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„Dialog – Arbeiten auf Papier": Hilke Diers und Manfred Droese stellen im Künstlerhaus aus

Ist das Kunst? „Dialog – Arbeiten auf Papier": Hilke Diers und Manfred Droese stellen im Künstlerhaus aus

„Ist das jetzt sie oder er?“ Unter den Besuchern der neuen Doppelausstellung im Künstlerhaus Göttingen ist diese Frage weit verbreitet. Alle Bilder sind mit nichts außer einer Nummer gekennzeichnet. Wer ist der Künstler? Auf dem ersten Blick ist das nicht erkennbar. So wird spekuliert.

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Bei der Vernissage: Manfred Droese und Hilke Diers (v.l.).

Quelle: Heller

Göttingen. Gut so, denn die Ausstellung trägt den Namen „Dialog – Arbeiten auf Papier“, und dass die Künstler vor ihrem Werk zurücktreten, kann nur eines bedeuten: Den Dialog führen die Bilder selbst.

Hilke Diers und Manfred Droese heißt das Künstlerpaar, das aktuell im Künstlerhaus ausstellt. Beide sind fest in der regionalen Kunstszene verankert und leben Bovenden. Die Vernissage ist gut gesucht.

Die Bilder von Diers und Droese zeigen vor allem Abstraktes. Während Diers ihren Bildaufbau oft festen Ordnungsprinzipien wie Parallelität oder Symmetrie unterwirft, sind Droeses Motive mehr als freie Formen angelegt, die scheinbar oft dem Chaos unterliegen. Striche, ordentlich in einer Reihe oder in einem wilden Gewirr.

So verweigern sich beide Künstler einer plakativen Bildaussage. Worin der Dialog besteht, wird damit nicht auf den ersten Blick klar. Erst die genaue Beobachtung von Details bringt ans Licht, dass es hierbei um die Kunst an sich geht. Ein Schlüsselwerk zu diesem Verständnis stammt von Diers.

So ordnet sie einem großformatigen Bild, das nach unten verlaufende Farbbahnen zeigt, zwei ähnlich aufgebaute, aber etwas kürzere Bilder zu, die das größere zu beiden Seiten flankieren. Ein Altar-Triptychon, so lautet eine Definition. Durch das extreme Hochformat zeigt die Bildgruppe aber auch Anklänge an Hoheitszeichen und Banner. So zeigt das Motiv zwar nur breite Farbstriche, Format und Anordnung erlauben aber die Lesart als Herrschaftszeichen und bildnerischen Ausdruck der Macht. Als Malgrund wählt Diers hier aber sogenanntes Chinapapier, das sehr dünn ist und in diesem ungerahmten Zustand eher an eine billige Papiertischdecke erinnert. Wie passt das zusammen? Gar nicht, und genau darin besteht der Dialog.

Sowohl Diers als auch Droese verstehen es, ihre Werke mit Uneindeutigkeit aufzuladen. Details passen nicht zusammen und heben sich in ihrer Bedeutung teilweise gegeneinander auf. So zeigt Droese Bilder, die scheinbar aus nur wenig sinnvollem Strichgewirr bestehen. Droese aber rahmt diese Bilder ein und weist ihnen damit den Glanz des Bedeutungsvollen zu.

Der eigentliche Dialog, den die Bilder auf diese Weise aufnehmen, ist somit eigentlich ein Appell. Sie fordern den Betrachter auf, selbst darüber zu entscheiden, was wertige Kunst und was bloßes Gekritzel ist. Damit betritt diese Ausstellung eine Metaebene und trägt zu einem Kunstdiskurs bei. Ist das Kunst? Die Antwort überlassen Diers und Droese dem Betrachter.

Von Daniela Lottmann

„Dialog – Arbeiten auf Papier“ von Hilke Diers und Manfred Droese ist bis Sonntag, 10. Mai, im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr und an den Wochenenden von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 19. April, startet um 11 Uhr eine Führung durch die Ausstellung. Zur Finissage am Sonntag, 10. Mai, stellen sich Diers und Droese ab 11.30 Uhr dem Dialog mit Besuchern.
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