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Die Berg plaudert über Propheten und Lügner

„1000 und eine Nacht“-Schlagerabend Die Berg plaudert über Propheten und Lügner

Die Fans von Andrea Berg zählen offenbar zu den ungeduldigen. Schon eine Minute nach acht fordert die Menge das Erscheinen ihres Stars. Und die Besucher müssen nicht lange warten. Der Vorhang rauscht beiseite und gibt den Blick frei auf eine Bühnenarchitektur, die orientalisch wirken soll. Viele Kissen sind verstreut auf ausladenden Bänken. Hier sitzen die Musiker, gekleidet in bodenlange weiße Gewänder. Über ihnen Rundbögen und kleine Spitzen, von der Decke schwebt eine Geigerin in einem überdimensionalem Vogelkäfig. So stellt sich die Schlagersängerin das Morgenland vor.

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Andrea Berg trifft Orient: Musikalisch blieb der Schlagerstar zumeist jedoch bei den altbewährten Hits.

Quelle: Vetter

„1000 und eine Nacht“ heißt ihr Programm. Berg entführt das Publikum in „meine Märchenwelt“. Sie selbst trägt ein extrem kurzes Strandkleid, verziert mit Schmetterlingen. Später wechselt sie die Garderobe und führt genauso souverän Abendkleider vor wie ein knallenges Lederkleid mit gewagtem Lochmuster. Und das ist wohl auch einer der Gründe, warum Berg Deutschlands erfolgreichste Schlagersängerin ist: Sie deckt einen großen Bereich zwischen Dame und bösem Mädchen ab und bleibt dabei auch noch publikumsnah.

An diesem Abend singt sie ihre großen Hits wie „Du hast mich tausendmal belogen“, „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ oder „Schwerelos“. Darauf haben die Fans gewartet, jetzt singen sie lauthals mit. Teenager stehen neben Seniorinnen, viele Frauen sind gekommen, Männer sind häufig nur Begleitung.

Eine Frauenclique mittleren Alters feiert offensichtlich die wiedergewonnene Beziehungsfreiheit der einen. Auf der anderen Hallenseite sprechen zwei Männer um die 50, gut geföhnt und schwer behängt mit Goldschmuck und Thailand-Rolex, über Schwierigkeiten im Job. Das Durchschnittsalter in der Halle mag bei Mitte 40 liegen. Und alle eint: Sie entdecken sich und ihr Leben, ihre Lieben und Leiden in Bergs Liedern wieder.

Berg gibt sich sehr volksnah. Sie tänzelt immer wieder auf einem Laufsteg durch die Menge. Sie plaudert mit dem Publikum und gibt viele Ratschläge. Von falschen Propheten redet sie und von Lügnern, die man aber erkennt, wenn’s erstmal klick gemacht hat im Kopf. Das ist praktische Lebenshilfe, mit der man wenig falsch machen kann. Das ist konsensfähig.

Berg singt ihre Hits, aber sie singt auch zahlreiche Klassiker der Unterhaltungsmusik. Doris Days „Que Sera, Sera“ steht genauso auf der Setliste wie Reinhard Meys „Über den Wolken“. Auch diese Lieder kennen sie alle, auch hier feiert die Halle. Gut zwei Stunden dauert die Show, auch bei den Zugaben lässt Berg sich nicht lumpen. Später schreibt sie unermüdlich Autogramme. Sie weiß, wem sie ihren Erfolg verdankt: den Fans. Ach ja: „Märchen, Melodien und die Liebe werden ewig sein“, meint Berg. Was soll man dagegen sagen?

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