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Der Reinhold Messner der Küche

Horst Lichter in der Lokhalle Der Reinhold Messner der Küche

Kann denn Butter Sünde sein?“ ist der Name des aktuellen Bühnenprogramms von Horst Lichter, das er am Sonnabend unter großem Applaus in der Göttinger Lokhalle seinem begeisterten Publikum präsentierte.

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Quasselt und ulkt sich durch den Abend: Horst Lichter.

Quelle: Pförtner

Zum Auftakt offerierte er dann auch gleich die – wie er seine Kreation nennt – achte Todsünde: Dafür klatscht er ein halbes Pfund Butter in eine schon heiße Pfanne („Wer definiert eigentlich eine Messerspitze?“), schüttet gefühlte 400 Gramm Puderzucker und eine halbe Flasche Baileys dazu. Das alles in einen Plastikbecher, wo schone eine halbe Banane wartet, – fertig!

Wer von einem Bühnenprogramm mit dem Fernsehkoch Horst Lichter erwartet, dass dabei richtig was gekocht wird, irrt sich gewaltig. Denn die paar Drinks und Snacks, die er nebenbei kreiert, sind allenfalls Requisite. Das höchste der Gefühle ist ein schon vorbereiteter Toast Hawai, der in der dafür auf der Bühne bereit stehenden Mikrowelle nur noch schnell warm gemacht wird und eine Torte, die eigentlich nur aus Schlagsahne und Baileys besteht. Lichter selbst sagt über sich, dass er weder als Koch, noch als Kabarettist oder Comedian hier sei, sondern schlicht als Geschichtenerzähler, der erzählt, was stimmt.

Und so quasselt und ulkt er sich in seiner rheinischen Art durch den Abend, erzählt von seinem Urlaub in Las Vegas und von seiner Mutter, während sich das Publikum kaum mehr beruhigen kann. Während einige sich regelmäßig glucksend auf die Schenkel klopfen, rutschen andere vor Lachen fasst vom Stuhl. Was ist dran am Horst, dass er hier so gut ankommt?

„Glaubt ihr etwa, dass Jopie Heesters 107 Jahre alt geworden ist, weil der seit 1925 nur Biomüsli frisst?!“, fragt Lichter in dem Moment und ulkt weiter: „Für die Menge an Butter und Sahne, die ich in meinem Leben verbraucht habe, hätte ich locker eine lebenslange Patenschaft für eine Kuh übernehmen können! Ich bin der Reinhold Messner der Küche, - ich habe den Butterberg bezwungen!“

Heute Abend sind hier nicht diejenigen versammelt, für die ein paar gedünstete Kohlrabi aus dem Biomarkt mit wenig Salz eine Mahlzeit darstellen. Stattdessen treffen sich die, die sich in der Pause eine Bockwurst im Brötchen gönnen und sich dabei über das deutsche Fernsehballett und Florian Silbereisen unterhalten.

Lichter ist nicht einer der Köche aus dem Fernsehen, die nur mit Zutaten kochen, die man im normalen Supermarkt gar nicht kaufen kann. Er ist derjenige, der mit dem Sahnetopf genauso verschwenderisch umgeht, wie der große Teil der Bevölkerung. Für den auch in eine beschichtete Pfanne ein ordentliches Stück Butter gehört. Der von Schnitzeln mit Kartoffelsalat spricht. Bei Fernsehköchen wie Johann Lafer oder Alfons Schuhbeck geht’s niemals unter „Ziegenkäsetarte mit Datteln und frischen Feigen“, Lichtjahre von der Realität der meisten deutschen Küche entfernt.

Lichter spricht die Sprache, die verstanden wird und kocht das Essen, was wohl tatsächlich gegessen wird. Und er versteht es, einen ganzen Abend so übers Essen zu sprechen, dass das Publikum Tränen lacht.

Von Indra Hesse

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