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Dave Davis mit „Afrodisiaka!“ in der Göttinger Stadthalle

Mal nach dem Rechten gucken Dave Davis mit „Afrodisiaka!“ in der Göttinger Stadthalle

Von Karneval bis Kolonialismus: Der Comedian Dave Davis hat sein drittes Solo-Programm „Afrodisiaka!“ am Sonnabend in der Stadthalle in Göttingen vorgestellt.

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In beratender Fuktion unterwegs: der kabarettistische Spaßmacher Dave Davis.

Quelle: Pförtner

Göttingen. „Ich war früher Toilettenmann, jetzt bin ich Lebensberater. Deutschland braucht einen afrikanischen Lebensberater. Die Deutschen sind so traurig.“ Davis schlüpft in seine bekannte Bühnenfigur „Motombo Umbokko“. Aber der ist nicht mehr mit Plastikhaube als Klomann im Einsatz. Er ist jetzt in beratender Funktion unterwegs und hat einige Weisheiten dabei.

„Wenn dir die Sonne aus dem Popo scheint, hast du wenigstens Licht“, erklärt „Motombo“ plakativ die afrikanische Denkweise, das Leben leicht zu neh men. Und diese Sicht auf die Dinge lässt er auf die Mentalität der unglücklichen, von „Wirtschaft und Politik“ gegängelten Deutschen prallen. Statt sich ständiger Produktivität zu unterwerfen und medialen Einflüsterungen zu folgen, lautet die Botschaft des Abends: „Da, wo du bist, ist oben.“  Anders gesagt: Was nützt einem die Rolex, die 300 Meter wasserdicht ist, wenn man kein Seepferdchen hat.

Ob Deutsche, Afrikaner, Männer, Frauen oder Originale aus dem Kiez: In seiner Ethno-Comedy spielt der zweifache Prix-Pantheon-Gewinner mit Klischees und veräppelt alle gleichermaßen, auch sich selbst („Meine Vorfahren waren katholische Kannibalen. Freitags gab es Fisch“). Und „Political Correctness“ ist dabei nicht angesagt.

Bettina aus dem Osten steht er gegen Diät-Wahn zur Seite. Als Frauenversteher ist der 42-Jährige unterwegs und auf den Spuren des Fußball-Weltmeistertitels. Über homosexuelle Klischees, den Kölner Karneval, demografischen Wandel, Gender-Diskussion und den Bestseller „50 Shades of grey“ macht er sich lustig. Deutliche Kritik übt er an der Bild-Zeitung, die Vorurteile befördere.

„Jeder von euch ist ein Integrationsbeschleuniger“, spricht sich der Kölner mit ugandischen Wurzeln für eine buntgemischte Gesellschaft aus in der „Gemeinwohl zählt“. Im Land der Dichter und Denker solle man sich positionieren und „den Kopf einschalten“. Neulich sei er bei einer Pegida-Demo gewesen. Als Schwarzafrikaner wollte er mal „nach dem Rechten gucken“.

Mal sächselnd, mal mit kölschem Zungenschlag. Mal mit eher derbem Humor, dann wieder feiner gezeichnet: Davis unterhält sein Publikum in der bei weitem nicht zur Hälfte gefüllten Stadthalle. Die Zuschauer bedanken sich mit viel Applaus und lassen den Kölner erst nach zwei Zugaben von der Bühne.

Von Karola Hoffmann

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