtigsten Odysseen der Filmgeschichte wiedergefunden wurde, war weniger seiner Glücksflosse und seinem kopflosen Vater Marlin zu verdanken als vielmehr der hilfsbereiten Dorie. Das hoffnungsblaue Doktorfischmädchen ohne Kurzzeitgedächtnis folgte der Regel: Denk positiv, wenn du dich schon an nichts erinnern kannst. Und war nicht unterzukriegen. So endete das Meeresmärchen über Familie, Liebe, Freundschaft und Gemeinschaftsgeist mit einem Happy End wie noch jeder Pixar-Film. Und obwohl es danach eigentlich nichts mehr zu erzählen gab, vermisste man die bunten Fischlein aus dem bis heute erfolgreichsten Film der Studios.
13 Jahre später nun führen uns Regisseur Andrew Stanton und sein Kollege Angus MacLane zurück ans leuchtend bunte Riff. Die Handlung setzt ein Jahr nach den Ereignissen von „Findet Nemo“ ein. In ihrem Korallenwigwam, der direkt gegenüber von Marlins und Nemos Anemone liegt, schießen Dorie eines Nachts Bildfetzen von ihrer Kindheit in ihre Träume. Sie sieht ihre besorgten Eltern, wie sie ihr von Geburt an leckes Erinnerungsvermögen trainierten. Dorie geriet während dieses Trainings in einen Sog, wurde weggerissen von Mama und Papa und fand sich in einer Einsamkeit wieder, die im Kino Klein und Groß betrübt macht. Ohne seine Eltern leben zu müssen! Sein Kind nicht mehr finden zu können! Die fürchterlichsten aller Vorstellungen.
Die ja schon den ersten Film beherrschten, als Nemo abhandenkam. Nun aber will sich Dorie, der Fisch im Trüben, Klarheit verschaffen. Und so macht sie sich auf die Suche. Clownfischvater Marlin, Typus Couchkartoffel, ist neuerlichen Weltreisen zunächst abhold, weiß aber, dass er Dorie einiges schuldet. Und weil ihm Nemo kräftig ins Gewissen redet, findet sich das Trio bald auf einem neuerlichen Trip durch den Ozean, erneut auf den Panzern bekiffter Meeresschildkröten eine submarine Strömung reitend.
Nein, „Findet Dorie“ kann „Findet Nemo“ nicht das Wasser reichen. Eigentlich wird gegenüber dem ersten Film auch nur der Roadmovieteil stark verkürzt, der  Aquariumsteil ausgeweitet – voilà. Das Überschaubare an Neuem reicht indes aus, um besser zu unterhalten als andere Pixar-Sequels und -Prequels wie das banale Autorennen von „Cars 2“ oder die leidlich lustigen Vorgänge an der „Monster  Uni“. Waren – innerhalb der Handlung – alle Wendungen des brillanten „Nemo“-Films noch nachvollziehbar, so nimmt Stanton in „Dorie“ keine Rücksicht mehr auf Stimmigkeit. Die Highway-Kuschelshow eines Ottervölkchens etwa passt eher zu den wilderen Computertrickuniversen der Konkurrenz von         Dreamworks oder Universal. Gleiches gilt für den Oktopus Hank am Steuer eines Trucks.
Hank, der sich einen stillen Lebensabend in einem Becken in Cleveland erhofft hat, ist sonst freilich Stantons Kapital.  Sein gestaltwandlerisches Talent ist so erfrischend wie seine hingebrummten Einzeiler. Und gleich stolze drei Herzen aus Gold hat der Griesgram. Da können andere Helfershelfer Dories im kalifornischen Meeresbiologischen Institut (wo sie ihre Eltern vermutet) nicht mithalten – weder der sehschwache Walhai Destiny noch der hypochondrische Beluga Bailey. Dass Seelöwen auf Bairisch fluchen und eine Auster auf Wienerisch jammert, gehört zu den Sünden einer gagverliebten Synchronisation. Und man vermisst  Bruce, den Weißen Love-&-Peace-Hai.
Dorie hat sich am Ende vor allem selber gefunden. Zu wissen, woher man kommt, hilft einem, sich selbst zu verorten und den eigenen (guten) Weg einzuschlagen. Das ist die arg schlichte Botschaft des Films. Noch mehr als das Original wird Pixars zweiter Fischfilm vom Geist der Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Solidarität getragen. Alles kann man schaffen, wenn alle mithelfen, und scheint es auch noch so unmöglich. Es merkelt.
Nein, Dorie zieht am Ende nicht wieder bei ihren Eltern ein. Aber alle leben gemeinsam glücklich am Riff bis ans Ende ihrer Tage. Mindestens aber bis zum dritten „Nemo“-Film. Der sollte sich dann allerdings in Sachen Plot ein bisschen deutlicher von den Vorgängern abheben. Der Auftrag an Stanton und MacLane lautet somit: Findet Story!


„Findet Dorie“, Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane. 97 Minuten, FSK 0, Cinemaxx, Schiller Lichtspiele Hann. Münden

Wissenswertes über Dorie und Nemo

Wo Nemo das erste Mal auftauchte: Auf einer Couch im Kinderzimmer der kleinen Boo im Pixar-Film „Die Monster AG“ von 2001. Also zwei Jahre, bevor der kleine Clownfisch in Pixars „Findet Nemo“ Herzen, Verkaufsrekorde und CGI-Qualitätsstandards brach. Freilich war der Fischfilm da schon vier Jahre in Vorbereitung. Die Vorproduktion begann 1997, die konkreten Arbeiten im Januar 2000 – mit einem Team von 180 Personen.
Ausgangspunkt für den Film war zum einen die Faszination, die Regisseur Andrew Stanton als Kind für das Aquarium in der Praxis seines Zahnarztes empfunden hatte. Zum anderen Stantons Erkenntnis, dass er zu sehr um seinen kleinen Sohn kreiste – als übermäßig beschützender Helikoptervater gestaltete er mit dem ängstlichen Clownfischdaddy Marlin eine Karikatur seiner selbst. Das Computertrick-Meer in „Findet Nemo“ (2003) sah übrigens so echt aus, dass es die Trickser von Pixar nachgerade absichtsvoll künstlicher machten. Damit niemand im Publikum auf die Idee käme, man habe die Trickfischlein in richtige Unterwasseraufnahmen hineingesetzt.
Liebster Fisch der erwachsenen Kinobesucher war Umfragen bei Testscreenings zufolge Dorie, der blaue Doktorfisch mit dem Zehnsekundengedächtnis. Mit mehr als 25 Millionen Likes ist die nette Unterwasserschusseline bis heute die beliebteste Figur aller Pixar- und DisneyFilme auf Facebook. Siebenmal sagt Dorie Nemos Namen in „Findet Nemo“ richtig, allerdings nennt sie ihn noch Chico, Fabio, Bingo, Harpo und Elmo. Dories Vergesslichkeit ist dem (falschen) Gerücht geschuldet, Goldfische hätten nur ein Dreisekundengedächtnis. Die Figur wurde der Stand-up-Komödiantin Ellen DeGeneres auf den Leib geschrieben, die im selben Jahr mit der Show „Ellen“ zum Superstar des US-Fernsehens aufstieg. Auch in „Findet Dorie“ spricht DeGeneres ihre Rolle wieder (in der deutschen Version ist es Anke Engelke), nachdem sie bei Pixar über die kompletten 13 Jahre immer wieder vorstellig geworden war, wann denn nun endlich ein Sequel mit ihrer heiß geliebten Figur gedreht würde. So war es auch DeGeneres, die die Fortsetzung in ihrer Show verkünden und den ersten Trailer von „Findet Dorie“ vorstellen durfte.
Fortschritte bezüglich Dories Merkfähigkeit sind in „Findet Dorie“ festzustellen. Beispielsweise nennt Dorie Nemo diesmal stets beim richtigen Namen. Die Belohnung: Am 17. Juli wurde „Findet Dorie“ zum erfolgreichsten Trickfilm aller Zeiten in den USA, womit das Doktorfischmädchen den zweiten Kinoauftritt des Ogers Shrek (2004) auf Platz 2 verwies.

„The Infiltrator“

In den 80er Jahren arbeitet der Agent der US-Drogenvollzugsbehörde Robert Mazur (Bryan Cranston) fünf Jahre lang als schmieriger Geschäftsmann Bob Musella undercover und wäscht Geld für das internationale Verbrechen. Mazur dringt dabei bis in die innersten Kreise des organisierten Verbrechens vor. Dabei unterstützen ihn Kathy Ertz (Diane Kruger), die sich als seine Verlobte ausgibt, sowie sein Agenten-Kollege Emir Ebreu (John Leguizamo). Gemeinsam ermitteln sie gegen kriminelle Banker und Geschäftsleute, die ihren Einfluss auf der ganzen Welt ausüben und milliardenschwere Drogengeschäfte tätigen. Die in dieser Zeit gesammelten Erkenntnisse setzt Mazur später ein, um die weltweit größten Kartelle zu stürzen - darunter auch den berühmt-berüchtigten Drogenbaron Pablo Escobar, mit dessen rechter Hand Roberto Alcaino (Benjamin Bratt) er sich zuvor anfreundet...

„The Infiltrator“, Regie: Brad Furman, 127 Minuten, FSK 16, Cinemaxx

„War Dogs“

Von Ernst Corinth
Die Geschichte ist unglaublich. So unglaublich, dass sie nur wahr sein kann. Tatsächlich gründet „War Dogs“ auf einer Begebenheit, die sich während des Irak- und später des Afghanistan-Kriegs zugetragen hat. Alles beginnt im Jahr 2005 in Miami. Zwei alte Schulfreunde treffen sich auf einer Beerdigung wieder. David (Miles Teller) hat als Unternehmer schon einige Bruchlandungen hinter sich. Efraim (Jonah Hill) verkauft mit seiner Firma Waffen via Internet und hat  eine Goldader entdeckt. Die US-Regierung vergibt übers Internet Rüstungsaufträge.
Da David dringend Geld benötigt, beschließt er, mit Efraim in den Waffenhandel einzusteigen. Erst verkaufen sie eine Waffenladung in den Irak, dann sollen sie die afghanische Armee im größeren Stil mit Munition versorgen. Der 300-Millionen-Dollar-Deal verläuft nicht reibungslos. Die beiden Schreibtischtäter müssen selbst an den Kriegsschauplaz reisen. Doch Regisseur Todd Phillips, der mit der „Hangover“-Reihe bekannt wurde, hat ein wachsames Auge auf das Wohlergehen seiner Protagonisten.
Obwohl der Film ein schmutziges Thema behandelt, ist „War Dogs“ vor allem eine Komödie, die dank der Leistungen der Hauptdarsteller auch noch bestens unterhält. Die damalige Vergabepraxis der US-Militärbehörden ist so absurd-lächerlich, dass der Regisseur sie gar nicht überspitzen muss.   eco


„War Dogs“, Regie: Todd Phillips, 114 Minuten, FSK 12, Cinemaxx

„Hope For All“

Von Caroline M. Buck
Es ist fünf vor zwölf, aber noch ist nicht alles verloren, suggeriert „Hope for All“. Der Untertitel „Unsere Nahrung - unsere Hoffnung“ gibt die Stoßrichtung vor. Wenn die Wohlstandsbürger der Welt so weiterfuttern, so Regisseurin Nina Messinger, ruinieren sie nicht nur ihre Gesundheit, sondern den Planeten. Vom Leid der 65 Milliarden Tiere, die jährlich im Schlachthof enden, nicht zu reden.
„Hope for All“ ist ein Plädoyer für vegane Ernährung. Nach Botschaften etwa der Verhaltensforscherin Jane Goodall und viel schöner Natur zu Orchestermusik folgen die Argumente: Naturzerstörung, die Brutalität der Schlachthöfe. Eine Schocktherapie, die Pflichtprogramm an Schulen sein sollte.

„Hope For All“, Regie: Nina Messinger, 105 Minuten, FSK 12, Lumière Göttingen

„Die fast perfekte Welt der Pauline“

Mit 39 Jahren hat es Pauline (Isabelle Carré) nicht sehr weit gebracht: Sie teilt sich ihre Wohnung mit einer kleinen Maus, aber noch sehr viel kleiner sind ihre Einkünfte, die sie sich als Alleinunterhalterin auf komischen Partys zusammenklaubt. Eines Tages ist sie im Darth-Vader-Kostüm in Eile und hetzt von einer Kinder- zur Seniorenfeier. Doch dann erschreckt sie versehentlich den nichtsahnenden Fabrice (Philippe Rebbot), der daraufhin in eine Grube stürzt und sich schwer verletzt. Pauline flüchtet, schließlich steht ihr nächster Auftrag auf dem Spiel. Später besucht sie den im Koma liegenden Mann und ist plötzlich von seinem Anblick, aber auch von ihrer eigenen Schuld so überwältigt, dass sie an nichts anderes mehr denken kann. Immer mehr dringt sie in sein Leben ein, verbringt Zeit mit seinem Sohn und sogar bei seinem Job als Musiklehrer springt sie kurzerhand ein. Doch was wird passieren, wenn Fabrice wieder aufwacht? Pauline müsste zu ihren Gefühlen stehen – oder wieder flüchten…

„Die fast perfekte Welt der Pauline“, Regie: Marie Belhomme, 83 Minuten, FSK 0, Lumière Göttingen

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