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„Eine Parabel für jede Stadt“

Diana Kanter besucht DT „Eine Parabel für jede Stadt“

„Die Nutznießer – ,Arisierung‘ in Göttingen“  ist ein Theaterstück, das Marcus Lobbes am Deutschen Theater inszeniert hat. Am Dienstag kam Diana Kanter ins DT, um die Inszenierung zu sehen, die auch von ihrem Großvater Max R. Hahn handelt, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

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Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Im November 2014 kam Diana Kanter nach Göttingen. Nicht zum ersten Mal. Sie war zuvor schon andernorts in Deutschland gewesen und mit ihrer Mutter, Hanni Barton, geborene Hahn, kam sie als 16-Jährige im Jahr 1968 zum ersten Mal hierher. Über die Geschichte ihrer Göttinger Vorfahren war sie gut informiert. Ihr Cousin Michael Hayden hatte die Familiengeschichte erforscht und verfasste mit anderen, darunter die Historikerin Cordula Tollmien, ein Buch über Max Raphael Hahn (1880-1942), das 2015 erschien.

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„Die Nutznießer – ,Arisierung‘ in Göttingen“  wird am Sonntag, 10. September, wieder im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 1, gespielt.

2014, erzählte Kanter bei ihrem Besuch im Deutschen Theater, habe das Städtische Museum die Möbel ihrer Vorfahren gezeigt und die unrechtmäßig erworbenen Gegenstände zurückgegeben. „Die Ausstellung hat mich sehr beeindruckt“, erzählt die in Brüssel lebende Kommunikationsberaterin. Ihre Famlienangehörigen und sie entschieden, die Möbel und andere Wertsachen der Stadt Göttingen als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen – um in einer Ausstellung an die Geschichte der Juden in Göttingen und an ihre Vertreibung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten zu erinnern.

Am Dienstag gingen Kanter und ihr Ehemann Benny Kanter gespannt ins Theater. Es sei  für sie  „unheimlich und aufregend“ zugleich, das  Theaterstück  zu erleben, das  den Akt der  Arisierung durch das nationalsozialistische Regime auch am Beispiel ihrer Familie zeige. „Ich finde es beachtlich, dass hier die Energie gefunden wurde, so eine Produktion zu verwirklichen“, erklärte die Nachfahrin der Göttinger Unternehmerfamilie Hahn. Mit dem Inhalt des Stücks habe sie sich schon beschäftigt .  „Das ist eine Parabel für jede Stadt in Deutschland“, erklärte Kanter . Es sei die „Sprache des Hasses“, die in  den Akten festgehalten worden sei. Fast nur aus Akten zitieren die Schauspieler, die als Archivare die Zeit von den 30er-Jahren bis in die Nachkriegszeit  wiedergeben. Dokumente aus Archiven in Göttingen und Hannover, die zusammengetragen wurden für das Theaterstück, das Marcus Lobbes am DT inszenierte.

Diana Kanter besucht das Theaterstück „Die Nutznießer – ,Arisierung‘ in Göttingen“

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Intendant Erich Sidler und Dramaturgin Sara Örtel zeigten dem Ehepaar das Theater. Er habe mit seinem Team, als er seine Intendanz begann, wissen wollen, welche Themen den Göttingern wichtig seien. Die Geschichte im Nationalsozialismus habe dazu gezählt. Daraus folgte  der Auftrag an die Autorin Gesine Schmidt. „Auch wenn vieles bekannt war, ging es uns darum zu  zeigen, wo die Menschen lebten, wie das Regime umgegangen ist mit ihnen“, erklärte Sidler.  

Nach Göttingen zu kommen, um das Theaterstück zu sehen, sei für sie keine Frage gewesen, so Kanter. Ihre Schwester und Cousins lebten in Südafrika, Kanada und in den USA. „Sie können nicht kommen, aber ich werde ihnen berichten“ , erzählt Kanter. Die Textgrundlage von „Die Nutznießer – ,Arisierung‘ in Göttingen“  sind Erlasse und Behördenschreiben, Zeitungsartikel, Briefe und Gerichtsurteile: „Es sind Fakten, die können nicht geleugnet werden“, stellt Kanter fest. Das Theaterstück biete damit keine bequemen Wahrheiten, sondern Tatsachen aus einer Zeit und von einer Gesellschaft und deren Machthabern, die Menschenrechte missachteten.  Insofern sei  die Handlung sehr aktuell  vor dem Hintergrund der Debatte über  „Fake News“ und die gesellschaftlichen  Entwicklungen in aller Welt.

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