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Der kanadische Fingerstyle-Gitarrist Calum Graham im Göttinger Apex

Flinke Finger Der kanadische Fingerstyle-Gitarrist Calum Graham im Göttinger Apex

Er gilt als „Junger Wilder“ der Akustikgitarrenszene und ist mit 24 Jahren schon ein großer Fingerstyleexperte und Entertainer. Calum Graham hat früh mit siebzehn Jahren sein erstes Album veröffentlicht. Nun machte auf seiner ersten Deutschlandtour im Kulturclub Apex Station.

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Calum Graham

Quelle: Heller

Göttingen. Eine lange Schlange zieht sich schon früh durch den Eingangsbereich. Restlos ausverkauft und nicht jeder Besucher ergattert eine Karte. Calums gemeinsame CD mit dem ebenfalls aus Kanada stammenden Gitarristen Don Ross hat ihm einen großen Popularitätsschub verschafft. Die Musik von Ross hat er erstmalig in der Highschool auf einer Musikkassette seines Gitarrenlehrers gehört und war sofort infiziert von dieser Art des Gitarrenspiels.

Nach „Tabula Rasa“ gibt es eine charmante Ansage in Deutsch und ein „Good luck“, als ihm vor dem zweiten Stück erst mal eine Saite reißt. So hat Calum Zeit, ein wenig zu plaudern. Angekommen in London Heathrow gab es Probleme mit dem Gepäck. Nun ist er froh, auf seinen eigenen Gitarren spielen zu können. In „It is what it is“ zaubert er gleich zu Beginn ein atemberauschendes Spektrum an Klangfarben auf seiner akustischen Carbon Gitarre. Er schlägt die Saiten rhythmisch an, bearbeitet sie teilweise zweihändig mit faszinierendem Fingertapping und der Korpus dient zusätzlich als Perkussionsgrundlage. Weitere kleine Effekte werden über eine Pedalstation erzeugt. Bei ihm ist Fingerfertigkeit jedoch nicht Mittel zum Selbstzweck.

Es geht in seinem Spiel nicht um „schneller, höher, weiter“ Attitüden. Sein technisch perfektes, teils atemberaubendes Spiel kehrt immer wieder zu feinfühligen Melodiebögen zurück. Diese vermitteln tiefgehende Stimmungsmomente, die zusätzlich durch seine markante Stimme an Ausdruck gewinnen. Calum ist auch ein humorvoller Geschichtenerzähler. In seinen Stücken geht es oft um Personen aus seinem Umfeld. „The better part of me“ ist einem Mädchen von der Highschool gewidmet, das er wegen einer Gitarrenstunde versetzt hat. Die eindringliche Ballade „Waiting“ hat er für einen 60-jährigen Freund geschrieben, der zwei Schlaganfälle erlitten hat. In „Strangers“ geht es um Fremde, die sich verlieben oder um Verliebte, die sich fremd werden. Und für das seiner Schwester gewidmete „Honesty“ greift er zur E-Gitarre und veredelt das Stück mit einem elegischen Solo.

So vergeht der Abend im Fluge. Die Zugabe „The Channel“ scheint wunderbar entrückt aus der Tiefe des Raums zu kommen. Und mit dem fast nach zwei Gitarren klingenden „12:34“ wird ein total begeistertes Publikum von einem großen, durchweg sympathischen Künstler in die Nacht verabschiedet.

Von Jörg Linnhoff

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