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„Der wunderbare Massenselbstmord“

31. Figurentheatertage „Der wunderbare Massenselbstmord“

„Der wunderbare Massenselbstmord“ hat am Freitag bei den 31. Göttinger Figurentheatertagen auf dem Programm gestanden. Das Theater Blaues Haus aus Krefeld und das Theater 7Schuh aus Görlitz zeigten im ausverkauften Alten Rathaus in Göttingen eine Theater-Adaption nach dem Roman von Arto Paasilinna.

Mittsommernacht in Finnland: alle tanzen, alle feiern. 

Quelle: Pförtner

Göttingen. Also, wenn schon scheitern, dann bitte mit Konzept. Oder noch besser: Scheitern als positives Konzept. Wie sich das im großen Stil bewerkstelligen lässt, zeigen Stella Jabben und Anne Swoboda unter der Regie von Frederike Krahl – mit viel Spaß, Tiefgang und schwarzem Humor auf dem Weg zum kollektiven Finale.

Mittsommernacht in Finnland: Das heißt feiern, trinken, tanzen. Aber nicht alle sind fröhlich. Denn zufällig treffen ein paar Unbekannte aufeinander, die als Verlierer der Gesellschaft am Abgrund ihres Lebens stehen. Die Gescheiterten verbindet eines: Sie denken alle über Selbstmord nach. Und sie schmieden den Plan, gemeinsamen einen großen Abgang zu machen. Die unternehmungslustigen Selbstmordkandidaten chartern einen Bus und gehen auf eine skurrile Reise, in deren Verlauf sie sich näher kommen. Und ihr Ziel rückt immer weiter in die Ferne.

„Midsommer, Wodka, Sauna, Polka, Nokia, Finlandia.“ Ungestüm und feierwütig schwappen die Figurenspielerinnen regelrecht auf die Bühne. Die finnische Natur und das finnische Naturell werden erst einmal skizziert. Und in Rückblenden zeigen Jabben und Swoboda, wie die einzelnen Figuren sich kennenlernen. Dazu kommt eine ominöse „Zentrale“, die die Spielerinnen immer wieder anfragen, um Handlung und Figuren zu erklären, zu unterbrechen oder dramaturgisch voranzubringen. Der Einstieg in die Tragikomödie ist ziemlich anspruchsvoll, Aufmerksamkeit ist gefragt bei all den Figuren und Zeit-Raum-Sprüngen.

Vom ersten Moment an entfachen die Spielerinnen einen wahren Bühnenzauber. Sie agieren selbst als Schauspielerfiguren, mit ihren Handpuppen und Miniaturfiguren, die allerdings so winzig sind, dass einige Zuschauer das Geschehen teils gar nicht direkt sehen können. Leinwände, ein Sandbild auf einem Tablett und ein kleiner Barwagen dienen als Bühnen auf der Bühne. Kameraaufnahmen werden auf die Leinwände projiziert. Und Polka-Pop-Musik im Humpa-Stil treibt das Geschehen temporeich voran. 

Es macht einen Riesenspaß, Jabben und Swoboda zuzuschauen wie sie energiegeladen wirbeln, Grimassen schneiden, die Figuren zum Leben erwecken und Paasilinnas herrlich absurde Geschichte auf ganz wunderbare und vielschichtige Weise spielen und erzählen. Es ist berührend, wie die Figuren sich vom Leben verabschieden wollen und dabei mitten in den einzigartigen Strudel des Lebens geraten. Das begeisterte Publikum bedankt sich mit Riesenapplaus.

Von Karola Hoffmann

Die Milchbar im Nörgelbuff