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Das läuft in Göttingens Kinos

Die Filmstarts der Woche Das läuft in Göttingens Kinos

Von "Independence Day 2" bis "Toni Erdmann": Ab Donnerstag starten wieder tolle Filme in Göttigens Kinos. Wir haben für Euch eine Zusammenfassung aller Produktionen.

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Independence 2: Kann die Welt wieder gerettet werden?

Quelle: dpa

Hoffnungsvoller Weltuntergang

Göttingen. Satellitentechniker David Levinson (Jeff Goldblum) wundert sich. Er blickt auf Riesen-Raumschiffe, Riesen-Aliens oder irgendetwas anderes Riesenhaftes und bemerkt ungläubig: „Noch größer als beim ersten Mal.“ Wir erinnern uns: Bereits im ersten „Independence Day-“Film verdunkelten die Angreifer aus dem All New York. In „Independence Day 2“ wird die Zerstörungsorgie von vor 20 Jahren noch einmal mit aller Macht übertrumpft.

Der Fluch Hollywoods besteht darin, die pompösen Vernichtungsspektakel immer weiter überbieten zu müssen. Roland Emmerich hat beim ersten Fortsetzungsfilm seiner imposanten Hollywood-Karriere dieses Risiko auf sich genommen – und er

ist inzwischen durch „The Day After Tomorrow“ (2004) und „2012“ (2009) schon ein paar Weltuntergänge weiter. Nun muss er sich gewissermaßen selbst in den Schatten stellen.
Eine Mischung aus „Star Wars“ und  „Alien“ rührt der Regisseur an. Es regnet architektonische Wahrzeichen, denn die Aliens haben die Schwerkraft aufgehoben und lassen zum Beispiel den welthöchsten Hochhausturm Burj Khalifa in die Themse stürzen. Um Glaubwürdigkeit ging’s in Hollywood noch nie, aber das hier wirkt irre.

Mittendrin ergreifen versprengte Menschenhäuflein die Überlebenschance, die sie nicht haben. Einige Veteranen aus dem ersten Film melden sich zurück (Bill Pullman als Ex-US-Präsident, genauso Jeff Goldblum). Emmerich bedient die Nostalgie älterer Kinozuschauer, angereichert mit Humor, aber auch mit dem schon aus dem ersten Film schwer erträglichen bekannten Pathos.
Sympathisch bleibt immerhin Emmerichs Sehnsucht nach Frieden auf Erden. Der Regisseur ist davon beseelt, die Menschheit daran zu erinnern, dass etwas Gutes in ihr steckt. Was böte sich da besser an als eine Bedrohung von außen? Hier ist die US-Präsidentin zu Beginn dabei, an ihrer Rede zum Unabhängigkeitstag 2016 zu feilen. Von einer zwanzigjährigen Friedenszeit ist die Rede. Die Völker haben sich nach dem Alienangriff 1996 zusammengeschlossen.

Zumindest in diesem Film hatten die vereinten Nationen also Besseres zu tun, als daran zu arbeiten, ihren Planeten unbewohnbar zu machen. Genießen wir diesen Weltuntergang, der Hoffnung macht.

Ein Spaßvogel macht Ernst

Diese Komödie ist 162 Minuten kurz. Diese Zeit braucht es, um ihren ganzen Reichtum zu entfalten. Am ehesten ließe sich vielleicht sagen: „Toni Erdmann“ handelt davon, wie ein Vater seiner Tochter ein wenig Glück ins selbstentfremdete Leben zurückbringen will. Andererseits ist der Vater genauso einsam und sucht die Nähe der Tochter. Ebenso erzählt „Toni Erdmann“ davon, wie Humor zum Fremdschämen Wunder wirken und plötzlich ins Traurige kippen kann. Oder davon, welche Härten die moderne Arbeitswelt bereithält – unter besonderer Berücksichtigung der ungeliebten Kaste der Unternehmerberater.

Es geht also um ziemlich viel in „Toni Erdmann“, Maren Ades Komödie, die bei ihrer Premiere in Cannes weltweit – Elogen in „Le Monde“ und der „New York Times“ – gefeiert wurde wie kein anderer Film und dann unverständlicherweise bei den Preisen leer ausging. Die 39-jährige Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin Ade erzählt so komisch und schmerzvoll vom Leben, wie es eben ist. Bei ihr regiert der anarchische Humor, der sich in keinem Drehbuchseminar lernen lässt. Eine Filmemacherin pfeift auf Stereotypen, vertraut ihren Instinkten und ihrer Menschenkenntnis. Hier wird mit wunderbarer Leichtigkeit Tiefernstes verhandelt.

Vater Winfried (Peter Simonischek) ist ein angegrauter Musiklehrer „mit grüner Gesinnung“, wie Tochter Inès (Sandra Hüller) abschätzig sagt. Seine arglose Gutmütigkeit lässt sich nur schwer mit der wie wahnsinnig rotierenden Welt da draußen vereinbaren. Ein urgemütlicher Brachial-Spaßvogel ist Winfried aber auch. Bei jeder unpassenden Gelegenheit klemmt er sich Partyzähne in den Mund und erfindet mit ernster Miene die absurdesten Geschichten.

Winfried kann aber auch ganz still sein, etwa beim Tod seines altersschwachen Hundes. Womöglich ist das der Moment, in dem er beschließt, seinen Plan wahrzumachen: Er besucht seine Tochter.
Ines (Hüller) ist eine Unternehmensberaterin in Bukarest, die ihr Business-Kostüm wie eine Ritterrüstung trägt. Sie nimmt den Bossen die Entscheidung ab, wenn Leute auf die Straße gesetzt werden sollen, aber lässt sich ebenso als Einkaufsberaterin für die Gattin eines wichtigen Kunden entwürdigen. Und nun taucht überfallartig der Papa auf.
Erst einmal ignoriert Ines den Vater auf offener Szene, aber das hilft nichts: Familiäre Bindungen lassen sich nicht kappen. Winfried lässt sich nicht abschütteln, setzt sich eine Perücke auf, haut die Hasenzähne rein und taucht als ein gewisser Toni Erdmann wieder auf – mal als Prominenten-Coach von Ion Tiriac, mal als deutscher Botschafter. Klingt absurd? Das ist ja das Schöne. Kein Mensch glaubt dieser schrägen Erscheinung. Aber alle spielen mit.

Toni Erdmann bringt seine Tochter in hochnotpeinliche Situationen und lernt nebenbei viel über die brutale Kapitalistenwelt, über Selbstverrat und Selbstverbiegung. „Bist du noch ein Mensch?“, fragt er Ines. Aber als sie zurückfragt, was für ihn denn Glück im Leben ausmache, weiß auch er erst mal keine Antwort.

Irgendwie aber finden die beiden zusammen, etwa in diesem einen grandiosen Moment: Ines wird von ihrem Vater genötigt, einen Whitney-Houston-Song zu singen. Man sieht ihr inneres Ringen, aber dann schmettert sie die Zeilen wie eine persönliche Befreiungshymne: „Learning to love yourself / It is the greatest love of all“. Der absolute Höhepunkt: Eine groteske „Nackt-Party“, wie sie in Unternehmensberaterkreisen offenbar plausibel erscheint – könnte ja fürs „Team-Building“ wichtig sein. Ines hat ihr Humor-Gen wiedergefunden.

Maren Ade wird seit ihren beiden Filmen „Der Wald vor lauter Bäumen“ und „Alle anderen“ zur „Berliner Schule“ gerechnet, einer eher zufälligen Gruppe von Filmemachern um Christian Petzold, Thomas Arslan oder Angela Schanelec. Den Regisseuren wird eine Vorliebe für sprödes, nüchternes Kino nachgesagt. Dieser lebenssaftige und nie aufdringliche Film straft diese Charakterisierung Lügen. „Toni Erdmann“ ist die Kinosensation des Sommers. Jetzt müssen nur noch die Kinozuschauer bereit sein, an Toni Erdmann zu glauben.

Bilderhopping: „Deutschland. Dein Selbstporträt“

„Schminken klaut Lebenszeit“, stellt eine junge Frau vor dem Spiegel fest. Eine andere zuckt auf die Frage, was ihr zu Deutschland einfällt, die Achseln. Was den Deutschen auf der Seele brennt, möchte Sönke Wortmann wissen, der am 20. Juni 2015 Menschen quer durch die Republik aufrief, sich zu filmen. Drei Fragen hatte er für sie: Was macht dich glücklich? Wovor hast du Angst? Was bedeutet Deutschland für dich?

Und schon geht das Bilderhopping los, aufgenommen mit Smartphones oder Tablets. Dem Format von Ridley Scotts „Life in a Day“  folgend, suchte Wortmann aus mehr als  zehntausend Beiträgen die Momentaufnahme eines Landes, das wegen seiner Schönheit, Freiheit und Sicherheit gelobt wird. Das kollektive Selbstporträt im Youtube-Stil verliert sich oft in der Masse der Eindrücke, trotz lustiger, trauriger und bewegender Szenen. Der Erkenntnisgewinn der Collage hält sich in Grenzen, langweilig sind die Schnipsel aber nie. Aber ob das Allerlei wirklich repräsentativ ist für dieses Land?

Muh! „Unterwegs mit Jacqueline“

Titelheldin in „Unterwegs mit Jacqueline“ ist eine Kuh – der ganze Stolz des Algeriers Fatah (Fatsah Bouyahmed). Dann darf er mit Jacqueline an der Landwirtschaftsmesse in Paris teilnehmen. Zu Fuß macht er sich auf den Weg und trifft unterwegs liebenswerte Menschen. Eine wundersame Geschichte erzählt Mohamed Hamidi in diesem Wiederkäuer-Roadmovie: Wohlfühlkino vom Feinsten.

Tolle Sarandon: „Mit besten Absichten“

Marnie (Susan Sarandon) ist der Prototyp einer Mutter, die nicht loslassen kann. Nach dem Tod ihres Mannes ist sie der Tochter Lori (Rose Byrne) nach L. A. hinterher gezogen und übertüncht ihre Trauer mit Fürsorge.  Dass Schöne an Lorene Scafarias „Mit besten Absichten“ ist, dass sie ihre Figuren nicht in Psychologisierungen erstickt. Susan Sarandon ist fabelhaft in der Rolle der herzensguten Nervensäge.

Rasantes Abenteuer:„Mullewapp“

Sie sind die besten Kumpel: Schweinchen Waldemar (Stimme: Axel Prahl), Franz von Hahn (Michael Kessler) und Johnny Mauser (Ralf Schmitz). Nach sieben Jahren kehren die drei Freunde von Autor Helme Heine ins Kino zurück. „Mullewapp – Eine schöne Schweinerei“ heißt ihr Abenteuer. Eine riesige Torte, ein trickreiches Wildschwein und ein fliegendes Fahrrad sind die Zutaten für diesen rasanten Animationsfilm in kunterbunter 3D-Optik.
 

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