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Das neue Buch von Günter Grass ist im Göttinger Steidl-Verlag erschienen

„Bewegendes Abschiedsgeschenk“ Das neue Buch von Günter Grass ist im Göttinger Steidl-Verlag erschienen

„Vonne Endlichkait“ heißt das Buch von Literaturnobelpreisträger Günter Grass, das sein Göttinger Verleger Gerhard Steidl am Dienstagmittag vorgestellt hat. Es sei das letzte Buch, „an dem er selbst noch gearbeitet hat“, erklärte Steidl, „aber sicher nicht das letzte, was von ihm erscheinen wird“.

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Verleger Gerhard Steidl erläutert Fasimiles der Original-Entwürfe für das Buch mit Korrekturen von Grass.

Quelle: Heller

Göttingen. Steidl stellte das rund 180 Seiten starke Werk im Günter-Grass-Archiv in der Düsteren Straße vor.

Den Ort habe sich Grass gewünscht, sagte Steidl. Bis zum letzten Tag habe der Autor an dem Buch gearbeitet, er sei „ein leidenschaftlicher Buchgestalter“ gewesen, habe sich mit Typographie, dem Umbruch und auch der Auswahl des Papiers befasst. Grass starb am 13. April im Alter von 87 Jahren.

Mit dem Buch habe Grass es geschafft, „noch einmal neue Wege zu gehen“, erläuterte der Grass-Lektor Dieter Stolz. Er habe „Doppelstücke aus Lyrik und Prosa“ geschrieben, die sich aufeinander beziehen. Dazu kommen 65 Bleistift-Zeichnungen, thematisch zu den Texten passend.

Grass schreibt vom Abschied nehmen, vom Zeichnen und Malen, über Natur, über die beiden Särge für sich und seine Frau, die sie noch zu seinen Lebzeiten hatten tischlern lassen und die dann Dieben in die Hände fielen. Auch von der allumfassenden Überwachung und über Flüchtlinge schreibt er, obwohl das Buch laut Steidl eher persönlich als politisch geraten sei.

Es sei „eine recht unterhaltsame Reise durch sein Leben und seine Arbeitswelt geworden“, so Steidl, „ein kleines Vermächtnis all dessen, was ihn in seinem Leben inter­essiert hat“. Und: „Ein streckenweise zum Brüllen komisches Buch.“

Sehr sorgfältig habe Grass an seinen Texten gearbeitet, erst von Hand in Blindbücher geschrieben, wieder von Hand übertragen, schließlich eine erste Fassung auf seiner legendären Olivetti-Schreibmaschine getippt und noch eine weitere einer Mitarbeiterin diktiert. Die Zusammenarbeit mit dem Autor „habe ich immer eher wie ein Pingpongspiel gesehen“, sagte Steidl, der es wie ein Wechselspiel gegenseitiger Anregungen mit dem Verleger als dem Dienenden beschrieb.

Schon jetzt habe er einige Verträge über Auslandslizenzen für das Buch abgeschlossen, teilte Steidl mit, weitere sollen folgen. „Eher viele Verlage trauen sich heran.“ Denn oft sei das Übersetzen der Grass-Bücher ein Problem, weil es für viele Wörter kaum Entsprechungen in anderen Sprachen gebe.

„Erklären Sie mal einem Koreaner, was Sütterlin ist und wie er das seinen Lesern erklären soll.“ Das sei bei dem neuen Grass-Werk einfacher. Dennoch werde es wie immer ein Treffen der Grass-Übersetzer geben, in denen über schwierige Fälle gesprochen werde.

„Günter Grass hat ein bewegendes Abschiedsgeschenk hinterlassen“, sagte Steidl schließlich. Und Grass-Lektor Stolz ergänzte: „Ich glaube, dass ihm noch einmal etwas ganz Großes gelungen ist.“ Künftig könnte ein Buch mit Auszügen aus Grass-Tagebüchern erscheinen, kündigte Steidl an. Der Schriftsteller habe noch Seiten ausgewählt. Steidl: „Spannende Passagen, meist mit politischem Ansatz, haben ihn im Rückblick interessiert.“

Ob er jetzt, da Grass gestorben ist, etwas vermissen werde, wurde Steidl gefragt. „Immer, wenn wir mit der Arbeit fertig waren, haben wir einen Schnaps getrunken“, sagte Steidl. Führte er die Tradition nun alleine fort? „Nein“, antwortete der Verleger ganz schlicht.

Günter Grass: „Vonne Endlichkait“, Steidl-Verlag, 180 Seiten, 34 Euro.

 

 

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