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Der Intendant des Schauspielhauses Zürich und sein Ärger mit Eidgenossen

„Herr Hartmann, dass ist nicht gut“ Der Intendant des Schauspielhauses Zürich und sein Ärger mit Eidgenossen

Regisseur Matthias Hartmann hat unter anderem in Hannover inszeniert, wurde mehrfach mit Produktionen zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen, leitet seit vier Jahren das renommierte Schauspielhaus in Zürich und wird im Sommer das Burgtheater in Wien übernehmen. Peter Krüger-Lenz hat mit ihm über seine Zeit in der Schweiz gesprochen.

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Groß, selbstbewusst und bald in Wien: Matthias Hartmann wird Intendant des Burgtheaters.

Quelle: dpa

Seine letzte Produktion am Schauspielhaus in Zürich wird „Ich bin der Wind“ sein. Dann verlässt Intendant Matthias Hartmann den Pfauen, wie das Haupthaus des Theaters auch genannt wird, und weht in Richtung Wien davon, wo er das Burgtheater übernimmt. „Ich hab das hier nicht so gemocht“, sagt Hartmann und meint vor allem die Funktionsträger in der Stadt, mit denen er sich als Theaterleiter auseinandersetzten musste. 

Gleich zwei Wochen nach seinem Amtsantritt vor vier Jahren musste er sich mit einem Streik des technischen Personals an seinem Haus auseinandersetzen, „die bestbezahlten Theatertechniker der Welt“, sagt Hartmann, „nicht nur Europas“. Politiker hätten sich schon in dieser Auseinandersetzung „als sehr unverlässliche Partner erwiesen, das kannte ich in dieser Form nicht“. „Aug’ in Aug’ in der Tradition des Rütli-Schwurs“ hätten sie vieles versprochen und dann nicht gehalten, sagt Hartmann und lächelt dabei ziemlich grimmig. 

So ähnlich hat er auch am Vortag in der Pause einer Premiere am Schauspielhaus ausgesehen, als er von einem älteren Ehepaar („Millionäre“) berichtete, das gerade entrüstet das Haus verlassen hatte: „Herr Hartmann, dass ist nicht gut.“ Der Intendant ist nicht nur um die 1,90 Meter groß und sehr selbstbewusst, er ist auch schlagfertig. „Hören Sie mal, gnädige Frau, ich kotze doch auch nicht vor ihre Tür“, soll er geantwortet haben. Man traut es ihm zu.

Hartmann sagt von sich, er sei erst der zweite Intendant, der das Schauspielhaus freiwillig verlässt. Er übernahm das Theater von Christoph Marthaler, dem mit dem Verweis auf schlechte Besucherzahlen und mangelndes künstlerisches Niveau das Leben in Zürich so schwer gemacht wurde, dass er auf sein letztes, vertraglich vereinbartes Intendantenjahr verzichtete. Hartmann, der die Bücher kennt, nennt das „Machenschaften“ und sagt, Marthaler sei der wirtschaftlich erfolgreichste Intendant des Schauspielhauses gewesen.

Österreichische Wahrheitsliebe

Dass das Arbeiten am Burgtheater in Wien einfacher wird, davon ist auch Hartmann nicht überzeugt. Doch er baut auf österreichische Wahrheitsliebe: „Da sagt man’s wenigstens, wenn einem was nicht passt. Mit klaren Ansagen kann ich leben.“ Und: „Der Künstler ist am Theater in Wien wichtiger als der Kaufmann, hier ist es andersherum.“

Künstlerisch allerdings, sagt Hartmann, habe er in Zürich „eine tolle Zeit gehabt“. Jedoch seien ihm immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen worden – „in vollem Lauf“. Dennoch sei „es astrein gelaufen“. Mehrfach seien Produktionen auf wichtige Festivals eingeladen worden, „der Laden brummt“. Das soll ihm auch in Wien gelingen. Zum Auftakt inszeniert er „Faust“ mit Tobias Moretti als Faust, Gert Voss spielt Mephistopheles. Und was kommt nach seinem Engagement in Österreich? Hartmann denkt keine Sekunde nach: „Bochum“. Auch das nimmt man ihm ab.

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