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Der andere Bukowski

„Der Club der toten Dichter“ mit Gastsänger Peter Lohmeyer Der andere Bukowski

Reinhardt Repke ist Musiker, Komponist, Arrangeur und musikalischer Kopf der Band „Club der toten Dichter“. Sein Konzept: Gedichte von Schriftstellern wie Wilhelm Busch neu vertonen. Jetzt war der Club mit seinem Charles-Bukowski-Projekt im Deutschen Theater – mit Gastsänger Peter Lohmeyer.

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Der "Club der toten Dichter“ im Deutschen Theater

Quelle: Heller

Göttingen. Die Arbeit an den Gedichten von Bukowski (1920-1994) sei sehr schwer gewesen, sagt Repke. Viel schwerer beispielsweise als das Vertonen der Schiller-Texte. Das schillersche Versmaß vereinfacht das Komponieren. Bukowskis Gedichte folgen einem eigenen Rhythmus. Repkes Mühsal hört man den Liedern allerdings nicht an.

Mit großer Leichtigkeit kommen sie daher, geradezu spielerisch begleiten die Töne die Worte des bösen alten Mannes, wie Bukowski gerne auch genannt wird. Repke sagt, sie hätten einen anderen Bukowski entdeckt, einen sehr empfindsamen. Und da passen Musik und Worte ganz besonders gut zusammen.

Bukowski war bekennender Säufer. Er schlug sich mit seltsamen Gelegenheitsjobs durchs Leben. Am längsten arbeitete er als Postbote und Briefsortierer, mehr als zehn Jahre lang. Das Schreiben begleitete ihn immer, im Anschluss an das Tagewerk setzte er sich an die Schreibmaschine. Bukowski war mit zahllosen Frauen zusammen, und er wettete auf der Pferderennbahn. Geschrieben hat er über sein Leben am Rand der Gesellschaft, von wo aus er offenbar einen ziemlich guten Blick auf das Leben hatte.

Repke hat dazu Musik geschrieben, die nicht mit den Bukowski-Texten ringt, sondern sie umfließt. Alle Musiker der Band haben offensichtlich viel Spaß an ihrem Job, den sie mit Vergnügen ausführen. Teil des Konzeptes des „Clubs der toten Dichter“ ist es, für jedes neue Projekt einen Gastsänger zu verpflichten. Für Bukowski sollte es ein Schauspieler sein, erzählt Repke. Es wurde Peter Lohmeyer. Der berichtet von der Angst vor der Aufgabe, singen zu müssen und von dem Spaß daran. Lohmeyer, ein Kind des Ruhrgebietes und bekennender Schalke-Fan, entpuppt sich als sehr schön kantige Besetzung. Von Natur aus keine Nachtigall – so beschrieb es ein Kritiker - raunt und krächzt und inszeniert er Bukowskis Worte voller Inbrunst – und ist auch instrumental engagiert.

Er spielt Kazoo, Schreibmaschine, Rasseldose. Rapke singt einige Lieder selbst und spielt ansonsten Gitarren von denen er ein halbes Dutzend einsetzt. Andreas Sperling an den Keyboards, Tim Lorenz am Schlagzeug, das so schön scheppert, und der tanzende Bassist Markus Runzheimer sind ein eingespieltes Team. Ihre Musik klingt manchmal so überzeugend einfach wie Lieder von Peter Licht, dann wieder so lässig und entspannt wie die Musik der Band „Erdmöbel“.

Und gegen Ende bekommt der Abend dann noch überraschend eine komödiantische Note. Wenn Repke seine Band vorstellt und davon erzählt, wie er Lohmeyer zum Kennenlernen traf und später bei einem Dorfwirt und FC-Bayer-Fan unterbrachte und mit einem Schalke-Badelaken über dem Bett milde stimmte, beginnt der Abend wunderbar zu leuchten.

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