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Der Kunst-Chirurg

"Künstler und ihre Ateliers" Der Kunst-Chirurg

Aufgeräumt sieht es aus in dem Atelier von Ulrich Schiller. Aufgeräumt, aber auch voll. In jeder Ecke stehen Bilder, sorgsam voreinander gelehnt. Auf den Tischen stapeln sich Zeichnungen. Schiller ist ausgesprochen produktiv. Einmal am Tag etwas malen oder zumindest kritzeln. Das hat er durchgezogen

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Künstler aus Leidenschaft: Ulrich Schiller.        

Quelle: Heller

Göttingen. Aufgeräumt sieht es aus in dem Atelier von Ulrich Schiller. Aufgeräumt, aber auch voll. In jeder Ecke stehen Bilder, sorgsam voreinander gelehnt. Auf den Tischen stapeln sich Zeichnungen. Schiller ist ausgesprochen produktiv. Einmal am Tag etwas malen oder zumindest kritzeln. Das hat er durchgezogen. Schon als Kind sei in seiner Familie mit den sechs Kindern klar gewesen: „Kunst gehört zur Körperhygiene.“

In Berlin an der Kunstakademie hatte er sich beworben und war dann doch lieber Arzt geworden. Als Chirurg arbeitete er in Göttingen vor dem Eintritt in das Rentenalter. „Malen, um davon zu leben? Grauenhaft“, sagt Schiller.

Als Mediziner sei er lange jedes Jahr für eine Woche in die USA gereist und habe Vorträge gehalten. Anschließend habe er Museen besucht. Gerne fährt er auch zu Ausstellungen in der Kestner-Gesellschaft in Hannover. Kunst von „tollen Leuten“ habe er dort oft gesehen, sagt Schiller und nennt als Beispiel die Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist. Mit Joseph Beuys („Der erste Künstler, mit dem ich mich lange unterhalten habe“) sprach er  über dessen Honigpumpe bei der Documenta in Kassel. Bei einer späteren Weltkunstausstellung habe er den chinesischen Künstler Ai Weiwei kennengelernt, erzählt Schiller. Auch auf die Kunst von Ida Applebroog, einer feministische US-amerikanischen Künstlerin, Jahrgang 1929, sei er während einer Documenta aufmerksam geworden. Blätter zum Mitnehmen hatte sie in dem Raum mit ihren Werken ausgelegt. Schiller nahm etwa 50 davon und übermalte sie. Der Künstler, mit dem Schiller sich wohl am intensivsten auseinandergesetzt hat, ist Picasso. Dessen Bildsprache scheint in vielen Bildern Schillers durch.

„Ich arbeite immer mehrschichtig“, erklärt Schiller. Neben der Malerei, die er in sehr unterschiedlichen Ausprägungen handhabt, stellt er Monotypien und Radierungen her, letztere mit einer eigenen Druckerpresse, die in seinem Atelier steht. Mit dem kunstverständigen Tageblatt-Fotografen beginnt er bei diesem Besuch umgehend eine Diskussion über den Strich in Radierungen und dessen Lebendigkeit. Schiller: „Über Kunst kann ich immer erzählen. Das kann man nur, wenn man dahintersteht.“

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