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Dicht gewebter Teppich von Silbertönen

Göttinger Reihe Historischer Musik Dicht gewebter Teppich von Silbertönen

Es war eines der Konzerte, die überraschen: Wer rechnet schon damit, dass in einer Cembalo-Suite von Jean-Philippe Rameau das Tamburin geschlagen wird?

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Improvisationen zu klassischer Musik: Jermaine-Albert Sprosse und Jia Lim.

Quelle: Pförtner

Auch sonst verstanden sich Jermaine-Albert Sprosse und Jia Lim am Donnerstagabend bestens aufs Improvisieren. Reicherten sie doch die Cembalowerke etwa von Händel, Couperin und Marchand um Passagen an, die in freier Improvisation entstanden sind.

Mit Georg Friedrich Händels Suite Nr. 1 B-Dur HWV 434 eröffnete das Duo den Abend vor den voll besetzten Stuhlreihen des Mercedes-Benz-Centers. Und sogleich wurde der Sinn der Doppelbesetzung evident: Denn in der Bearbeitung für zwei Cembali liefen die Melodien zwischen den Instrumenten hin und her, spielten sich die Musiker in bester Jazz-Manier die Themen zu. Spielfreude und Lebendigkeit zeichnete auch die Suite a-Moll von Jean-Philippe Rameau aus: Hier unterfütterten die Musiker die Komposition mit Improvisationen im Generalbass, wirkten einen überaus dicht gewebten Teppich aus Silbertönen – und verblüfften im letzten Satz mit Tamburin-Getrommel.

Als „Fo(u)r Manual!“ firmieren Sprosse und Lim, und auf den vier Manualen der beiden Cembali haben ihre Hände reichlich Auslauf: Diesen Freiraum nutzen die Künstler jedoch stets im Werksinn. Und so präsentierten sie Armand-Louis Couperins „Simphonie de Clavecins“ ebenso temperamentvoll und klangschön wie die Suite d-Moll von Louis Marchand, für die sie die Seite an Seite stehenden Cembali in die Vis-a-Vis-Position rückten. Mit dem nun leichter zu erreichenden Blickkontakt legten die beiden sodann eine hinreißende Version von Francis Poulencs „L’embarquement pour Cythère“ hin, die den entzückten Applaus des Publikums hervorrief und sich hervorragend als „Encore“ eignete.

Händels großartige Suite g-Moll HWV 432 bildete den Schlusspunkt des Konzerts, mit dem Sprosse und Lim die „Göttinger Reihe Historischer Musik“ eröffneten. Wieder spielten sie eine Bearbeitung für zwei Cembali, und wieder machten sie die Frage nach der Legitimation derartiger Bearbeitungen überflüssig: In dieser Qualität dargeboten, sind sie als persönliche Note nicht nur erlaubt, sondern erwünscht und hoch willkommen.

Die Göttinger Reihe Historischer Musik wird am Donnerstag, 18. November, um 20 Uhr mit dem Ensemble „La Perla Bizzarra“ fortgesetzt. Das Konzert im Mercedes-Benz-Center, Willi-Eichler-Straße 34, beginnt um 20 Uhr. Karten gibt es beim GT-Ticketservice, Jüdenstraße 13c.

Von Matthias Körber

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