Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Den letzten beißen die Hunde

Theater M 21 Den letzten beißen die Hunde

Schon länger war in Göttingen von dem freien Theater M 21 wenig zu hören. Jetzt ist es aber wieder aufgetaucht. In der Galerie Art Supplement stand die Uraufführung des Stückes „Letzter Ausstieg Ithaka“ auf dem Programm. Theaterchef Joachim von Burchard führte Regie und  spielt einen Journalisten, Andreas Klumpf ist Ändi, ein Aussteiger.

Voriger Artikel
Göttinger Symphonie-Orchester
Nächster Artikel
Friedenskonzert des Knabenchors

Hippie und Aussteiger Ändi (Andreas Klumpf) lebt von seinen Erinnerungen.              

Quelle: r

Göttingen. Kuschelig ist es in den Galerieräumen. In der Mitte steht ein langer Tisch, daran Bänke. Hier setzt sich nach und nach das Publikum. Ändi läuft schon ein wenig hin und her, silbergrauer Pferdeschwanz, Birkenstocks, T-Shirt und Jeans. Und er stellt Wein auf den Tisch, selbst gekeltert aus den eigenen Trauben. Ändi lebt in Ithaka auf dem griechischen Festland. Er ist der letzte Bewohner dieser Aussteiger-Enklave.

Weitere Vorstellungen

11., 12., 13., 14., 18. und 19. November in der Galerie Art Supplement, Burgstraße 37a in Göttingen. Karten können per E-Mail unter karten@theater-m21.de bestellt werden.

Rund 100 Menschen waren in den 1970er-Jahren aufgebrochen. Sie zahlten 10 000 Mark um sich ihren Traum vom Glück zu erfüllen: Sie ließen ihr altes Leben zurück, um in Griechenland neue Formen des Zusammenlebens auszuprobieren. Ändi war Geschäftsführer der Kolonie. Das Geld für den Kauf des Geländes hatte er in zwei Plastiktüten dabei, eine Million Mark. Inzwischen sind alle bis auf Ändi weitergezogen. Er verwaltet die Leere in der Hitze und raucht viele Selbstgedrehte. Dann kommt dieser Journalist und will über das Projekt schreiben. Ändi erzählt ihm von seinen Träumen und seinem Leben in Freiheit, der Journalist fühlt sich immer wohler. Ändi eher nicht.

Dieses Aussteiger-Kolonie habe es wirklich gegeben, sagt von Burchard. Eltern aus dem Umfeld des Theaters seien dabei gewesen. Von Burchard sitzt während der Vorstellung an dem einen Ende der Tafel, ist dort für die technische Seite wie das Einspielen von Videoprojektionen zuständig. Und er füttert Ändi mit Fragen.

Verlockend - oder nicht?

So plätschert der Abend angenehm dahin wie ein Tag für Ändi in Ithaka, diesem Fleckchen Erde mit den tollsten Olivenbäumen, dem besten Käse und dem Eine-Million-Dollar-Blick vom Plumpsklosett. Vor Ändis Augen ziehen Filmschnipsel (Video und Musik: Jan Exner) vorbei, die ehemaligen Aussteigerkollegen in der Kolonie zeigen. Bei manchen Theaterbesuchern werden sich diese Bilder mit denen eigener Urlaubserinnerungen vermischen. Ein dauerhaftes Leben unter südlicher Sonne ohne Eis und Schnee kann ganz schön verlockend sein. Oder doch nicht?

Am Ende geht das Licht an. Die Theaterbesucher applaudieren – und bleiben sitzen. Viele Kollegen anderer freier Theater sind zur Uraufführung gekommen. Das könnte auch eine Form des Ausstiegs sein.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff