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Der Hingucker Inselteller wird zum Hinhörer

„We notice no disturbances“ im Alten Rathaus Der Hingucker Inselteller wird zum Hinhörer

Wie klingt die Welt? Die Frage kann die Klammer bilden für die Kunstobjekte von sieben Künstlern. Sie haben  Stimmen und Stimmungen eingefangen – auf unterschiedlichste Art und Weise.

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Zu jedem Inseltyp erklingt eine andere Musikrichtung: Julien Grossmann lässt mit „Kokin (…) Slendro“ Weltmusik erklingen.

Quelle: Heller

Göttingen. Lara Schleussner, künstlerische Leiterin des Kunstvereins Göttingen, hat die Objekte, Installationen und musikalischen Interpretationen zusammengestellt zur Ausstellung „We notice no disturbances“.

Am Ende gelingt es ihnen doch, das Lied zu singen. Aber zuvor war es gar nicht so einfach, sich an den Text zu erinnern. Dabei haben alle acht Frauen und Männer ihr Schullied „Mount Tsukuba“ als Kinder täglich gesungen. Mit seinem Video „Be True to Your School“ geht Song-Ming Ang die Erinnerung an: Sie lässt uns, im Detail oder komplett, im Stich, obwohl wir uns ihrer sicher wähnen.

Auf Dialog ausgerichtet

Sehr persönlich und auf Dialog ausgelegt ist Song-Mings Projekt „You and I“. Die Briefe von Bekannten aus London, Rom oder Singapur, die ihre Stimmungen beschreiben, beantwortet er mit Musik. So antwortet er Alaina, die von großer Verwirrung und Traurigkeit schreibt, mit neun Musikstücken: darunter „Where Summer goes“ aus „Peter und der Wolf“ oder „Time of No Reply“ von Nick Drake. Lesestoff, der Blick auf verschiedenste Briefformen und die oft überraschende musikalische Antwort sind der Lohn für die zeitintensive Auseinandersetzung mit dieser Dialog-Kunst.

Frühe ethnografische Aufnahmen verwendete Julien Grossmann für seine Installation „Kokin (…) Slendro“. Musik aus verschiedensten Ecken der Welt erklingt von Schallplatten, deren Mitte Nachbildungen diverser Inseltypen  zeigen. Kurz sind die Musikstücke, von denen immer nur eines zur Zeit erklingt. Zuerst ist es ein Hingucker, dann ein Hinhörer.

Einfluss der Landschaft auf die Musik

Hat eine Landschaft Einfluss auf die Musik ihrer Menschen? Sicher ebenso, wie sich Menschen von einem Ort beeinflussen lassen. Die Kommentare von Touristen hat Tomas Werner auf der Soundpostkarte „Landscape Spectacle“ am Grand Canyon eingefangen: Ein Stimmengewirr vor einer großartigen Kulisse. Für jeden Touristen ein Ereignis. Doch in der Summe ein Störfaktor. Ruhiger wird es, wenn man die Protokolle der Gespräche liest, die Sal Randolphs bei Protestversammlungen in New York aufgenommen hat.

Ebenfalls zum Lesen fordert Kajsa Dahlbergs Installation auf: 600 Postkarten aus der Zeit von 1911 bis 1999, die Menschen in Jerusalem schrieben und nach Schweden schickten. Dahlberg nutzte den Fund der Sammlung zur Dokumentation von Botschaften aus einer über die Jahre immer wieder von Unruhen und Kriegen mitgenommenen Stadt. Aber meist, wie es so mit Urlaubskarten ist, werden das Wetter und private Erlebnisse beschrieben. Doch manchmal lässt der Text zum schönen Ansichtsmotiv anderes ahnen: „Grüße von der Klagemauer, die nun ganz in israelischer Hand ist“ heißt es 1968, drei Jahre später „Es ist keine Unruhe zu spüren, alle sind fröhlich und freundlich“, was im Original heißt: „We notice no disturbances“. Die so benannte Ausstellung zeigt in vielfältiger Interpretation, wie störend und harmonisch die Klänge der Welt sind.

Die Ausstellung „We notice no disturbances“ des Kunstvereins Göttingen ist im Alten Rathaus, Markt 9, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet (bis 21. Oktober).

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