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Der 23. Göttinger Literaturherbst ist gestartet

Einblick in das Programm Der 23. Göttinger Literaturherbst ist gestartet

Mehr als 50 Veranstaltungen auf 20 Bühnen in Göttingen und der Region umfasst das Festival. Bestsellerautoren wie Frank Schätzing sind dabei, neue Stars der Szene wie Ned Beauman, renommierte Autorinnen wie Judith Hermann.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Prominente wie Roger Willemsen und Jürgen Trittin präsentieren ihre Bücher. Die Nachfrage nach Tickets ist groß. Das Festival scheint auf einem guten Weg zu sein.

Die finnischen Autoren Selja Ahava und Johan Bargum lesen im Apex
Von Christiane Böhm

Finnland ist ein Leseland. 2009 betrug die Lesezeit der Finnen im Schnitt 36 Minuten am Tag. Der Glaube an das Lesen als Quelle von Bildung als Jedermannsrecht ist tief im finnischen Wertesystem verankert, sagt Emma Aulanko, Kulturreferentin des Finnland-Instituts. In diesem Jahr ist Finnland Gastland auf der Buchmesse. Auch der Göttinger Literaturherbst hat einen Abend der finnischen Literatur.

Im Apex stellen am Donnerstag, 16. Oktober, Johan Bargum und Selja Ahava ihre Bücher vor.

Selja Ahava

Selja Ahava

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Bargum gehört zur Minderheit der schwedisch sprechenden Finnen. Seine Romane, Erzählungen, Drehbücher und Theaterstücke schreibt er auf Schwedisch. Mit „Septembernovelle“ hat er ein Bändchen vorgelegt, das Stoff zum Nachdenken bietet. Olof und Harald sind im Spätsommer zum Segeln gefahren. Beide liebten dieselbe Frau,  waren nacheinander mit ihr verheiratet.

Elin ist bei einem Unfall umgekommen und Harald inzwischen unheilbar an Krebs erkrankt. Als Olof allein von dem Segeltörn zurückkehrt, muss er sich vor der Polizei verantworten.

Die Ereignisse an diesem einen Tag und die Rückblenden schildert Bargum einmal aus der Sicht von Olof und einmal aus der Perspektive von Harald. So entfaltet er die Dreiecksgeschichte und überlässt es dem Leser Partei zu ergreifen oder nicht. Seine Sprache ist klar, schlicht, angenehm. Das Meer, das Segeln, nordisches Licht, Bargum lässt das mit teils knappen Sätzen ebenso anschaulich entstehen wie das Innenleben seiner Protagonisten.

Johan Bargum

Johan Bargum

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Die 40-jährige Finnin Selja Ahava hat Dramaturgie in Helsinki studiert und bislang Drehbücher und Hörspiele geschrieben. Mit „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm“ hat sie ihren  ersten Roman vorgelegt. Anna verliert unaufhaltsam ihr Gedächtnis, sie klammert sich an Wortlisten, um nicht durchzudrehen, und erfindet eigene Worte, die ihr Halt geben. Die alte Frau liegt in einem Altenheim und erinnert sich an ihr Leben. Manchmal bruchstückhaft, dann wieder klar.

Sie erinnert sich an ihre große Liebe Antti, an ihre zweite Liebe, eine Schäreninsel, auf der sie mit Antti gelebt hat, bis er bei einem Unfall gestorben ist. Mit Anttis Tod verliert Anna auch ein Stück weit sich selbst und die Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis beginnen. Sie geht nach London, lebt dort ein paar Jahre. Als nichts mehr gegen die Aussetzer hilft, bleibt zum Schluss das Pflegeheim in Finnland.  

Ahava gelingt es berührend, aber unsentimental mit den Themen Alter, Demenz und Einsamkeit umzugehen. Ihre Anna ist mal gebrochen, mal energisch.  Annas Fantasiewelten befreien sie und den Leser. Im Heim etwa bekommt sie Besuch von Gott. Er erzählt von der Insel, spendiert auch schon mal eine Zigarette und gemeinsam gehen sie auf Strümpfen spazieren.

Johan Bargum: Septembernovelle. Mare Verlag, 112 Seiten, 18 Euro.

Selja Ahava: Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm. Mare Verlag, 224 Seiten, 20 Euro.

Die Autoren lesen am Donnerstag, 16. Oktober, im  Apex, Burgstraße 46, Bargum um 19 Uhr, Ahava um 21 Uhr.

 
„Kopfnuss – 101 mathematische Rätsel“ von Heinrich Hemme
Von Friedrich Schmidt

Ein Jäger wandert zehn Kilometer nach Süden, dann zehn Kilometer nach Osten, darauf zehn Kilometer nach Norden und gelangt somit an seinen Ausgangspunkt zurück. Dort schießt er einen Bären.

Welche Farbe hat der Bär? In „Kopfnuss – 101 mathematische Rätsel aus vier Jahrtausenden und fünf Kontinenten“ unternimmt Heinrich Hemme einen Streifzug durch die Geschichte des Denksports. Dabei ist es dem Professor für Physik wichtig, Aufgaben sowie Lösungen vorzustellen und diese kurz in den historischen Kontext einzuordnen.

H. Hemme

H. Hemme

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Die Antworten auf manche alte Aufgabe seien in den Originalquellen oft „fehlerhaft und unvollständig“, so der Autor. Darum hat Hemme die Originale „durch moderne und vollständige Lösungen ersetzt“. Doch ohne mathematische Grundkenntnisse sind einige davon nicht zu verstehen.

Das Wissen über Bruch- oder Potenzrechnung, Geometrie und anderes setzt Hemme oft voraus. Mathematik-Verweigerern werden diese Aufgaben wenig Spaß machen.

Manche Rätsel scheinen nur mit Spezialwissen lösbar zu sein. Zum Beispiel, wenn es um die Entwicklung der Schreibweisen von Zahlen in den arabischen Ländern geht. Wer sich schnell von Rätseln frustrieren lässt und wenig Freude an Mathematik hat, sollte seine Nase nicht in „Kopfnuss“ stecken.

Wer sich hingegen solchen Aufgaben gerne stellt und seine Fähigkeiten rund um das Thema erproben und erweitern möchte, der hat seine Freude an Hemmes Buch.

Die Antwort auf die Jäger-Frage: Bloß am Pol kann der Jäger dreimal die Haupt-Himmelsrichtung wechseln und zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren. Und da es nur am Nordpol Bären – nämlich Eisbären – gibt, ist die Fellfarbe höchstwahrscheinlich weiß.

Heinrich Hemme: Kopfnuss – 101 mathematische Rätsel aus vier Jahrtausenden und fünf Kontinenten. C.H. Beck-Verlag, 143 Seiten, 9,95 Euro.

Der Autor ist am Freitag, 17. Oktober, um 19 Uhr in der Göttinger Paulinerkirche, Papendiek 14, zu Gast.

 
Melanie Wald-Fuhrmann und Klaus Pietschmann beleuchten den „Kanon der Musik“
Von Michael Schäfer

Welche Kunstwerke haben Maßstäbe gesetzt, dienen als Vorbild und sollten die Zeit überdauern? Eine Zusammenstellung solcher Werke nennt man Kanon, etwa den Literaturkanon, der die Grundlage für den gymnasialen Deutschunterricht bildet. Mit dem so zu verstehenden „Kanon in der Musik“ befasst sich das von Klaus Pietsch­mann und Melanie Wald-Fuhrmann herausgegebene Handbuch.

Wer angesichts des Titels einen Katalog derartiger Werke erwartet, liegt falsch. Es geht, wie der Untertitel aussagt, um „Theorie und Geschichte“ des Kanons. Den Anstoß gab eine Tagung im Münchner Orff-Zentrum 2008. Die dort gehaltenen Referate bilden den Kern des 950-seitigen Buchs, erweitert um weitere Beiträge, insgesamt 33 Aufsätze, die das Problem der Kanonbildung aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersuchen.

M. Wald-Fuhrmann

M. Wald-Fuhrmann

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Die Autoren widmen sich zunächst der Gegenstandsbestimmung. Vorgestellt werden unter anderem die Kanonbildung durch begründetes Werturteil, die Kanonisierung musikalischer Werke als Problem der Historiografie, auch gescheiterte Kanonisierungen.

Der zweite Abschnitt ist chronologisch gegliedert und führt vom Mittelalter bis ins 19. und 20. Jahrhundert. Dabei werden so unterschiedliche Bereiche behandelt wie musikalische Gesamtausgaben, Konzepte von Nationalmusik oder die popularisierende Kanonbildung, die in Programmheften und Konzertführern zum Ausdruck kommt. Erweitert wird der Kanonbegriff, der üblicherweise nur auf Werke der klassischen Musik angewendet wird, auf die Bereiche von Jazz und Pop.

Im dritten Abschnitt werden mediale und systematische Aspekte der Kanonbildung behandelt. Stichwörter hierzu sind Repertoirebildung, Nationalisierung, Popularisierungsmedien und die Rolle der Komponisten selbst. So werden Komponisten von Machaut bis Stockhausen „als Agenten ihres eigenen Nachruhms“ vorgestellt, es wird die Rolle des Notendrucks für die Kanonbildung untersucht sowie die Beziehungen von Ökonomie und Kanon dargestellt.

K. Pietschmann

K. Pietschmann

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Dem Kanon in der Musik haben sich in der Vergangenheit zahlreiche Wissenschaftler in verstreut publizierten Untersuchungen gewidmet, die in einer ausführlichen Auswahlbibliografie im Anhang des Buches zusammengestellt sind. Hilfreich ist auch das umfangreiche Register.

Das Handbuch bietet eine umfassende, vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Thema, es lenkt den Blick in bislang vernachlässigte Bereiche und zeigt neue Perspektiven auf. So dürfte dieses Buch der künftigen Forschung auf diesem Gebiet wichtige Impulse geben.

Klaus Pietschmann, Melanie Wolf-Fuhrmann (Hg.): Der Kanon in der Musik. Theorie und Geschichte. Ein Handbuch. Edition Text + Kritik, 950 Seiten, 79 Euro.

Melanie Wolf-Fuhrmann spricht am Sonnabend, 11. Oktober, um 19 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek, 14, mit Stephan Herminghaus, Direktor des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation, über das Thema.

 

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Ein Favorit räumt ab: der bereits mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Lutz Seiler.

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